Pferde richtig füttern – Getreidefrei, Bedarf & Lebensphasen
Pferde richtig füttern – der große Ratgeber
Eine bedarfsgerechte Pferdefütterung ist die Grundlage für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und ein langes Pferdeleben. Fehler in der Fütterung zählen zu den häufigsten Ursachen für Stoffwechselerkrankungen, Verhaltensprobleme und Leistungsabfall. Dieser umfassende Ratgeber zeigt dir wie Pferde richtig gefüttert werden, differenziert nach Alter, Nutzung, Rasse, Haltung und Gesundheitszustand – und unterscheidet klar zwischen getreidefreier und nicht getreidefreier Fütterung.
Warum ist die richtige Pferdefütterung so wichtig?
Pferde sind Dauerfresser mit empfindlichem Verdauungssystem. In freier Wildbahn nehmen sie bis zu 16 Stunden täglich rohfaserreiches, energiearmes Futter auf. Moderne Haltungs- und Nutzungsformen weichen davon stark ab – mit direkten Folgen für:
- Darmgesundheit & Immunsystem
- Stoffwechsel (z. B. EMS, Hufrehe, Cushing)
- Muskulatur, Knochen & Leistungsfähigkeit
- Psyche & Verhalten
Warum ist die richtige Pferdefütterung so entscheidend?
Pferde sind Dauerfresser mit einem hochsensiblen Verdauungssystem. Ihr Magen ist klein, der Dünndarm begrenzt leistungsfähig und der Dickdarm auf eine stabile Mikroflora angewiesen. Jede Abweichung von der natürlichen Futteraufnahme kann langfristige Folgen haben.
Eine falsche Fütterung führt häufig zu:
- Stoffwechselstörungen
- Über- oder Untergewicht
- Mangelerscheinungen
- Verhaltensauffälligkeiten
- Leistungseinbußen
- chronischen Erkrankungen
Die richtige Pferdefütterung ist Prävention.

Grundlagen der Pferdefütterung – Das muss jedes Pferd bekommen
Raufutter: Die Basis jeder gesunden Pferdefütterung
Raufutter ist das wichtigste Futtermittel für Pferde.
Faustregel:
- mindestens 1,5–2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht
- idealerweise über den ganzen Tag verteilt
Geeignete Raufutterarten:
- Heu (Grundlage)
- Heulage (nur bei guter Qualität)
- Stroh (als Struktur, nicht als Hauptfutter)
Zu wenig Raufutter erhöht das Risiko für:
- Magengeschwüre
- Koliken
- Verhaltensprobleme
- Stoffwechselentgleisungen
Wasser & Salz – oft unterschätzt
- frisches Wasser rund um die Uhr
- Salzleckstein oder gezielte Natriumzufuhr
- besonders wichtig bei Sportpferden und im Sommer
Getreidefreie Pferdefütterung vs. Fütterung mit Getreide
Getreidefreie Pferdefütterung – wann ist sie sinnvoll?
Die getreidefreie Pferdefütterung reduziert Stärke und Zucker auf ein Minimum und schont den Stoffwechsel.
Ideal für:
- Freizeitpferde
- leichtfuttrige Pferde
- Pferde mit EMS, Hufrehe oder Cushing
- Senioren
- Pferde mit Magensensibilität
Typische Bestandteile:
- hochwertiges Heu
- Gras-, Wiesen- oder Luzernecobs
- strukturreiche Fasern
- Öle (z. B. Leinöl)
- getreidefreies Mineralfutter
Vorteile:
- stabiler Blutzuckerspiegel
- geringes Reherisiko
- ruhigeres Temperament
- gesunde Darmflora
Pferde mit Getreide füttern – wann ist es notwendig?
Getreide liefert schnell verfügbare Energie in Form von Stärke.
Sinnvoll bei:
- Sportpferden
- schwerfuttrigen Pferden
- Jungpferden im Wachstum
- Pferden mit hoher Trainingsintensität
Gängige Getreidesorten:
- Hafer (leicht verdaulich)
- Gerste (aufgeschlossen)
- Mais (sehr energiereich)
Wichtig: Getreide immer:
- langsam anfüttern
- in kleinen Portionen
- niemals ohne ausreichendes Raufutter
Pferdefütterung nach Alter und Lebensphase
Fohlen richtig füttern
Fohlen haben einen extrem hohen Bedarf an Eiweiß, Energie und Mineralstoffen.
Besonderheiten:
- Knochen- und Gelenkentwicklung
- empfindlicher Stoffwechsel
Empfehlung:
- hochwertiges Heu
- spezielle Fohlenmineralien
- altersgerechtes Kraftfutter in kleinen Mengen
Fehler: zu viel Energie → Fehlstellungen & Wachstumsstörungen
Jungpferde füttern – gesund wachsen lassen
Ziel ist gleichmäßiges, langsames Wachstum.
Wichtig:
- ausgewogenes Ca:P-Verhältnis
- ausreichend Spurenelemente (Cu, Zn)
- keine Überversorgung
Jungpferde werden häufiger über- als unterfüttert.
Pferde beim Anreiten richtig füttern
Beim Anreiten steigt der Bedarf an:
- Energie
- Eiweiß
- Magnesium
- Vitamin E
Fütterungstipp:
- leicht verdauliche Energie
- nervenschonende Rationen
- keine plötzlichen Futterwechsel
Erwachsene Pferde richtig füttern
Viele erwachsene Freizeitpferde benötigen:
- kein Kraftfutter
- nur Heu + Mineralfutter
Die Fütterung richtet sich nach:
- Arbeitsintensität
- Haltungsform
- Körperkondition
Seniorenpferde füttern
Mit zunehmendem Alter sinkt die Futterverwertung.
Herausforderungen:
- Zahnprobleme
- Muskelabbau
- geringere Verdauungsleistung
Geeignet für Senioren:
- eingeweichte Heu- oder Wiesencobs
- Mash
- leicht verdauliche Proteine
Sportpferde richtig füttern
Sportpferde haben:
- erhöhten Energiebedarf
- höheren Elektrolytverlust
- höheren Bedarf an Antioxidantien
Wichtig:
- bedarfsgerechte Kraftfuttermenge
- gezielte Mineralisierung
- Anpassung an Trainingsphasen
Rassenspezifische Unterschiede in der Pferdefütterung
Leichtfuttrige Pferde
(z. B. Isländer, Haflinger, Fjordpferde)
- effizienter Stoffwechsel
- hohes Rehe- und EMS-Risiko
getreidefrei, zuckerarm, kontrollierte Weide
Schwerfuttrige Pferde
(z. B. Vollblüter, Traber)
- höherer Energiebedarf
- oft schwer Gewicht zu halten
energiereiche, aber strukturbetonte Fütterung
Gesundheitliche Probleme & angepasste Fütterung
Hufrehe
- strikt stärkearm
- kein frisches Weidegras
- strukturreiches, analysiertes Heu
Cushing (PPID)
- niedriger Zucker- & Stärkegehalt
- gleichmäßige Fütterung
- angepasste Mineralstoffe
EMS
- Gewichtsmanagement
- reduzierte Energiezufuhr
- kontrollierte Raufuttermenge
Einfluss der Haltungsform auf die Pferdefütterung
Boxenhaltung
- Gefahr langer Fresspausen
- Heunetze & Futtermanagement wichtig
Offenstall & Aktivstall
- höherer Grundumsatz
- oft geringerer Kraftfutterbedarf
Weidehaltung
- stark schwankende Zuckerwerte
- Fruktangefahr im Frühjahr & Herbst
Die größten Fehler in der Pferdefütterung
❌ zu wenig Raufutter
❌ zu viel Kraftfutter
❌ Mineralfutter „nach Gefühl“
❌ keine Anpassung an Rasse & Stoffwechsel
❌ abrupte Futterumstellungen
❌ Weidefutter unterschätzen
Häufige Fragen zur Pferdefütterung
Wie oft sollte man Pferde füttern?
Raufutter möglichst durchgehend, Kraftfutter auf mehrere kleine Portionen.
Braucht jedes Pferd Kraftfutter?
Nein. Viele Pferde sind mit Heu + Mineralfutter optimal versorgt.
Ist getreidefreie Pferdefütterung besser?
Nicht grundsätzlich – sie muss zum Pferd und zur Leistung passen.
Ist eine Heuanalyse sinnvoll?
Ja, besonders bei:
- Stoffwechselerkrankungen
- Sportpferden
- Zucht & Aufzucht
Praxisbeispiele und Futterpläne aus unserer Beratung
Fütterung eines Fohlens, das abgesetzt wurde
Jungpferde beim Anreiten
Isländer, Norweger und andere Robustpferde
Tinker, Friesen und Pferde mit viel Haar
"Freizeitpferde"
Sportpferde und Turnierpferde
Westernpferde
- Pferde mit Hufrehe
Fazit: Pferde richtig füttern heißt langfristig gesund erhalten
Pferde richtig füttern ist keine Frage von Trends, Marken oder pauschalen Fütterungskonzepten, sondern immer eine individuelle, bedarfsorientierte Entscheidung. Jedes Pferd unterscheidet sich in Alter, Rasse, Nutzung, Haltungsform und Gesundheitszustand – und genau diese Faktoren müssen bei der Pferdefütterung berücksichtigt werden, um Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden dauerhaft zu sichern.
Die Grundlage jeder gesunden Pferdefütterung bleibt hochwertiges Raufutter in ausreichender Menge. Ohne genügend strukturreiche Fasern leidet nicht nur die Verdauung, sondern auch der gesamte Stoffwechsel. Kraftfutter – ob getreidefrei oder mit Getreide – darf niemals die Basis, sondern immer nur eine gezielte Ergänzung sein. Besonders Freizeitpferde, leichtfuttrige Rassen sowie Pferde mit Stoffwechselerkrankungen kommen häufig ohne klassisches Kraftfutter aus und profitieren langfristig von einer getreidefreien, stärkearmen Fütterung.
Gleichzeitig ist Getreide nicht grundsätzlich „schlecht“. Für Sportpferde, schwerfuttrige Pferde oder Jungpferde im Wachstum kann eine kontrolliert eingesetzte Getreidefütterung notwendig sein, um den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf zu decken. Entscheidend ist dabei immer die Menge, die Aufbereitung und die Verteilung über den Tag, um den Verdauungstrakt nicht zu überlasten.
Besonders wichtig ist eine angepasste Mineralstoffversorgung, da Heu und Weidegras allein den Bedarf an Spurenelementen, Vitaminen und Elektrolyten heute kaum noch decken. Eine Überversorgung ist dabei ebenso problematisch wie ein Mangel. Deshalb gilt auch hier: gezielt ergänzen statt unkontrolliert kombinieren.
Rassenspezifische Unterschiede, Haltungsform und Bewegung spielen eine zentrale Rolle. Offenstall- oder Aktivstallpferde haben einen anderen Energiebedarf als Boxenpferde und leichtfuttrige Rassen benötigen ein besonders konsequentes Fütterungsmanagement, um Erkrankungen wie Hufrehe, EMS oder Cushing (PPID) vorzubeugen.
Zusammengefasst bedeutet Pferdefütterung richtig umsetzen, Verantwortung zu übernehmen:
für die Gesundheit des Pferdes heute – und für seine Lebensqualität in vielen Jahren. Wer sein Pferd bedarfsgerecht füttert, spart nicht nur Tierarztkosten, sondern schafft die Basis für Leistungsbereitschaft, mentale Ausgeglichenheit und ein langes, gesundes Pferdeleben.
Merksatz für die Praxis:
Raufutter zuerst, Energie individuell, Mineralstoffe gezielt – und immer das Pferd als Ganzes betrachten.
Autor:
Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin
Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme
Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.
Qualifikationen:
- Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
- 10+ Jahre Praxiserfahrung
- Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
- Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde