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Futtermittel-Komponenten beim Pferd: Ratgeber zur Fütterung

13.08.2026 / Fütterung
Futtermittel-Komponenten beim Pferd: Ratgeber zur Fütterung - Futtermittel-Komponenten beim Pferd: Ratgeber zur Fütterung

Futtermittel-Komponenten in der Pferdefütterung: Einzelfuttermittel, Mischfutter, Mineralien & Co.

Eine bedarfsgerechte Pferdefütterung besteht aus weit mehr als Heu, Hafer oder einem Müslifutter. Je nach Zusammensetzung können Futtermittel Energie, Protein, Rohfaser, Mineralstoffe, Vitamine oder bestimmte funktionelle Nährstoffe liefern. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welches Futtermittel gefüttert wird, sondern vor allem, welche Komponenten darin enthalten sind, in welcher Menge sie eingesetzt werden und welchen Bedarf des Pferdes sie tatsächlich abdecken.

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Futtermittelkategorien und stellt anschließend die bedeutendsten Komponenten der Pferdefütterung vor – von Hafer und Gerste über Luzerne und Rübenschnitzel bis hin zu Leinsamen und Bierhefe. Dabei werden jeweils Vorteile, mögliche Nachteile und Situationen, in denen eine Fütterung nicht oder nur eingeschränkt sinnvoll sein kann, berücksichtigt.


Futtermittel in der Pferdefütterung: Warum die Einteilung wichtig ist

Futtermittel lassen sich nach ihrer Zusammensetzung und ihrem Verwendungszweck in verschiedene Gruppen einteilen. Für Pferdehalter ist diese Einteilung vor allem deshalb relevant, weil sich daraus ableiten lässt, welche Aufgabe ein Futtermittel in der Ration übernimmt.

Ein energiereiches Kraftfutter ist beispielsweise etwas anderes als ein Mineralfutter. Ein Einzelfuttermittel besteht im Wesentlichen aus einem einzelnen Ausgangserzeugnis, während ein Mischfuttermittel aus mehreren Komponenten zusammengesetzt wird.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

  • Einzelfuttermitteln

  • Mischfuttermitteln

  • Alleinfuttermitteln

  • Ergänzungsfuttermitteln

  • Diätfuttermitteln

  • Mineralfuttermitteln

Unabhängig von dieser Einteilung können einzelne Komponenten wie Hafer, Luzerne, Leinsamen oder Rübenschnitzel unterschiedliche Funktionen in einer Ration erfüllen.


1. Einzelfuttermittel: Was ist ein Einzelfuttermittel?

Einzelfuttermittel sind Futtermittel, die aus einem einzelnen Ausgangserzeugnis bestehen oder im Wesentlichen durch ein einzelnes Futtermittel charakterisiert werden. Beispiele sind Hafer, Gerste, Mais, Leinsamen oder bestimmte Heuprodukte.

Der Vorteil besteht darin, dass die einzelne Komponente gezielt in die Ration integriert werden kann. Der Pferdehalter kann dadurch besser beeinflussen, welche Nährstoffe zusätzlich zur Grundfutterration aufgenommen werden.

Typische Einzelfuttermittel für Pferde

Dazu gehören beispielsweise:

  • Hafer

  • Gerste

  • Mais

  • Leinsamen

  • Ölsaaten

  • Rübenschnitzel

  • Weizenkleie

  • Luzerne

  • Gras- oder Heuhäcksel

Vorteile von Einzelfuttermitteln

Einzelfuttermittel ermöglichen eine sehr flexible Rationsgestaltung. Sie können beispielsweise eingesetzt werden, um Energie, Protein oder bestimmte Fettsäuren zu ergänzen.

Allerdings bedeutet „natürlich“ oder „einzeln“ nicht automatisch „für jedes Pferd geeignet“. Auch ein hochwertiges Einzelfuttermittel kann bei falscher Dosierung oder einem nicht passenden Pferdebedarf ungeeignet sein.


2. Mischfuttermittel: Mehrere Komponenten in einem Futtermittel

Mischfuttermittel bestehen aus mindestens zwei verschiedenen Futtermittelkomponenten. Dazu gehören beispielsweise Müsli, Pellets oder andere kombinierte Futtermittel.

Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass mehrere Nährstoffquellen miteinander kombiniert werden können.

Was kann ein Mischfuttermittel enthalten?

Je nach Produkt können beispielsweise enthalten sein:

  • Getreide

  • Getreideflocken

  • Luzerne

  • Gras

  • Rübenschnitzel

  • Ölsaaten

  • Pflanzenöle

  • Mineralstoffe

  • Vitamine

  • Aminosäuren

  • Hefen

  • Kräuter

Die Zusammensetzung kann von einem einfachen Getreidemix bis zu einem sehr komplex formulierten Ergänzungsfuttermittel reichen.

Vorteile von Mischfuttermitteln

Mischfuttermittel können die tägliche Fütterung vereinfachen. Besonders dann, wenn mehrere Nährstoffgruppen gezielt kombiniert werden sollen, kann ein gut konzipiertes Mischfutter praktisch sein.

Nachteile von Mischfuttermitteln

Ein Nachteil ist die geringere Kontrolle über die einzelnen Komponenten. Außerdem können Mischfuttermittel unnötig viele Zutaten enthalten, wenn der tatsächliche Bedarf des Pferdes deutlich geringer ist.

Deshalb sollte nicht allein die Zutatenliste betrachtet werden. Entscheidend sind auch:

  • Energiegehalt

  • Zucker- und Stärkegehalt

  • Proteinversorgung

  • Mineralstoffgehalte

  • empfohlene Fütterungsmenge

  • Zusammensetzung der gesamten Ration

Ein möglichst langes Zutatenverzeichnis ist kein Qualitätsmerkmal.


3. Alleinfuttermittel: Wann reicht ein Futtermittel allein aus?

Alleinfuttermittel sind so konzipiert, dass sie bei bestimmungsgemäßer Fütterung den Nährstoffbedarf eines Tieres abdecken können. Bei Pferden muss dabei insbesondere berücksichtigt werden, dass die natürliche Grundlage der Ration in der Regel aus strukturreichem Grundfutter besteht.

Ein Alleinfuttermittel darf deshalb nicht automatisch mit einem klassischen Kraftfutter gleichgesetzt werden.

Alleinfuttermittel für Pferde richtig einordnen

Ob ein Futtermittel tatsächlich als alleinige Nahrungsgrundlage geeignet ist, hängt von seiner Deklaration und vom jeweiligen Einsatzzweck ab.

Für die Praxis bedeutet das: Nicht jedes Pellet und nicht jedes Müsli ist ein Alleinfuttermittel.

Die Kennzeichnung auf dem Futtersack gibt Auskunft darüber, welcher Futtermittelkategorie das Produkt zugeordnet ist und wie es eingesetzt werden soll.


4. Ergänzungsfuttermittel: Zur Ergänzung einer bestehenden Ration

Ergänzungsfuttermittel sind dafür gedacht, eine bestehende Ration zu ergänzen. Dazu gehören beispielsweise viele Mineralfutter, proteinreiche Ergänzungsfuttermittel oder spezielle Produkte für bestimmte Fütterungsziele.

Sie sind besonders interessant, wenn die Grundration bereits einen großen Teil des Energiebedarfs abdeckt, aber bestimmte Nährstoffe fehlen.

Typische Ergänzungsfuttermittel

Dazu gehören unter anderem:

  • Mineralfutter

  • Vitamin- und Mineralstoffpräparate

  • Proteinergänzer

  • Öle

  • bestimmte Aminosäurepräparate

  • spezielle Ergänzungsfutter für ältere Pferde

  • Produkte zur Unterstützung bestimmter ernährungsphysiologischer Bedürfnisse

Der häufigste Fehler: „Mehr hilft mehr“

Bei Ergänzungsfuttermitteln sollte nicht nach dem Prinzip „viel hilft viel“ gefüttert werden.

Wer mehrere Produkte miteinander kombiniert, kann bestimmte Nährstoffe mehrfach zuführen. Das betrifft insbesondere Mineralstoffe und fettlösliche Vitamine.

Deshalb sollte die Gesamtration betrachtet werden.


5. Diätfuttermittel: Ernährung für besondere Bedürfnisse

Diätfuttermittel sind für besondere ernährungsphysiologische Zwecke bestimmt. Sie unterscheiden sich von gewöhnlichen Ergänzungsfuttermitteln dadurch, dass sie auf definierte ernährungsphysiologische Bedürfnisse ausgerichtet sind.

Je nach Produkt können beispielsweise bestimmte Eigenschaften hinsichtlich:

  • Energieversorgung

  • Rohfaser

  • Protein

  • Elektrolyten

  • Stärke und Zucker

  • Verdauungsphysiologie

im Mittelpunkt stehen.

Wann kann ein Diätfuttermittel sinnvoll sein?

Diätfuttermittel können bei Pferden mit besonderen Ernährungsanforderungen eine Rolle spielen. Die Auswahl sollte jedoch nicht allein aufgrund eines Werbeversprechens erfolgen.

Bei erkrankten Pferden ist insbesondere die Zusammenarbeit mit Tierarzt und gegebenenfalls einer qualifizierten Fütterungsberatung sinnvoll.


6. Mineralfuttermittel: Kleine Menge, große Bedeutung

Mineralfuttermittel enthalten konzentrierte Mengen an Mineralstoffen und häufig Vitaminen. Sie werden in vergleichsweise kleinen Mengen gefüttert und sollen Versorgungslücken in der Ration ausgleichen.

Zu den wichtigen Mineralstoffen zählen unter anderem:

  • Calcium

  • Phosphor

  • Magnesium

  • Natrium

  • Kalium

  • Zink

  • Kupfer

  • Mangan

  • Selen

Warum reicht Heu allein nicht immer aus?

Die Mineralstoffgehalte von Heu und Weidegras können erheblich schwanken. Sie hängen unter anderem von Boden, Düngung, Pflanzenbestand, Erntezeitpunkt und Witterung ab.

Deshalb kann eine Ration, die energetisch passend aussieht, trotzdem hinsichtlich einzelner Mineralstoffe unausgewogen sein.

Mineralfutter richtig auswählen

Bei der Auswahl sollte nicht nur auf die Menge „pro Tag“ geschaut werden. Wichtig ist, welche Nährstoffmenge tatsächlich mit der empfohlenen Tagesration aufgenommen wird.

Besonders relevant sind dabei Calcium, Phosphor, Magnesium, Zink, Kupfer und Selen.


Die wichtigsten Futtermittel-Komponenten in der Pferdefütterung

Neben der Einteilung in Futtermittelkategorien lohnt sich ein Blick auf die einzelnen Komponenten. Denn genau hier entstehen in der Praxis viele Fragen: Ist Hafer besser als Gerste? Wann eignet sich Mais? Wie sinnvoll ist Luzerne? Sind Rübenschnitzel für jedes Pferd geeignet? Und welchen Nutzen haben Leinsamen oder Bierhefe?


Getreide in der Pferdefütterung

Getreide ist traditionell ein wichtiger Energielieferant in der Pferdefütterung. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Getreidearten deutlich hinsichtlich Stärkegehalt, Verdaulichkeit und Verarbeitung.

Die wichtigsten Getreidearten sind:

  • Hafer

  • Gerste

  • Mais

Hafer für Pferde

Hafer ist eines der klassischen Getreidefuttermittel für Pferde. Er liefert vor allem Energie in Form von Stärke und enthält im Vergleich zu vielen anderen Getreidearten relativ viel Rohfaser.

Vorteile von Hafer

  • energiereich

  • schmackhaft

  • vergleichsweise gut verdaulich

  • kann bei höherem Energiebedarf eingesetzt werden

  • lässt sich leicht dosieren

Hafer eignet sich insbesondere für Pferde, die tatsächlich zusätzliche Energie benötigen.

Nachteile von Hafer

Hafer ist kein „Muss“ in der Pferdefütterung. Bei Pferden mit geringem Energiebedarf kann zusätzliches Getreide unnötig sein.

Auch bei Pferden, bei denen eine stärkearme Ration angestrebt wird, ist Hafer häufig nicht die erste Wahl.

Wichtig: Die Reaktion eines Pferdes auf Hafer wird häufig pauschal als „heiß“ beschrieben. Tatsächlich ist das individuelle Verhalten nicht allein auf eine einzelne Getreideart zurückzuführen. Entscheidend sind unter anderem Gesamtenergiezufuhr, Fütterungsmanagement und individuelle Unterschiede.


Gerste für Pferde

Gerste besitzt einen hohen Stärkegehalt und liefert konzentrierte Energie. Ihre Stärke ist jedoch weniger leicht verfügbar als die von Hafer, weshalb die Verarbeitung eine wichtige Rolle spielt.

Vorteile von Gerste

  • energiereich

  • geeignet zur Energieanreicherung

  • kann bei sportlich beanspruchten Pferden eingesetzt werden

  • relativ hohe Energiedichte

Nachteile von Gerste

Unverarbeitete Gerste ist für Pferde weniger gut verdaulich. Je nach Produkt und Einsatz kann deshalb eine geeignete Verarbeitung wie Quetschen oder andere technologische Verfahren sinnvoll sein.

Bei Pferden, die nur wenig Stärke aufnehmen sollen, ist Gerste entsprechend kritisch zu betrachten.


Mais in der Pferdefütterung

Mais ist ein sehr energiereiches Getreide und zeichnet sich durch eine hohe Energiedichte aus. Aufgrund seiner harten Struktur sollte er für Pferde entsprechend aufbereitet werden.

Vorteile von Mais

  • hohe Energiedichte

  • geeignet für Pferde mit erhöhtem Energiebedarf

  • vergleichsweise energiereiches Futtermittel

Nachteile von Mais

  • hoher Stärkegehalt

  • weniger geeignet für Rationen, die bewusst stärkearm gestaltet werden

  • ganze Maiskörner sind für Pferde nicht optimal aufgeschlossen

Mais sollte daher nicht einfach zusätzlich zur bestehenden Ration gefüttert werden, sondern als Bestandteil einer berechneten Ration betrachtet werden.


Luzerne und Grashäcksel

Luzerne und Grashäcksel werden häufig als strukturreiche Komponenten in Müslis und Ergänzungsfuttermitteln eingesetzt.

Luzerne für Pferde

Luzerne ist eine proteinreiche Leguminose und enthält unter anderem Calcium. Sie kann dazu beitragen, die Proteinversorgung einer Ration zu verbessern.

Vorteile von Luzerne

  • hoher Proteingehalt

  • liefert strukturwirksame Faser

  • gute Schmackhaftigkeit

  • kann die Ration bei erhöhtem Proteinbedarf ergänzen

  • kann in bestimmten Rationen Getreide teilweise ersetzen

Nachteile von Luzerne

Luzerne ist nicht für jedes Pferd in großen Mengen notwendig. Bei bereits protein- und calciumreichen Rationen kann eine zusätzliche große Luzernemenge unnötig sein.

Bei Pferden mit bestimmten Stoffwechsel- oder Harnwegsproblemen sollte die gesamte Ration betrachtet werden, insbesondere hinsichtlich Protein- und Mineralstoffversorgung.


Grashäcksel als strukturreiche Komponente

Grashäcksel können zur Strukturierung einer Kraftfutterration beitragen. Sie verlängern die Kauzeit und können eine sinnvolle Ergänzung zu stärker konzentrierten Futtermitteln darstellen.

Allerdings ersetzen Grashäcksel nicht automatisch hochwertiges Heu oder eine ausreichende Raufutterversorgung.

Grundsatz: Struktur im Kraftfutter ist sinnvoll – ausreichend Raufutter bleibt trotzdem die Basis der Pferdefütterung.


Rübenschnitzel in der Pferdefütterung

Rübenschnitzel entstehen bei der Verarbeitung von Zuckerrüben und sind besonders reich an fermentierbarer Faser.

Unmelassierte Rübenschnitzel können eine interessante Alternative zu stärkereichen Energiefuttermitteln darstellen.

Vorteile von Rübenschnitzeln

  • hoher Anteil fermentierbarer Faser

  • energiereich

  • vergleichsweise stärkearm

  • können bei schwerfuttrigen Pferden zur Energieversorgung beitragen

  • lassen sich mit anderen Futtermitteln kombinieren

Rübenschnitzel richtig einweichen

Quellfähige Rübenschnitzel sollten entsprechend den Herstellerangaben eingeweicht werden. Trockene Rübenschnitzel können stark aufquellen.

Dabei gilt:

Immer das konkrete Produkt und die Herstellerangaben beachten.

Melassierte oder unmelassierte Rübenschnitzel?

Für Pferde, bei denen Zucker reduziert werden soll, sind unmelassierte Varianten häufig die naheliegendere Wahl. Melassierte Produkte können deutlich mehr Zucker enthalten.

Bei Pferden mit Stoffwechselproblemen sollte die Gesamtration und nicht nur ein einzelnes Futtermittel beurteilt werden.


Ölsaaten in der Pferdefütterung

Ölsaaten liefern vor allem Fett und damit energiereiche Nährstoffe. Gleichzeitig können sie wertvolle Fettsäuren enthalten.

Zu den relevanten Ölsaaten gehören beispielsweise:

  • Leinsamen

  • Sonnenblumenkerne

  • bestimmte andere Saaten

Vorteile von Ölsaaten

  • hohe Energiedichte

  • liefern Fett

  • können die Energieversorgung ohne zusätzliche große Stärkemengen erhöhen

  • enthalten je nach Saat wertvolle Fettsäuren

Nachteile von Ölsaaten

Ölsaaten sind kein vollständiger Ersatz für eine ausgewogene Ration. Außerdem unterscheiden sich die Fettsäureprofile deutlich.

Bei größeren Mengen sollte die Gesamtfettzufuhr berücksichtigt werden.


Leinsamen für Pferde

Leinsamen gehören zu den interessantesten Ölsaaten in der Pferdefütterung. Sie liefern Fett, Protein und Schleimstoffe. Außerdem enthalten sie einen hohen Anteil an Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure.

Vorteile von Leinsamen

  • reich an Omega-3-Fettsäuren

  • liefert Energie

  • enthält Protein

  • Schleimstoffe können zur Futterstruktur beitragen

  • kann die Ration sinnvoll ergänzen

Leinsamen ganz, geschrotet oder thermisch behandelt?

Die Verfügbarkeit der Nährstoffe hängt von der Verarbeitung ab. Bei ganzen Samen kann die Verdaulichkeit geringer sein, während geschrotete Produkte schneller verderben können.

Bei modernen Futtermitteln werden deshalb häufig stabilisierte oder thermisch behandelte Leinsamen eingesetzt.

Wann ist Leinsamen nicht unbedingt sinnvoll?

Wenn bereits ausreichend Fett beziehungsweise Omega-3-Fettsäuren über andere Futtermittel zugeführt werden, ist eine zusätzliche große Menge nicht automatisch notwendig.

Auch bei Leinsamen gilt: Die Dosis muss zur Gesamtration passen.


Weizenkleie in der Pferdefütterung

Weizenkleie fällt bei der Verarbeitung von Weizen an und enthält unter anderem Faser, Protein und Phosphor.

Traditionell wurde Weizenkleie häufig als Bestandteil von Mash verwendet.

Vorteile

  • schmackhaft

  • liefert Protein und Faser

  • kann Bestandteil eines Mashs sein

  • lässt sich gut mit anderen Futtermitteln kombinieren

Nachteile

Ein wichtiger Punkt ist das Calcium-Phosphor-Verhältnis. Weizenkleie enthält relativ viel Phosphor und wenig Calcium.

Eine dauerhaft größere Menge kann deshalb die Mineralstoffbilanz der Ration beeinflussen.

Weizenkleie sollte nicht allein aufgrund ihrer traditionellen Verwendung automatisch als notwendiger Bestandteil der Pferdefütterung angesehen werden.


Bierhefe für Pferde

Bierhefe wird in vielen Ergänzungsfuttermitteln eingesetzt. Sie liefert unter anderem verschiedene B-Vitamine, Proteine und weitere Nährstoffe.

Dabei sollte zwischen Bierhefe ohne Treber und Produkten mit Treber unterschieden werden.

Bierhefe ohne Treber

Bierhefe ohne Treber kann als gezielte Ergänzung eingesetzt werden, insbesondere wenn bestimmte Hefekomponenten oder B-Vitamine erwünscht sind.

Die tatsächliche Bedeutung für die Ration hängt jedoch vom gesamten Futtermanagement ab.

Bierhefe mit Treber

Bierhefe mit Treber enthält zusätzlich Bestandteile des Brauprozesses. Dadurch unterscheiden sich Nährstoffgehalt und Zusammensetzung von reiner Bierhefe.

Vorteile von Bierhefe

  • liefert verschiedene B-Vitamine

  • enthält Protein

  • kann als Ergänzung in bestimmten Rationen eingesetzt werden

  • häufig gute Akzeptanz

Mögliche Nachteile

Bierhefe ist kein universelles „Darmfutter“, das automatisch bei jedem Pferd notwendig ist. Auch hier sollte der tatsächliche Bedarf betrachtet werden.

Bei Pferden mit besonderen Stoffwechselanforderungen sollte außerdem die vollständige Zusammensetzung des jeweiligen Produktes berücksichtigt werden.


Weitere wichtige Komponenten in Pferdefuttermitteln

Neben den klassischen Futtermitteln kommen zahlreiche weitere Zutaten zum Einsatz.

Pflanzenöle

Pflanzenöle liefern konzentrierte Energie und können eine Möglichkeit sein, die Energiedichte der Ration zu erhöhen, ohne gleichzeitig größere Mengen Stärke zuzuführen.

Dabei unterscheiden sich die Fettsäureprofile verschiedener Öle deutlich.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Mineralstoffe werden für zahlreiche Körperfunktionen benötigt, unter anderem für Knochen, Muskeln, Nerven, Stoffwechsel und Immunsystem.

Besonders wichtig ist eine bedarfsgerechte Versorgung mit:

  • Calcium

  • Phosphor

  • Magnesium

  • Natrium

  • Zink

  • Kupfer

  • Mangan

  • Selen

Eine Überversorgung kann allerdings ebenso problematisch sein wie eine Unterversorgung.

Vitamine

Vitamine erfüllen zahlreiche biologische Funktionen. Je nach Grundration, Lagerung des Futters und individuellem Bedarf kann die Versorgung unterschiedlich ausfallen.

Ein Vitaminpräparat sollte deshalb nicht automatisch zusätzlich zu einem bereits voll vitaminisierten Mineral- oder Ergänzungsfutter gegeben werden.


Welche Futtermittel-Komponenten passen zu welchem Pferd?

Die Auswahl sollte immer vom Pferd und von der Grundration ausgehen.

Ziel bzw. SituationMögliche KomponentenBesonders beachten
Mehr EnergieHafer, Gerste, Mais, Öl, RübenschnitzelStärke- und Gesamtenergiezufuhr
Mehr ProteinLuzerne, geeignete EiweißträgerGesamtprotein und Aminosäuren
Energie bei geringer StärkeÖl, unmelassierte RübenschnitzelGesamtration berechnen
Struktur im ErgänzungsfutterLuzerne, GrashäckselErsetzt kein ausreichendes Raufutter
Omega-3-FettsäurenLeinsamenGesamtfettzufuhr berücksichtigen
MineralstoffversorgungMineralfuttermittelBedarf und Grundfutter analysieren
Mash-Komponentez. B. Weizenkleie, Leinsamen, RübenschnitzelZusammensetzung und Mineralstoffbilanz
HefekomponenteBierhefeNicht automatisch erforderlich

Welche Futtermittel sind bei bestimmten Pferden problematisch?

Nicht jedes Futtermittel ist grundsätzlich „gut“ oder „schlecht“. Entscheidend ist, ob es zum Bedarf des jeweiligen Pferdes passt.

Pferde mit geringem Energiebedarf

Bei leichtfuttrigen Pferden können große Mengen Getreide, Mais oder andere energiereiche Futtermittel schnell zu einer unnötig hohen Energiezufuhr führen.

Hier sollte die Ration in erster Linie auf ausreichend Raufutter und eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung ausgerichtet werden.

Pferde mit Stoffwechselproblemen

Bei Pferden, bei denen eine zucker- und stärkearme Fütterung notwendig ist, müssen insbesondere Getreide und melassierte Futtermittel kritisch betrachtet werden.

Dazu gehören:

  • Hafer

  • Gerste

  • Mais

  • stärkereiche Müslis

  • melassierte Produkte

Die individuelle Situation sollte mit dem behandelnden Tierarzt beziehungsweise einer qualifizierten Fütterungsberatung abgestimmt werden.

Pferde mit hohem Energiebedarf

Sportpferde, sehr aktive Pferde oder schwerfuttrige Tiere können einen höheren Energiebedarf besitzen.

Hier können beispielsweise:

  • Getreide

  • Rübenschnitzel

  • Öl

  • energiereiche Ergänzungsfuttermittel

sinnvoll eingesetzt werden.

Allerdings sollte auch bei diesen Pferden die Ration nicht einfach möglichst energiereich gestaltet werden.


Stärke, Zucker, Protein und Fett: Die wichtigsten Nährstoffgruppen verstehen

Die Bewertung eines Futtermittels sollte nicht allein anhand seines Namens erfolgen.

Stärke

Stärke ist insbesondere in Getreide enthalten. Sie liefert Energie, sollte aber bei Pferden mit bestimmten Stoffwechsel- oder Verdauungsproblemen besonders berücksichtigt werden.

Zucker

Zucker kommt natürlicherweise in verschiedenen Pflanzen vor und kann zusätzlich über Melasse oder andere Zutaten eingebracht werden.

Für manche Pferde ist eine Reduzierung der Zuckerzufuhr sinnvoll.

Protein

Protein wird unter anderem für Muskeln, Gewebe, Enzyme und zahlreiche Stoffwechselprozesse benötigt.

Eine hohe Proteinmenge bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Versorgung. Entscheidend sind Menge und Qualität der Aminosäuren.

Fett

Fett ist ein sehr energiereicher Nährstoff. Öle und Ölsaaten können deshalb genutzt werden, um Energie bereitzustellen, ohne gleichzeitig große Mengen Stärke zuzuführen.


Futtermittel richtig kombinieren: Die Gesamtration entscheidet

Eine der wichtigsten Regeln der Pferdefütterung lautet:

Nicht das einzelne Futtermittel entscheidet über eine gute Ration, sondern die Zusammensetzung der gesamten Tagesration.

Ein Pferd kann beispielsweise gleichzeitig Hafer, Luzerne, Rübenschnitzel, Mineralfutter und Leinsamen erhalten. Entscheidend ist, ob diese Kombination den tatsächlichen Bedarf deckt.

Dabei sollten insbesondere berücksichtigt werden:

  1. Körpergewicht

  2. Körperkondition

  3. Arbeitsleistung

  4. Alter

  5. Rasse und Typ

  6. Grundfutterqualität

  7. Haltung

  8. individuelle gesundheitliche Besonderheiten

  9. Energiebedarf

  10. Mineralstoff- und Vitaminversorgung


Häufige Fehler bei der Auswahl von Futtermittel-Komponenten

Zu viele Futtermittel gleichzeitig

Ein häufiger Fehler besteht darin, immer weitere Komponenten zu ergänzen. Dadurch wird die Ration zunehmend komplex, ohne dass tatsächlich ein zusätzlicher Nutzen entsteht.

Futter nach Werbeversprechen auswählen

Begriffe wie „natürlich“, „für den Stoffwechsel“ oder „für den Darm“ sagen allein wenig über die Eignung eines Futtermittels aus.

Entscheidend ist die tatsächliche Zusammensetzung.

Grundfutter unterschätzen

Kein noch so hochwertiges Ergänzungsfutter ersetzt eine ausreichende Versorgung mit geeignetem Raufutter.

Mineralfutter mehrfach kombinieren

Mehrere vitaminisierte und mineralisierte Produkte können zu einer unnötigen Überversorgung führen.

Fütterung nicht an den Energiebedarf anpassen

Besonders bei leichtfuttrigen Pferden kann ein scheinbar kleines Extra schnell zu einer dauerhaft zu hohen Energiezufuhr führen.


FAQ: Häufige Fragen zu Futtermittel-Komponenten beim Pferd

Was sind die wichtigsten Futtermittel für Pferde?

Die Grundlage bildet hochwertiges Raufutter wie Heu oder Weidegras. Je nach Bedarf können Mineralfutter, Kraftfutter und gezielte Ergänzungsfuttermittel hinzukommen.

Ist Hafer gesund für Pferde?

Hafer kann für Pferde mit entsprechendem Energiebedarf ein sinnvolles Futtermittel sein. Er ist jedoch nicht für jedes Pferd notwendig und sollte zur Gesamtenergie- und Stärkeversorgung passen.

Ist Mais für Pferde geeignet?

Mais kann aufgrund seiner hohen Energiedichte für Pferde mit erhöhtem Energiebedarf geeignet sein. Wegen seines hohen Stärkegehalts ist er für stärkearme Rationen dagegen häufig weniger geeignet.

Sind Rübenschnitzel gut für Pferde?

Unmelassierte Rübenschnitzel können eine interessante Quelle fermentierbarer Faser und Energie sein. Sie müssen entsprechend den Herstellerangaben zubereitet werden.

Ist Luzerne für jedes Pferd geeignet?

Luzerne kann eine wertvolle Protein- und Strukturquelle sein. Ob sie sinnvoll ist, hängt jedoch von der bereits vorhandenen Protein- und Mineralstoffversorgung ab.

Was bringt Leinsamen beim Pferd?

Leinsamen liefern unter anderem Fett, Omega-3-Fettsäuren, Protein und Schleimstoffe. Sie können eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn sie in die Gesamtration passen.

Ist Bierhefe für jedes Pferd notwendig?

Nein. Bierhefe kann bestimmte Nährstoffe liefern, ist aber kein grundsätzlich notwendiger Bestandteil jeder Pferderation.

Was ist der Unterschied zwischen Ergänzungsfutter und Mineralfutter?

Mineralfutter konzentriert sich vor allem auf die Versorgung mit Mineralstoffen und häufig Vitaminen. Ergänzungsfuttermittel ist ein weiter gefasster Begriff und kann beispielsweise Protein, Energie oder andere Nährstoffe ergänzen.

Was ist wichtiger: Kraftfutter oder Mineralfutter?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Viele Pferde benötigen bei ausreichendem Raufutter wenig oder kein zusätzliches Kraftfutter, während eine bedarfsgerechte Mineralstoffversorgung trotzdem wichtig sein kann.


Fazit: Das richtige Futtermittel ist immer eine Frage des Bedarfs

Die Vielfalt an Futtermittel-Komponenten kann auf den ersten Blick überwältigend wirken. Von Hafer und Gerste über Luzerne und Rübenschnitzel bis hin zu Leinsamen, Ölsaaten und Bierhefe stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung.

Eine gute Pferdefütterung zeichnet sich jedoch nicht dadurch aus, dass möglichst viele Komponenten eingesetzt werden.

Die beste Ration ist diejenige, die den individuellen Bedarf des Pferdes mit möglichst sinnvoll ausgewählten Futtermitteln abdeckt.

Dabei sollte hochwertiges Raufutter die Basis bilden. Erst anschließend wird geprüft, ob zusätzliche Energie, Protein, Mineralstoffe oder bestimmte Nährstoffe benötigt werden.

Wer Futtermittel nach ihrer tatsächlichen Nährstoffzusammensetzung beurteilt und die gesamte Tagesration betrachtet, kann unnötige Futtergaben vermeiden und die Pferdefütterung deutlich gezielter gestalten.


Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.

Qualifikationen:

  • Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
  • Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde
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