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Pferd nimmt trotz Futter nicht zu? Tipps zum Aufpäppeln

09.05.2026 / Fütterung
Pferd nimmt trotz Futter nicht zu? Tipps zum Aufpäppeln - Pferd nimmt nicht zu? Ursachen & Tipps zum Auffüttern

Pferd nimmt nicht zu? Ursachen erkennen und gezielt Gewicht aufbauen

Wenn das Pferd trotz Fütterung abnimmt

Viele Pferdehalter kennen das Problem: Das Pferd frisst scheinbar normal, verliert aber trotzdem an Gewicht. Besonders ältere Pferde, Pferde mit Zahnproblemen oder Tiere nach Krankheiten haben häufig Schwierigkeiten, ausreichend Körpermasse aufzubauen.

Ein deutlicher oder ungewollter Gewichtsverlust sollte ernst genommen und hinsichtlich seiner möglichen Ursachen beurteilt werden. Sichtbare Rippen, hervorstehende Hüftknochen oder eine deutlich ausgeprägte Wirbelsäule können auf einen niedrigen Körperfett- beziehungsweise Muskelanteil hinweisen. Eine genaue Einschätzung sollte immer den individuellen Körperzustand des Pferdes berücksichtigen.

Eine bedarfsgerechte Fütterung mit geeignetem Raufutter und einer individuell abgestimmten Energie- und Nährstoffversorgung kann dazu beitragen, die Gewichtsentwicklung zu unterstützen. Voraussetzung ist, dass mögliche gesundheitliche Ursachen für den Gewichtsverlust berücksichtigt und gegebenenfalls tierärztlich abgeklärt werden.


Warum nimmt ein Pferd trotz Futter ab?

Nicht jedes dünne Pferd bekommt automatisch zu wenig Futter. Häufig liegen andere Ursachen vor.

Häufige Gründe für Gewichtsverlust beim Pferd

1. Zahnprobleme: Versteckte Ursache für Gewichtsverlust

Wenn ein Pferd trotz ausreichend Futter nicht zunimmt, sollten immer auch die Zähne kontrolliert werden. Zahnprobleme können eine mögliche Ursache dafür sein, dass Pferde an Gewicht verlieren oder Raufutter nicht mehr ausreichend aufnehmen und kauen können. Vor allem ältere Pferde können Heu und strukturreiches Futter schlechter kauen. Wird das Futter aufgrund eingeschränkter Kauleistung nicht ausreichend zerkleinert, kann dies die weitere Verarbeitung und Verdauung insbesondere von faserreichem Futter erschweren.

Besonders ältere Pferde haben oft:

  • Haken oder scharfe Kanten an den Backenzähnen
  • lockere oder fehlende Zähne
  • Probleme beim Kauen von Heu
  • Schmerzen beim Fressen

Dadurch kann die Aufnahme und Verarbeitung des Futters erschwert sein. Das Pferd frisst möglicherweise langsamer, lässt Futter fallen oder bildet sogenannte „Heuwickel“.

Typische Anzeichen für Zahnprobleme:

  • Heuwickel fallen aus dem Maul
  • langsames Fressen/längere Fresszeiten
  • Gewichtsverlust trotz Appetit und ausreichender Fütterung
  • unverdaute Fasern im Kot
  • vermehrtes Speicheln
  • unangenehmer Maulgeruch
  • Heu wird aussortiert

Eine regelmäßige Kontrolle des Zahnstatus durch einen Tierarzt ist insbesondere bei älteren Pferden sinnvoll. Wie häufig eine Untersuchung erforderlich ist, hängt unter anderem vom Alter, Zahnstatus und individuellen Bedarf des Pferdes ab.

In solchen Fällen eignen sich eingeweichte Futtermittel wie:

  • Heucobs
  • Mash
  • eingeweichte Luzerneprodukte
  • strukturreiche Seniorfutter

2. Altersbedingter Muskelabbau

Mit zunehmendem Alter können sich Körperzusammensetzung, Muskulatur und Nährstoffbedarf verändern. Bei älteren Pferden sollte deshalb besonders auf Körperzustand, Raufutteraufnahme und eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung geachtet werden.

Bei der Fütterungsplanung können unter anderem folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • eine bedarfsgerechte Energieversorgung
  • eine ausreichende Protein- und Aminosäureversorgung
  • eine bedarfsgerechte Raufutterversorgung
  • eine an die individuelle Situation angepasste Mahlzeitenstruktur

3. Erkrankungen und Stoffwechselprobleme

Auch Krankheiten können hinter Gewichtsverlust stecken.

Mögliche Ursachen:

  • Cushing
  • chronische Entzündungen
  • Parasitenbefall
  • Leberprobleme
  • Nährstoffdefizite
  • Magengeschwüre
  • Stoffwechselprobleme
  • schlechte Darmflora

Bei starkem oder plötzlichem Gewichtsverlust sollte immer ein Tierarzt hinzugezogen werden.


3.1 Dünnes Pferd trotz Entwurmung

Ein dünnes Pferd trotz regelmäßiger Entwurmung ist keine Seltenheit.

Viele Pferdehalter gehen davon aus, dass Parasiten ausgeschlossen sind, sobald entwurmt wurde. Eine vorausgegangene Entwurmung schließt eine erneute Infektion oder einen Parasitenbefall jedoch nicht grundsätzlich aus.

Warum Parasiten trotzdem ein Problem sein können

Nicht jede Wurmkur wirkt gegen alle Parasiten gleichermaßen. Zusätzlich können Resistenzen entstehen. Besonders kritisch:
Ein Pferd kann trotz unauffälligem Allgemeinzustand unter einer Parasitenbelastung leiden.

Mögliche Probleme:

  • unpassende Wirkstoffe
  • falscher Zeitpunkt
  • resistente Würmer
  • erneute Ansteckung
  • zu seltene Kotkontrollen

Ein stärkerer Parasitenbefall kann den Gesundheits- und Ernährungszustand eines Pferdes beeinträchtigen. Welche Bedeutung ein möglicher Befall im Einzelfall hat, hängt unter anderem von der Parasitenart und der individuellen Situation des Pferdes ab.

Besonders problematisch sind:

  • kleine Strongyliden
  • Spulwürmer
  • Bandwürmer
  • Magendasseln

Symptome bei Parasitenbefall

Mögliche, jedoch nicht eindeutige Hinweise können sein:

  • Gewichtsverlust trotz ausreichender Fütterung
  • stumpfes Fell
  • Blähbauch
  • schlechte Muskulatur
  • Kotasser oder Durchfall
  • mangelnde Leistungsbereitschaft, Leistungsabfall

Kotprobe statt Routine-Entwurmung

Ein gezieltes Parasitenmanagement kann je nach individueller Situation Kotuntersuchungen, eine geeignete Weidehygiene und eine tierärztlich abgestimmte Behandlung umfassen. Welche Untersuchungen und Maßnahmen sinnvoll sind, sollte anhand des individuellen Risikos und der jeweiligen Haltungsbedingungen beurteilt werden.

Ein solches Vorgehen kann dazu beitragen, Behandlungen gezielter auszurichten und den unnötigen Einsatz von Anthelminthika zu vermeiden. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, sollte sich am individuellen Parasitenrisiko und an der tierärztlichen Empfehlung orientieren.

Bei ungeklärtem oder anhaltendem Gewichtsverlust kann es sinnvoll sein, einen möglichen Parasitenbefall im Rahmen der tierärztlichen Abklärung zu berücksichtigen.


3.2 Blutwerte kontrollieren: Mangelerscheinungen früh erkennen

Wenn ein Pferd dauerhaft zu dünn bleibt, kann ein Blutbild wichtige Hinweise liefern. Denn manchmal liegen innere Ursachen oder Mangelerscheinungen vor, die äußerlich zunächst kaum sichtbar sind.

Eine tierärztliche Blutuntersuchung kann – abhängig von den ausgewählten Parametern – Hinweise auf bestimmte gesundheitliche Veränderungen geben. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, entscheidet der Tierarzt abhängig von den Symptomen und der individuellen Situation.

Mögliche Untersuchungsbereiche können beispielsweise Entzündungsparameter, Leber- und Stoffwechselparameter oder weitere für die jeweilige Fragestellung relevante Werte umfassen.

Ob eine Blutuntersuchung sinnvoll ist, hängt von den Beschwerden, dem Untersuchungsbefund und der individuellen Situation des Pferdes ab und sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.

Ob ein Nährstoffdefizit vorliegt, lässt sich nicht allein anhand des Körpergewichts beurteilen. Bei einem entsprechenden Verdacht sollten die Fütterung und die Gesamtration betrachtet und gegebenenfalls mit dem Tierarzt oder einer qualifizierten Fütterungsberatung abgestimmt werden.


3.3 Magengeschwüre beim Pferd: Häufig unterschätzte Ursache

Magengeschwüre beim Pferd können mit unterschiedlichen, teilweise unspezifischen Anzeichen einhergehen. Die möglichen Anzeichen sind häufig unspezifisch und können auch bei anderen gesundheitlichen oder haltungsbedingten Problemen auftreten

Besonders gefährdet sind:

  • Sportpferde
  • gestresste Pferde
  • Pferde mit langen Fresspausen
  • rangniedrige Tiere
  • empfindliche Pferde

Mögliche, nicht eindeutige Anzeichen können sein:

  • Gewichtsverlust trotz Futter
  • mäkeliges Fressverhalten
  • häufiges Gähnen
  • Zähneknirschen
  • Leistungsprobleme
  • empfindliche Reaktion beim Gurten
  • wiederkehrende Koliken

Magenprobleme können sich unter anderem auf Fressverhalten und Allgemeinzustand auswirken. Die möglichen Anzeichen sind jedoch nicht eindeutig und können auch andere Ursachen haben. Eine bedarfsgerechte Raufutterversorgung, möglichst kontinuierliche Fressmöglichkeiten und ein pferdegerechtes Haltungs- und Fütterungsmanagement können Bestandteile einer geeigneten Versorgung sein.

Bei Verdacht sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. Eine sichere Diagnose ist meist nur über eine Magenspiegelung möglich.


3.4 Stoffwechselprobleme als Ursache für Gewichtsverlust

Wenn ein Pferd trotz guter Haltung und ausreichender Fütterung nicht zunimmt, können auch Stoffwechselprobleme dahinterstecken. Je nach Erkrankung können sich Stoffwechselveränderungen unter anderem auf Körperzustand, Muskulatur und Futterbedarf auswirken.

Mögliche Erkrankungen sind zum Beispiel:

  • Cushing (PPID)
  • EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
  • Leberprobleme
  • chronische Entzündungen

Bei älteren Pferden können Stoffwechsel- oder andere altersassoziierte Veränderungen mit Veränderungen des Körperzustands und der Muskulatur einhergehen.

Warnsignale können sein:

  • starker Muskelabbau
  • Müdigkeit
  • Fellprobleme
  • Leistungsabfall
  • wiederkehrende Hufprobleme
  • auffällige Fettpolster trotz dünner Muskulatur

In solchen Fällen sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden. Erst wenn gesundheitliche Probleme ausgeschlossen oder behandelt werden, kann eine gezielte Fütterung langfristig beim gesunden Gewichtaufbau helfen.


4. Pferd nimmt im Winter ab

Bei manchen Pferden kann sich der Energiebedarf während kalter oder nasser Wetterperioden erhöhen. Ob die vorhandene Ration dann noch ausreicht, hängt unter anderem von Körperzustand, Haltung, Bewegung, Witterung und Raufutterqualität ab. Besonders betroffen sind ältere Pferde, Offenstallpferde und schwerfuttrige Rassen.

Bei niedrigen Temperaturen kann der Energiebedarf eines Pferdes unter bestimmten Bedingungen steigen, da der Körper zusätzliche Energie für die Wärmeregulation benötigt.

Warum Pferde im Winter abnehmen

Pferde müssen ihre Körpertemperatur konstant halten. Sinkt die Außentemperatur deutlich, steigt der Energieverbrauch. Unter bestimmten Bedingungen kann der Organismus zusätzliche Energie für die Wärmeregulation benötigen.

Besonders kritisch wird es bei:

  • dauerhaftem Regen
  • Wind
  • nassem Fell
  • fehlenden Unterständen
  • schlecht isolierter Muskulatur
  • alten oder dünnen Pferden

Offenstallhaltung im Winter

Bei Pferden in Offenstall- oder Außenhaltung können Bewegung, Witterung und Temperatur den Energiebedarf beeinflussen. Wie stark sich dies auswirkt, ist individuell unterschiedlich.

Thermoregulation & Energiebedarf

Die sogenannte Thermoregulation kostet Energie. Bei veränderten Witterungsbedingungen kann es sinnvoll sein, Körperzustand und Futteraufnahme regelmäßig zu kontrollieren und die Ration bei Bedarf an den individuellen Bedarf anzupassen.

Mögliche Maßnahmen können sein:

  • Raufutterangebot und Raufutterqualität überprüfen
  • lange und möglichst kontinuierliche Fresszeiten ermöglichen
  • Energieversorgung an den individuellen Bedarf anpassen
  • geeignete trockene und witterungsgeschützte Bereiche anbieten
  • bei Bedarf gemeinsam mit Tierarzt oder Fütterungsberatung prüfen, ob zusätzliche Energiequellen sinnvoll sind

Gerade strukturreiche Futtermittel wie Luzerne, Heucobs oder hochwertige Fasermischungen können helfen, den Energiebedarf im Winter besser abzudecken.


5. Pferd nimmt trotz Heu nicht zu

Viele Pferdehalter wundern sich:
Das Pferd frisst große Mengen Heu – und nimmt trotzdem nicht zu.

In solchen Fällen sollte nicht nur die Heumenge, sondern auch die Qualität des Raufutters und die gesamte Ration betrachtet werden. Entscheidend sind vor allem Qualität, Verdaulichkeit und tatsächliche Nährstoffaufnahme. Welche dieser Möglichkeiten sinnvoll ist, hängt unter anderem von Heuqualität, Körperzustand, Alter, Zahnstatus und dem tatsächlichen Energie- und Proteinbedarf des Pferdes ab.

Heuqualität wird oft unterschätzt

Nicht jedes Heu liefert ausreichend Energie.

Probleme entstehen häufig durch:

  • sehr spätes, überständiges Heu
  • nährstoffarmes Heu
  • staubiges oder hygienisch schlechtes Heu
  • zu wenig Blattanteil
  • stark verholztes Heu

Je nach Qualität und Erntezeitpunkt kann Heu unterschiedliche Gehalte an Energie und Nährstoffen aufweisen. Bei Pferden mit erhöhtem Bedarf sollte deshalb die Qualität des vorhandenen Raufutters bei der Rationsplanung berücksichtigt werden.

Schlechte Verwertung beim Pferd

Trotz ausreichender Futteraufnahme können unterschiedliche gesundheitliche oder fütterungsbedingte Faktoren dazu beitragen, dass sich der Körperzustand nicht wie erwartet entwickelt.

Mögliche Ursachen:

  • gestörte Darmflora
  • Magengeschwüre
  • chronische Entzündungen
  • Stoffwechselprobleme
  • Stress
  • Parasitenbelastung

Das Pferd frisst zwar ausreichend, nutzt die Nährstoffe aber nicht optimal.

Zahnprobleme als häufige Ursache

Gerade ältere Pferde kauen häufig schlechter.

Typische Hinweise:

  • Heuwickel
  • langsames Fressen
  • Futter fällt aus dem Maul
  • Gewichtsverlust trotz Appetit

Bei eingeschränkter Kauleistung kann insbesondere die Aufnahme und Verarbeitung von faserreichem Raufutter erschwert sein.

Zu wenig Energie im Heu

Vor allem leichtfuttrige Pferde kommen mit durchschnittlichem Heu oft gut zurecht – schwerfuttrige oder ältere Pferde dagegen nicht.

In solchen Fällen kann zusätzlich sinnvoll sein:

  • Luzerne
  • Heucobs
  • Öl
  • strukturreiche Aufbaufutter
  • Mash
  • hochwertige Fasermischungen

Wichtig:
Nicht einfach nur mehr Kraftfutter geben. Entscheidend ist eine pferdegerechte und bedarfsgerechte Energieversorgung.


Was kann ich tun, wenn mein Pferd nicht zunimmt?

Nimmt ein Pferd trotz ausreichender Futteraufnahme nicht zu, sollte zunächst die Grundversorgung überprüft werden. Dazu gehören insbesondere die Qualität und Menge des Raufutters, die gesamte Ration und der individuelle Bedarf des Pferdes.

Pferd mit Heucobs auffüttern

Welches Futter eignet sich zum Auffüttern?

Mehr Raufutter

Mehr Energie

Individuelle Ration


Body Condition Score beim Pferd

Der Body Condition Score (BCS) hilft dabei, den Ernährungszustand eines Pferdes objektiv einzuschätzen.

Viele Pferdehalter erkennen Gewichtsverlust erst spät – besonders bei Fellwechsel oder Winterfell.

Der BCS bewertet verschiedene Körperbereiche:

  • Rippen
  • Hals
  • Schulter
  • Rücken
  • Schweifansatz

Woran erkennt man ein zu dünnes Pferd?

Hinweise auf Untergewicht:

  • sichtbare Rippen
  • eingefallene Kruppenmuskulatur
  • hervorstehende Hüfthöcker
  • fehlende Oberlinie
  • wenig Muskulatur am Rücken

Gerade ältere Pferde verlieren häufig zuerst Muskulatur und erst später Fettreserven.

BCSZustandBeschreibung
1Stark abgemagertKnochen deutlich sichtbar
2Sehr dünn

Rippen stark sichtbar

3Dünnwenig Fettreserven
4Moderatguter Zustand
5IdealRippen tastbar, nicht sichtbar
6Leicht übergewichtigFettansätze sichtbar
7Übergewichtigdeutliche Fettpolster
8Stark übergewichtigmassive Fettdepots
9Adipösstark verfettet


Fehler bei der Gewichtszunahme

Zu viel Kraftfutter auf einmal

Viele Pferdehalter versuchen, das Pferd schnell „anzufüttern“. Große Mengen Getreide können jedoch:

  • den Darm belasten
  • Koliken fördern
  • den Stoffwechsel stressen

Besser:
Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.


Zu wenig Raufutter

Die Grundlage jeder Gewichtszunahme bleibt ausreichend Rohfaser.

Ein Pferd sollte täglich mindestens:

  • 1,5–2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht erhalten (Orientierungswert)

Kann Heu nicht mehr ausreichend gekaut werden:
→ Heuersatzprodukte einsetzen.


Zu schnelle Futterumstellung

Der Verdauungstrakt des Pferdes reagiert empfindlich.

Neue Futtermittel sollten schrittweise eingeführt und entsprechend der Herstellerangaben sowie der individuellen Verträglichkeit angepasst werden.


Welche Futtermittel helfen beim Zunehmen?

Heucobs

Kann insbesondere interessant sein für:

  • ältere Pferde mit eingeschränkter Kauleistung
  • Pferde, die eingeweichte Futtermittel benötigen
  • Pferde mit erhöhtem Energie- oder Raufutterbedarf, sofern die Gesamtration entsprechend angepasst wird

Vorteile:

  • leicht einweichbar
  • können bei eingeschränkter Kauleistung eine Möglichkeit zur Raufutterversorgung darstellen
  • liefern je nach Produkt einen relevanten Anteil an Rohfaser

Wichtig:
Bei Produkten, die laut Hersteller eingeweicht angeboten werden sollen, sind die jeweiligen Einweich- und Fütterungshinweise des Herstellers zu beachten.


Mash

Mash kann – abhängig von Zusammensetzung und individueller Situation – eine schmackhafte Ergänzung der Ration darstellen. Bei Pferden nach Erkrankungen sollte die Fütterung mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.

Je nach Produkt kann Mash Energie, Nährstoffe und zusätzliche Flüssigkeit über das Futter bereitstellen. Die genaue Zusammensetzung sollte anhand der Produktdeklaration beurteilt werden.


Luzerne

Luzerne liefert:

  • hochwertige Proteine
  • Energie
  • Struktur

Kann insbesondere interessant sein als Bestandteil einer bedarfsgerechten Ration für:

  • Pferde mit erhöhtem Proteinbedarf
  • Pferde mit erhöhtem Energiebedarf
  • ältere oder schwerfuttrige Pferde, sofern sie entsprechend ihrem individuellen Bedarf versorgt werden

Öl als Energielieferant

Pflanzenöle können helfen, die Energiedichte der Ration zu erhöhen.

Geeignet sind:

  • Leinöl
  • Rapsöl

Öle sollten entsprechend den Herstellerangaben und unter Berücksichtigung der Gesamtration schrittweise eingeführt werden.


Praxisbeispiel

Fütterung eines sehr alten Pferdes (mit Zahnproblemen)

Der 27-jährige Haflinger-Wallach Dino zeigt typische Alterserscheinungen, insbesondere deutliche Zahnprobleme, wodurch er Heu nur noch eingeschränkt aufnehmen und kauen kann. Dadurch hat er über die Zeit sichtbar an Gewicht verloren. Um ihn dennoch bedarfsgerecht zu versorgen, haben wir seine Fütterung konsequent angepasst und auf leicht kaubare, energie- und nährstoffreiche Komponenten umgestellt. Dinos Grundration besteht inzwischen aus eingeweichten Heucobs, die ihm ausreichend Rohfaser liefern, ohne seine Zähne zu überfordern. Ergänzend erhält er Mash sowie strukturreiches, gut verdauliches Seniorfutter, um seine Energiezufuhr stabil zu halten. Die Fütterung wurde auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt, angepasst an seine individuelle Futteraufnahme und Verträglichkeit. Die Entwicklung des Körperzustands wurde regelmäßig kontrolliert und die Ration entsprechend der individuellen Situation angepasst.

Dieses Beisöiel dient der Veranschaulichung und ersetzt keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beurteilung.


Praxisbeispiel für die Fütterung eines kranken Pferdes

Das Beispiel dient der Veranschaulichung und ersetzt keine individuelle tierärztliche oder fütterungsfachliche Beurteilung.

Bei Isländer-Stute Perla, die über eine längere Krankheitsphase mit reduzierter Futteraufnahme und allgemeinem Gewichtsverlust zu kämpfen hatte, mussten wir die Fütterung sehr gezielt anpassen. Wir haben ihre Ration daher auf leicht verdauliche Futtermittel wie eingeweichte Heucobs und hochwertiges Mash umgestellt und zusätzlich auf eine ausreichende Eiweiß- und Energieversorgung geachtet. Aufgrund der reduzierten Futteraufnahme und des Gewichtsverlusts wurde die Ration gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt überprüft und an die individuelle Situation angepasst. Wichtig war dabei vor allem die enge Abstimmung mit dem Tierarzt sowie eine regelmäßige Beobachtung ihres Körperzustands, um die Fütterung flexibel an ihren Gesundheitsverlauf anzupassen. Der Körperzustand wurde im weiteren Verlauf regelmäßig kontrolliert und die Fütterung entsprechend der Entwicklung angepasst.


Beispielhafte Struktur einer Fütterungsration für ein älteres Pferd mit erhöhtem Energiebedarf

Die folgende Darstellung ist ein Beispiel und keine allgemeingültige Fütterungsempfehlung. Tatsächlich geeignete Futtermittel und Mengen müssen anhand von Körpergewicht, Körperzustand, Raufutterqualität, Zahnstatus, Aktivität, Gesundheitszustand und Gesamtration individuell bestimmt werden. Bei bestehenden Erkrankungen sollte die Fütterung mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden.

600-kg-Senior mit Zahnproblemen

Morgens

  • eingeweichte Heucobs
  • Senior Mash
  • Mineralfutter

Mittags

  • kleine Portion Luzerne
  • eingeweichte Fasern

Abends

  • Heucobs
  • strukturreiches Seniorfutter
  • etwas Öl

Zusätzlich

  • freier Zugang zu Wasser
  • regelmäßige Zahnkontrollen
  • mehrere kleine Mahlzeiten
FutterkomponenteMenge / FrequenzFunktion für das Senior-Pferd
HeucobsNach Produktangabe und individuellem Bedarf; auf mehrere Mahlzeiten verteilen.Sichert die lebensnotwendige Rohfaserversorgung, wenn normales Raufutter nicht mehr verwertet werden kann.
LuzernecobsNach Bedarf und Zusammensetzung der Gesamtration.Liefert Protein und Aminosäuren und kann damit Bestandteil einer bedarfsgerechten Ration für ältere Pferde sein.
Reiskleie (stabilisiert)Produkt- und bedarfsabhängig; entsprechend der Gesamtration.Kann – abhängig von Produkt und Gesamtration – zur Energieversorgung beitragen. Die Eignung und Menge sollten individuell beurteilt werden.
Mash (getreidefrei)Nach Produktangabe und individueller Verträglichkeit. Je nach Zusammensetzung können beispielsweise Leinsamen oder Flohsamenschalen Bestandteil des Futters sein.
LeinölNach Produktangabe und unter Berücksichtigung der Gesamtration.Energiequelle
Senior-MineralfutterNach Herstellerangabe und unter Berücksichtigung der bereits über Raufutter und Ergänzungsfuttermittel aufgenommenen Nährstoffe.Kann entsprechend der Produktzusammensetzung zur bedarfsgerechten Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen beitragen. 

Da die Ursachen für eine mangelnde Gewichtszunahme individuell unterschiedlich sein können, ersetzt unser Ratgeber keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung.

Passende Futtermittel für die Gewichtszunahme
Die richtige Auswahl hängt vom Körperzustand, Alter, Raufutterangebot und individuellen Bedarf des Pferdes ab. Entdecke unsere ausgewählten Futtermittel zum Auffüttern und zur bedarfsgerechten Ergänzung der Ration.


Wie schnell sollte ein Pferd zunehmen?

Eine langsame, kontrollierte Gewichtszunahme ist gesünder als schnelles „Anfüttern“.

Wie schnell sich der Körperzustand verändert, ist individuell sehr unterschiedlich. Entscheidend ist eine kontrollierte Entwicklung des Körperzustands. Gewicht und Body Condition Score sollten regelmäßig unter vergleichbaren Bedingungen überprüft werden.


Wann sollte ein Tierarzt eingeschaltet werden?

Eine zeitnahe tierärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:

  • deutlichem oder raschem Gewichtsverlust
  • anhaltender Fressunlust
  • Durchfall
  • Koliksymptomen
  • ausgeprägter Schwäche
  • deutlicher Veränderung des Allgemeinzustands

Gerade bei älteren Pferden können unerkannte Erkrankungen die Ursache sein. Bei deutlichem, ungeklärtem oder fortschreitendem Gewichtsverlust sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere bei zusätzlichen Symptomen wie Fressproblemen, Durchfall, Koliksymptomen, ausgeprägter Schwäche oder deutlicher Veränderung des Allgemeinzustands.


Fazit: Gewichtszunahme beim Pferd braucht Ursachenforschung

Ein dünnes Pferd benötigt nicht einfach nur „mehr Futter“. Entscheidend sind:

  • die Ursache des Gewichtsverlustes
  • die richtige Futterstruktur
  • gut verdauliche Energie
  • ausreichend Rohfaser
  • eine langsame, kontrollierte Fütterung

Besonders ältere Pferde und Tiere mit Zahnproblemen profitieren von eingeweichten Futtermitteln, hochwertigen Fasern und mehreren kleinen Mahlzeiten pro Tag.

Ein individuell angepasstes Fütterungskonzept kann dazu beitragen, den Körperzustand des Pferdes bedarfsgerecht zu unterstützen. Voraussetzung ist, dass Raufutterversorgung, Gesamtration, Haltung und individuelle gesundheitliche Faktoren berücksichtigt werden


Dieser Artikel wurde gemeinsam mit Tierärzten und Pferdeernährungsberatern erstellt.

Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

„Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme“

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und bedarfsgerechter Fütterung.

Qualifikationen:

  • Pferdefutterberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Schwerpunkte: Fütterung schwerfuttriger Pferde, Seniorenfütterung, Muskelaufbau und bedarfsgerechte Pferdefütterung
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