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PSSM beim Pferd: Symptome, Diagnose, Fütterung & Behandlung

20.05.2026 / Gesundheit
PSSM beim Pferd: Symptome, Diagnose, Fütterung & Behandlung - PSSM beim Pferd: Symptome, Diagnose, Fütterung & Behandlung

PSSM beim Pferd: Ursachen, Symptome, Diagnose und richtige Fütterung

PSSM – was ist das?

PSSM steht für „Polysaccharid-Speicher-Myopathie“ und beschreibt eine Muskelerkrankung beim Pferd, bei der Zucker beziehungsweise Glykogen abnormal in der Muskulatur gespeichert wird. Die Folge sind Muskelprobleme, Leistungsabfall und teils starke Schmerzen. Besonders häufig tritt die Erkrankung bei Freizeit-, Sport- und Westernpferden auf.

Grundsätzlich unterscheidet man heute zwischen PSSM Typ 1 und PSSM Typ 2, wobei PSSM2 inzwischen häufig unter dem Begriff MIM (Muscle Integrity Myopathy) zusammengefasst wird. Beide Formen betreffen den Muskelstoffwechsel, unterscheiden sich jedoch in Ursache, Genetik und Ausprägung.

Pferde mit PSSM oder MIM können bei angepasster Haltung, Fütterung und Bewegung oft gut leben und leistungsfähig bleiben. Entscheidend ist eine frühzeitige Diagnose sowie ein individuell angepasstes Management.


Unterschied zwischen PSSM und MIM

PSSM Typ 1

PSSM1 ist genetisch klar nachweisbar. Ursache ist eine Mutation im sogenannten GYS1-Gen, welches die Glykogenspeicherung in der Muskulatur beeinflusst. Betroffene Pferde speichern zu viel Zucker in den Muskelzellen, wodurch Muskelverhärtungen und Stoffwechselprobleme entstehen können.

Die Erkrankung wird dominant vererbt. Bereits ein betroffenes Gen kann Symptome auslösen.

MIM (ehemals PSSM Typ 2)

MIM beschreibt verschiedene Formen muskulärer Struktur- und Stoffwechselstörungen, die nicht auf die klassische GYS1-Mutation zurückzuführen sind. Früher wurde dies häufig als „PSSM2“ bezeichnet. Heute geht man davon aus, dass unterschiedliche Ursachen und Muskelveränderungen beteiligt sind.

Bei MIM stehen häufig folgende Probleme im Vordergrund:

  • Muskelabbau
  • verspannte Rückenmuskulatur
  • Leistungsschwäche
  • Probleme im Muskelaufbau
  • Bewegungsunlust
  • diffuse Lahmheiten

Während PSSM1 genetisch eindeutig testbar ist, gestaltet sich die Diagnose von MIM deutlich komplexer.


Symptome: Woran erkennt man PSSM?

Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Pferde zeigen nur leichte Verspannungen, andere leiden unter schweren Muskelproblemen oder sogenannten Kreuzverschlägen.

Typische Symptome bei PSSM oder MIM sind:

  • Muskelzittern
  • harte oder schmerzhafte Muskulatur
  • steifer Gang
  • Schwierigkeiten beim Anreiten
  • Leistungsabfall
  • schnelle Ermüdung
  • Schwitzen ohne starke Belastung
  • Taktunreinheiten
  • Probleme beim Muskelaufbau
  • empfindlicher Rücken
  • Unwilligkeit unter dem Sattel
  • wiederkehrende Kreuzverschläge
  • vermehrtes Liegen oder Bewegungsunlust

Besonders auffällig ist oft, dass sich die Symptome nach Ruhephasen oder unregelmäßigem Training verschlechtern.



Ursachen von PSSM und rassentypische Gegebenheiten

Die Ursachen unterscheiden sich je nach Form der Erkrankung.

Ursachen von PSSM1

Bei PSSM1 liegt eine genetische Mutation vor. Betroffene Pferde speichern übermäßig viel Glykogen in den Muskelzellen. Dieses kann nicht korrekt verarbeitet werden und führt zu Muskelproblemen.

Besonders häufig betroffen sind:

  • Quarter Horses
  • Paint Horses
  • Appaloosas
  • Kaltblüter
  • Haflinger
  • Noriker

Ursachen von MIM

Die Ursachen von MIM sind noch nicht vollständig erforscht. Vermutet werden:

  • genetische Faktoren
  • Muskelstrukturstörungen
  • Stoffwechselprobleme
  • oxidativer Stress
  • Nährstoffmängel
  • Überlastung der Muskulatur

Häufig betroffen sind:

  • Warmblüter
  • Araber
  • Vollblüter
  • Barockpferde
  • Sportpferde

Auch Umweltfaktoren wie Haltung, Stress und Fütterung spielen eine wichtige Rolle.


Zusammenhang zwischen PSSM und Stoffwechselproblemen

PSSM ist eng mit dem Energie- und Zuckerstoffwechsel verbunden. Besonders Pferde mit einem empfindlichen Stoffwechsel reagieren häufig auf:

  • zuckerreiches Kraftfutter
  • hohe Stärkegehalte
  • Fütterungsfehler
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht

Ein gestörter Muskelstoffwechsel führt dazu, dass Energie nicht optimal verarbeitet wird. Die Muskulatur übersäuert schneller und regeneriert schlechter.

Zusätzlich treten bei manchen Pferden Begleiterkrankungen auf, etwa:

  • Insulinresistenz
  • EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
  • Magenprobleme
  • Muskelentzündungen

Deshalb sollte bei Verdacht auf PSSM immer der gesamte Stoffwechsel betrachtet werden.


Diagnose von PSSM/MIM

Gentest bei PSSM1

PSSM1 lässt sich zuverlässig über einen Gentest nachweisen. Dafür genügen meist Haarwurzeln oder eine Blutprobe.

Muskelbiopsie bei MIM

Bei MIM ist die Diagnose schwieriger. Häufig erfolgt sie über:

  • Muskelbiopsien
  • Blutuntersuchungen
  • CK- und AST-Werte
  • klinische Symptome
  • Ausschluss anderer Erkrankungen

Da viele Symptome unspezifisch sind, sollte die Diagnose immer durch erfahrene Tierärzte erfolgen.


Medizinische Behandlung von PSSM/MIM

Eine vollständige Heilung gibt es bislang nicht. Ziel der Behandlung ist es, Symptome zu reduzieren und den Muskelstoffwechsel zu stabilisieren.

Mögliche Maßnahmen:

  • angepasste Fütterung
  • regelmäßige Bewegung
  • Muskelaufbau
  • entzündungshemmende Medikamente
  • Schmerztherapie
  • Physiotherapie
  • Osteopathie
  • Management von Stressfaktoren

Bei akuten Kreuzverschlägen muss das Pferd tierärztlich behandelt werden.


Prognosen von Pferden mit PSSM/MIM

Die Prognose hängt stark von der Ausprägung der Erkrankung und dem Management ab.

Viele Pferde können bei:

  • konsequenter Bewegung
  • passender Fütterung
  • guter Mineralisierung
  • stressarmer Haltung

ein weitgehend normales Leben führen.

Unbehandelt verschlechtern sich die Symptome jedoch häufig. Besonders lange Trainingspausen können problematisch sein.

Sportliche Nutzung ist bei vielen Pferden weiterhin möglich, wenn Training und Fütterung individuell angepasst werden.


Fütterung bei PSSM/MIM

Die richtige Fütterung spielt eine zentrale Rolle im Management von PSSM und MIM.

Kraftfutter bei PSSM/MIM

Pferde mit PSSM profitieren meist von:

  • stärkearmer Fütterung
  • zuckerarmen Rationen
  • strukturreicher Energieversorgung
  • hochwertigen Fettquellen

Geeignet sind beispielsweise:

  • Heucobs
  • Luzerne
  • Reiskleie
  • Leinöl
  • Ölsaaten

Ungeeignet sind häufig:

  • große Mengen Hafer
  • melassierte Futtermittel
  • stark stärkehaltiges Kraftfutter

Die Energieversorgung sollte möglichst gleichmäßig erfolgen.

Mineralisierung

Eine bedarfsgerechte Mineralisierung unterstützt den Muskelstoffwechsel erheblich.

Besonders wichtig sind:

  • Magnesium
  • Vitamin E
  • Selen
  • Zink
  • Mangan

Mängel können Muskelprobleme zusätzlich verschlechtern.

Aminosäuren

Für Muskelaufbau und Regeneration spielen essentielle Aminosäuren eine große Rolle.

Besonders relevant sind:

  • Lysin
  • Methionin
  • Threonin

Eine hochwertige Eiweißversorgung kann helfen, Muskelabbau entgegenzuwirken.


Training mit PSSM/MIM

Bewegung ist einer der wichtigsten Bausteine im Management der Erkrankung.

Wichtig beim Training

  • tägliche Bewegung
  • lange Aufwärmphasen
  • regelmäßiges Training
  • langsamer Muskelaufbau
  • Vermeidung langer Stehzeiten

Ideal sind:

  • lockeres Ausdauertraining
  • Spaziergänge
  • Bodenarbeit
  • gymnastizierende Arbeit

Problematisch sind dagegen:

  • plötzliche Höchstleistungen
  • unregelmäßiges Training
  • intensive Belastung nach Ruhephasen

Das Training sollte immer individuell an das Pferd angepasst werden.


Praxisbeispiel:

In der Praxis wird bei PSSM besonders deutlich, wie entscheidend ein konsequent angepasstes Fütterungs- und Bewegungsmanagement für die Lebensqualität des Pferdes ist. Ein sehr anschauliches Beispiel ist die 11-jährige Quarter-Horse-Stute Marea, bei der sich die Erkrankung zunächst durch wiederkehrende Muskelverspannungen, Unwilligkeit unter dem Sattel und eine insgesamt reduzierte Leistungsbereitschaft gezeigt hat. Vor der Umstellung war ihre Fütterung noch klassisch aufgebaut mit einem relativ hohen Anteil an stärkehaltigem Kraftfutter, kombiniert mit unregelmäßiger Trainingsbelastung und längeren Standzeiten im Stall. In dieser Phase traten die typischen PSSM-Symptome immer wieder auf, insbesondere nach Ruhephasen oder intensiveren Trainingseinheiten, was sich deutlich auf ihr Wohlbefinden und ihre Muskulatur ausgewirkt hat.

Nach der gesicherten Diagnose wurde Mareas gesamte Haltung und Fütterung grundlegend verändert. Ihre Ration wurde konsequent auf eine zucker- und stärkearme Fütterung umgestellt, wobei der Energiebedarf nun überwiegend über hochwertige Fette sowie strukturreiche, gut verdauliche Rohfaser gedeckt wird. Kraftfutter im klassischen Sinne wurde stark reduziert und durch geeignete Alternativen ersetzt, um Blutzuckerschwankungen und damit verbundene Muskelprobleme zu vermeiden. Parallel dazu wurde ihr Bewegungsmanagement deutlich angepasst: Statt längerer Pausen steht heute regelmäßige, gleichmäßige Bewegung im Vordergrund, da konstante, kontrollierte Aktivität bei Marea die Muskulatur stabil hält und Steifheiten vorbeugt. Intensive Belastungsspitzen werden hingegen bewusst vermieden.

Der Unterschied zwischen „vorher“ und „nachher“ ist bei Marea sehr deutlich sichtbar. Während sie früher häufig verspannte Muskulatur, einen eingeschränkten Bewegungsfluss und wiederkehrende Problemtage hatte, wirkt sie heute insgesamt ausgeglichener, lockerer in der Bewegung und deutlich belastbarer im Alltag. Besonders auffällig ist, dass die Schubphasen seit der Futter- und Trainingsumstellung deutlich seltener geworden sind und sie insgesamt mehr Freude an der Arbeit zeigt. Durch die konsequente Anpassung an ihre individuellen Bedürfnisse konnte ihre Lebensqualität nachhaltig verbesset und der Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst werden.

Da die Probleme von PSSM individuell unterschiedlich sein können, ersetzt unser Ratgeber keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung.


Häufige Fragen (FAQ)

Ist PSSM heilbar?

Nein, PSSM ist nicht heilbar. Mit konsequentem Management können viele Pferde jedoch symptomarm leben.

Kann ein Pferd mit PSSM geritten werden?

Ja, viele Pferde können weiterhin geritten werden. Entscheidend sind angepasstes Training und passende Fütterung.

Welche Pferderassen sind besonders betroffen?

Vor allem Quarter Horses, Paint Horses, Haflinger, Noriker und Kaltblüter sind häufig betroffen. MIM tritt auch oft bei Warmblütern auf.

Was dürfen Pferde mit PSSM nicht fressen?

Stärke- und zuckerreiche Futtermittel sollten möglichst reduziert bzw. vermieden werden.

Ist Bewegung wichtig?

Ja, regelmäßige Bewegung ist essenziell, da lange Stehzeiten die Symptome oft verschlimmern.


Fazit

PSSM und MIM gehören zu den häufigsten Muskel- und Stoffwechselerkrankungen beim Pferd. Die Symptome reichen von leichten Verspannungen bis hin zu schweren Muskelproblemen und Leistungsabfall. Eine frühzeitige Diagnose sowie ein individuell angepasstes Management sind entscheidend.

Vor allem die Kombination aus:

  • angepasster Fütterung
  • guter Mineralisierung
  • regelmäßigem Training
  • stressarmer Haltung

kann die Lebensqualität betroffener Pferde deutlich verbessern. Viele Pferde mit PSSM oder MIM bleiben bei konsequenter Betreuung langfristig belastbar und leistungsfähig.

Autor: Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin

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