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Pferde richtig füttern – Getreidefrei, Bedarf & Lebensphasen

19.06.2026 / Fütterung
Pferde richtig füttern – Getreidefrei, Bedarf & Lebensphasen - Pferde richtig füttern – Getreidefrei, Bedarf & Lebensphasen

Pferde richtig füttern – der große Ratgeber

Eine bedarfsgerechte Pferdefütterung ist die Grundlage für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ein langes Pferdeleben. Fehler in der Fütterung zählen zu den häufigsten Ursachen für Stoffwechselerkrankungen, Verhaltensprobleme und Leistungsabfall. Dieser umfassende Ratgeber zeigt dir wie Pferde richtig gefüttert werden, differenziert nach Alter, Nutzung, Rasse, Haltung und Gesundheitszustand – und unterscheidet klar zwischen getreidefreier und nicht getreidefreier Fütterung.


Warum ist die richtige Pferdefütterung so wichtig?

Pferde sind Dauerfresser mit empfindlichem Verdauungssystem. In freier Wildbahn nehmen sie bis zu 16 Stunden täglich rohfaserreiches, energiearmes Futter auf. Moderne Haltungs- und Nutzungsformen weichen davon stark ab – mit direkten Folgen für:

  • Darmgesundheit & Immunsystem
  • Stoffwechsel (z. B. EMS, Hufrehe, Cushing)
  • Muskulatur, Knochen & Leistungsfähigkeit
  • Psyche & Verhalten

Warum ist die richtige Pferdefütterung so entscheidend?

Pferde sind Dauerfresser mit einem hochsensiblen Verdauungssystem. Ihr Magen ist klein, der Dünndarm begrenzt leistungsfähig und der Dickdarm auf eine stabile Mikroflora angewiesen. Jede Abweichung von der natürlichen Futteraufnahme kann langfristige Folgen haben.

Eine falsche Fütterung führt häufig zu:

  • Stoffwechselstörungen
  • Über- oder Untergewicht
  • Mangelerscheinungen
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Leistungseinbußen
  • chronischen Erkrankungen

Die richtige Pferdefütterung ist Prävention.



Grundlagen der Pferdefütterung – Das muss jedes Pferd bekommen

Raufutter: Die Basis jeder gesunden Pferdefütterung

Raufutter ist das wichtigste Futtermittel für Pferde.

Faustregel:

  • mindestens 1,5–2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht
  • idealerweise über den ganzen Tag verteilt

Geeignete Raufutterarten:

  • Heu (Grundlage)
  • Heulage (nur bei guter Qualität)
  • Stroh (als Struktur, nicht als Hauptfutter)

Zu wenig Raufutter erhöht das Risiko für:

  • Magengeschwüre
  • Koliken
  • Verhaltensprobleme
  • Stoffwechselentgleisungen

Wasser & Salz – oft unterschätzt

  • frisches Wasser rund um die Uhr
  • Salzleckstein oder gezielte Natriumzufuhr
  • besonders wichtig bei Sportpferden und im Sommer

Getreidefreie Pferdefütterung vs. Fütterung mit Getreide

Getreidefreie Pferdefütterung – wann ist sie sinnvoll?

Die getreidefreie Pferdefütterung reduziert Stärke und Zucker auf ein Minimum und schont den Stoffwechsel.

Ideal für:

  • Freizeitpferde
  • leichtfuttrige Pferde
  • Pferde mit EMS, Hufrehe oder Cushing
  • Senioren
  • Pferde mit Magensensibilität

Typische Bestandteile:

  • hochwertiges Heu
  • Gras-, Wiesen- oder Luzernecobs
  • strukturreiche Fasern
  • Öle (z. B. Leinöl)
  • getreidefreies Mineralfutter

Vorteile:

  • stabiler Blutzuckerspiegel
  • geringes Reherisiko
  • ruhigeres Temperament
  • gesunde Darmflora

Pferde mit Getreide füttern – wann ist es notwendig?

Getreide liefert schnell verfügbare Energie in Form von Stärke.

Sinnvoll bei:

  • Sportpferden
  • schwerfuttrigen Pferden
  • Jungpferden im Wachstum
  • Pferden mit hoher Trainingsintensität

Gängige Getreidesorten:

  • Hafer (leicht verdaulich)
  • Gerste (aufgeschlossen)
  • Mais (sehr energiereich)

Wichtig: Getreide immer:

  • langsam anfüttern
  • in kleinen Portionen
  • niemals ohne ausreichendes Raufutter

Pferdefütterung nach Alter und Lebensphase

Fohlen richtig füttern

Fohlen haben einen extrem hohen Bedarf an Eiweiß, Energie und Mineralstoffen.

Besonderheiten:

  • Knochen- und Gelenkentwicklung
  • empfindlicher Stoffwechsel

Empfehlung:

  • hochwertiges Heu
  • spezielle Fohlenmineralien
  • altersgerechtes Kraftfutter in kleinen Mengen

Fehler: zu viel Energie → Fehlstellungen & Wachstumsstörungen


Jungpferde füttern – gesund wachsen lassen

Ziel ist gleichmäßiges, langsames Wachstum.

Wichtig:

  • ausgewogenes Ca:P-Verhältnis
  • ausreichend Spurenelemente (Cu, Zn)
  • keine Überversorgung

Jungpferde werden häufiger über- als unterfüttert.


Pferde beim Anreiten richtig füttern

Beim Anreiten steigt der Bedarf an:

  • Energie
  • Eiweiß
  • Magnesium
  • Vitamin E

Fütterungstipp:

  • leicht verdauliche Energie
  • nervenschonende Rationen
  • keine plötzlichen Futterwechsel

Erwachsene Pferde richtig füttern

Viele erwachsene Freizeitpferde benötigen:

  • kein Kraftfutter
  • nur Heu + Mineralfutter

Die Fütterung richtet sich nach:

  • Arbeitsintensität
  • Haltungsform
  • Körperkondition

Seniorenpferde füttern

Mit zunehmendem Alter sinkt die Futterverwertung.

Herausforderungen:

  • Zahnprobleme
  • Muskelabbau
  • geringere Verdauungsleistung

Geeignet für Senioren:

  • eingeweichte Heu- oder Wiesencobs
  • Mash
  • leicht verdauliche Proteine

Sportpferde richtig füttern

Sportpferde haben:

  • erhöhten Energiebedarf
  • höheren Elektrolytverlust
  • höheren Bedarf an Antioxidantien

Wichtig:

  • bedarfsgerechte Kraftfuttermenge
  • gezielte Mineralisierung
  • Anpassung an Trainingsphasen

Rassenspezifische Unterschiede in der Pferdefütterung

Leichtfuttrige Pferde

(z. B. Isländer, Haflinger, Fjordpferde)

  • effizienter Stoffwechsel
  • hohes Rehe- und EMS-Risiko

getreidefrei, zuckerarm, kontrollierte Weide


Schwerfuttrige Pferde

(z. B. Vollblüter, Traber)

  • höherer Energiebedarf
  • oft schwer Gewicht zu halten

energiereiche, aber strukturbetonte Fütterung


Gesundheitliche Probleme & angepasste Fütterung

Hufrehe

  • strikt stärkearm
  • kein frisches Weidegras
  • strukturreiches, analysiertes Heu

Cushing (PPID)

  • niedriger Zucker- & Stärkegehalt
  • gleichmäßige Fütterung
  • angepasste Mineralstoffe

EMS

  • Gewichtsmanagement
  • reduzierte Energiezufuhr
  • kontrollierte Raufuttermenge

Einfluss der Haltungsform auf die Pferdefütterung

Boxenhaltung

  • Gefahr langer Fresspausen
  • Heunetze & Futtermanagement wichtig

Offenstall & Aktivstall

  • höherer Grundumsatz
  • oft geringerer Kraftfutterbedarf

Weidehaltung

  • stark schwankende Zuckerwerte
  • Fruktangefahr im Frühjahr & Herbst

Die größten Fehler in der Pferdefütterung

❌ zu wenig Raufutter
❌ zu viel Kraftfutter
❌ Mineralfutter „nach Gefühl“
❌ keine Anpassung an Rasse & Stoffwechsel
❌ abrupte Futterumstellungen
❌ Weidefutter unterschätzen


Häufige Fragen zur Pferdefütterung

Wie oft sollte man Pferde füttern?

Raufutter möglichst durchgehend, Kraftfutter auf mehrere kleine Portionen.


Braucht jedes Pferd Kraftfutter?

Nein. Viele Pferde sind mit Heu + Mineralfutter optimal versorgt.


Ist getreidefreie Pferdefütterung besser?

Nicht grundsätzlich – sie muss zum Pferd und zur Leistung passen.


Ist eine Heuanalyse sinnvoll?

Ja, besonders bei:

  • Stoffwechselerkrankungen
  • Sportpferden
  • Zucht & Aufzucht

Praxisbeispiele und Futterpläne aus unserer Beratung


Fazit: Pferde richtig füttern heißt langfristig gesund erhalten

Pferde richtig füttern ist keine Frage von Trends, Marken oder pauschalen Fütterungskonzepten, sondern immer eine individuelle, bedarfsorientierte Entscheidung. Jedes Pferd unterscheidet sich in Alter, Rasse, Nutzung, Haltungsform und Gesundheitszustand – und genau diese Faktoren müssen bei der Pferdefütterung berücksichtigt werden, um Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden dauerhaft zu sichern.

Die Grundlage jeder gesunden Pferdefütterung bleibt hochwertiges Raufutter in ausreichender Menge. Ohne genügend strukturreiche Fasern leidet nicht nur die Verdauung, sondern auch der gesamte Stoffwechsel. Kraftfutter – ob getreidefrei oder mit Getreide – darf niemals die Basis, sondern immer nur eine gezielte Ergänzung sein. Besonders Freizeitpferde, leichtfuttrige Rassen sowie Pferde mit Stoffwechselerkrankungen kommen häufig ohne klassisches Kraftfutter aus und profitieren langfristig von einer getreidefreien, stärkearmen Fütterung.

Gleichzeitig ist Getreide nicht grundsätzlich „schlecht“. Für Sportpferde, schwerfuttrige Pferde oder Jungpferde im Wachstum kann eine kontrolliert eingesetzte Getreidefütterung notwendig sein, um den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Entscheidend ist dabei immer die Menge, die Aufbereitung und die Verteilung über den Tag, um den Verdauungstrakt nicht zu überlasten.

Besonders wichtig ist eine angepasste Mineralstoffversorgung, da Heu und Weidegras allein den Bedarf an Spurenelementen, Vitaminen und Elektrolyten heute kaum noch decken. Eine Überversorgung ist dabei ebenso problematisch wie ein Mangel. Deshalb gilt auch hier: gezielt ergänzen statt unkontrolliert kombinieren.

Rassenspezifische Unterschiede, Haltungsform und Bewegung spielen eine zentrale Rolle. Offenstall- oder Aktivstallpferde haben einen anderen Energiebedarf als Boxenpferde und leichtfuttrige Rassen benötigen ein besonders konsequentes Fütterungsmanagement, um Erkrankungen wie Hufrehe, EMS oder Cushing (PPID) vorzubeugen.

Zusammengefasst bedeutet Pferdefütterung richtig umsetzen, Verantwortung zu übernehmen:
für die Gesundheit des Pferdes heute – und für seine Lebensqualität in vielen Jahren. Wer sein Pferd bedarfsgerecht füttert, spart nicht nur Tierarztkosten, sondern schafft die Basis für Leistungsbereitschaft, mentale Ausgeglichenheit und ein langes, gesundes Pferdeleben.

Merksatz für die Praxis:
Raufutter zuerst, Energie individuell, Mineralstoffe gezielt – und immer das Pferd als Ganzes betrachten.


Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.

Qualifikationen:

  • Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
  • Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde

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