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Sommerekzem beim Pferd: Warum dein Pferd sich wund scheuert – und was wirklich hilft

16.04.2026 / Gesundheit
Sommerekzem beim Pferd: Warum dein Pferd sich wund scheuert – und was wirklich hilft - Sommerekzem beim Pferd: Ursachen, Symptome & was wirklich hilft

Sommerekzem beim Pferd: Ursachen, Symptome und was wirklich hilft

Das Sommerekzem gehört zu den häufigsten Hautproblemen bei Pferden und sorgt jedes Jahr für starken Juckreiz, offene Hautstellen und erheblichen Stress bei betroffenen Tieren. Vor allem in den warmen Monaten leiden viele Pferde unter ständigem Scheuern an Mähne, Schweif und Bauchnaht. Für Besitzer stellt sich dann schnell die Frage: Was hilft wirklich gegen Sommerekzem beim Pferd?

Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Management, einer angepassten Fütterung und frühzeitigen Unterstützung lassen sich die Beschwerden häufig deutlich reduzieren. Entscheidend ist dabei, die Ursachen zu verstehen und nicht erst zu handeln, wenn sich das Pferd bereits wund gescheuert hat.

In diesem Ratgeber erfährst du:

  • wie Sommerekzem entsteht,
  • woran du die ersten Symptome erkennst,
  • welche Pferde besonders gefährdet sind,
  • welche Fütterung sinnvoll sein kann
  • und welche Maßnahmen sich in der Praxis bewährt haben.

Was ist Sommerekzem?

Sommerekzem beim Pferd ist eine allergische Reaktion auf den Speichel bestimmter Insekten – vor allem der sogenannten Kriebelmücken. Beim Stich gelangen Eiweiße in die Haut, auf die empfindliche Pferde mit einer überschießenden Immunreaktion reagieren.

Typisch ist ein starker Juckreiz, der vor allem während der Mückensaison auftritt. Die Beschwerden beginnen meist im Frühjahr und können sich bis in den Herbst ziehen. Viele Pferde scheuern sich dabei so intensiv, dass kahle Stellen, entzündete Haut oder sogar offene Wunden entstehen.

Das Sommerekzem ist nicht ansteckend, kann jedoch jedes Jahr erneut auftreten. Ohne geeignetes Management verschlimmern sich die Symptome häufig von Saison zu Saison.

Besonders problematisch:
Viele Pferde entwickeln durch das ständige Scheuern einen regelrechten Teufelskreis:

  • Insektenstich
  • Juckreiz
  • Scheuern
  • verletzte Haut
  • noch stärkere Reizung

Deshalb ist frühes Handeln entscheidend.


Woran erkennt man Sommerekzem?

Die ersten Symptome zeigen sich häufig bereits im Frühjahr – oft früher, als viele Pferdebesitzer vermuten. Anfangs wirkt das Pferd lediglich etwas unruhiger oder kratzt sich gelegentlich an Schweif oder Mähne.

Mit zunehmender Belastung werden die Anzeichen deutlicher.

Typische Symptome bei Sommerekzem:

  • starker Juckreiz
  • Scheuern an Mähne und Schweif
  • kahle Stellen im Mähnenkamm
  • Haarverlust an Schweifrübe oder Bauchnaht
  • schuppige oder verdickte Haut
  • kleine Krusten oder offene Stellen
  • Unruhe auf der Weide
  • ständiges Kratzen oder Beißen in die Haut

Viele Pferde scheuern sich besonders:

  • an Zäunen,
  • Tränken,
  • Bäumen
  • oder Stallwänden.

Fortgeschrittenes Sommerekzem kann die Haut dauerhaft verändern. Manche Pferde entwickeln dicke Hautfalten, entzündete Areale oder großflächige kahle Stellen.

Je früher die Symptome erkannt werden, desto besser lassen sich schwere Verläufe oft verhindern.


Warum entsteht Sommerekzem?

Die Hauptursache für Sommerekzem ist eine Überempfindlichkeit gegenüber den Stichen von Kriebelmücken und anderen stechenden Insekten.

Allerdings reagiert nicht jedes Pferd gleich. Entscheidend ist meist eine Kombination aus:

  • genetischer Veranlagung,
  • Immunsystem,
  • Hautbarriere,
  • Haltung
  • und Stoffwechselbelastung.

Kriebelmücken als Hauptauslöser

Die kleinen Mücken sind vor allem:

  • morgens,
  • abends
  • und bei feucht-warmer Witterung aktiv.

Sie bevorzugen häufig:

  • Weiden in Wassernähe,
  • windstille Gebiete
  • oder feuchte Stallumgebungen.

Beim Stich geben sie Speichelstoffe ab, die bei empfindlichen Pferden starke allergische Reaktionen auslösen können.

Weitere Faktoren, die Sommerekzem begünstigen können:

  • geschwächtes Immunsystem
  • hoher Stoffwechselstress
  • unausgewogene Fütterung
  • Mangelversorgung mit Spurenelementen
  • schlechte Hautregeneration
  • hoher Zucker- oder Stärkeanteil im Futter
  • dauerhafte Entzündungsprozesse im Körper

Auch Stress kann Hautprobleme zusätzlich verschlimmern.


Welche Pferde sind besonders betroffen?

Grundsätzlich kann jedes Pferd Sommerekzem entwickeln. Manche Rassen und Pferdetypen zeigen jedoch deutlich häufiger Symptome.

Besonders betroffen sind häufig:

  • Islandpferde
  • Friesen
  • Haflinger
  • Shetlandponys
  • robuste Pferderassen
  • importierte Islandpferde

Gerade Islandpferde entwickeln oft erst nach dem Import nach Mitteleuropa starke Beschwerden, da sie in ihrer ursprünglichen Heimat deutlich weniger Kontakt mit Kriebelmücken hatten.

Außerdem scheinen folgende Faktoren das Risiko zu erhöhen:

  • familiäre Veranlagung
  • empfindliche Haut
  • bereits bestehende Allergien
  • Stoffwechselprobleme
  • geschwächtes Immunsystem

Auch übergewichtige Pferde oder Tiere mit hoher Entzündungsbelastung reagieren häufig empfindlicher.


Was hilft wirklich gegen Sommerekzem?

Die wichtigste Wahrheit zuerst:
Es gibt keine einzelne Wunderlösung gegen Sommerekzem. Erfolgreiches Management besteht fast immer aus mehreren Bausteinen.

In der Praxis bewährt sich meist die Kombination aus:

  • konsequentem Insektenschutz,
  • angepasster Haltung,
  • frühzeitigem Management
  • und unterstützender Fütterung.

1. Frühzeitig handeln

Viele Besitzer reagieren erst, wenn das Pferd bereits starke Symptome zeigt. Deutlich sinnvoller ist es, bereits vor Beginn der Mückensaison zu starten.

Idealerweise beginnt das Management:

  • bereits im Frühjahr,
  • noch bevor die ersten Kriebelmücken aktiv werden.

2. Insektenbelastung reduzieren

Hilfreich können sein:

  • Weidegang außerhalb der Hauptflugzeiten
  • Offenstall mit Luftbewegung
  • Ventilatoren im Stall
  • trockene Weiden
  • Vermeidung stehender Gewässer

Kriebelmücken meiden starken Wind. Deshalb profitieren viele Pferde von luftigen Weiden.

3. Hautbarriere unterstützen

Eine gesunde Haut regeneriert sich schneller und reagiert oft weniger empfindlich.

Wichtig sind:

  • gute Mineralstoffversorgung,
  • hochwertige Fettsäuren,
  • ausreichende Spurenelemente
  • und ein stabiler Stoffwechsel.

4. Entzündungsprozesse reduzieren

Viele betroffene Pferde profitieren von:

  • Omega-3-Fettsäuren,
  • antioxidativen Nährstoffen
  • und entzündungsarmer Fütterung.

Ziel ist es, das Immunsystem möglichst wenig zusätzlich zu belasten.


Fütterung bei Sommerekzem

Die Fütterung spielt bei Sommerekzem oft eine größere Rolle, als viele denken. Zwar verursacht Futter nicht direkt die Allergie gegen Kriebelmücken – eine unausgewogene Ernährung kann Haut, Immunsystem und Stoffwechsel jedoch zusätzlich belasten.

Worauf bei der Fütterung geachtet werden sollte

Viele Pferde profitieren von:

  • zuckerarmer Fütterung,
  • hochwertigem Raufutter,
  • ausreichender Mineralisierung
  • und entzündungsarmen Fettsäuren.

Besonders wichtig:
Das Pferd sollte bedarfsgerecht mit Spurenelementen und essentiellen Fettsäuren versorgt sein.

Sinnvoll kann sein:

  • gutes Heu als Basis
  • wenig Zucker und Stärke
  • ausreichend Zink
  • Omega-3-reiche Öle
  • hochwertige Mineralfutter
  • angepasste Eiweißversorgung

Problematisch können sein:

  • sehr zuckerreiche Weiden
  • große Mengen Kraftfutter
  • minderwertige Öle
  • unausgewogene Mineralisierung

Gerade Pferde mit empfindlichem Stoffwechsel reagieren häufig positiv auf eine insgesamt entzündungsärmere Fütterung.


Zink, Bierhefe & Omega-3 erklärt

Rund um Sommerekzem werden häufig bestimmte Nährstoffe empfohlen. Besonders oft genannt werden Zink, Bierhefe und Omega-3-Fettsäuren.

Doch was steckt tatsächlich dahinter?

Zink

Zink spielt eine wichtige Rolle für:

  • Hautregeneration,
  • Immunsystem
  • und Wundheilung.

Ein Zinkmangel kann sich unter anderem durch:

  • schlechte Haut,
  • stumpfes Fell
  • oder verzögerte Heilung bemerkbar machen.

Gerade bei Hautproblemen achten viele Pferdehalter deshalb auf eine ausreichende Versorgung.

Bierhefe

Bierhefe enthält:

  • B-Vitamine,
  • Aminosäuren
  • und wertvolle Hefekulturen.

Sie wird häufig zur Unterstützung von:

  • Haut,
  • Fell,
  • Darmflora
  • und Stoffwechsel eingesetzt.

Ein gesunder Darm kann wiederum wichtig für ein stabiles Immunsystem sein.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren gelten als besonders interessant bei entzündlichen Prozessen.

Sie können:

  • entzündliche Reaktionen beeinflussen,
  • Haut und Fell unterstützen
  • und das allgemeine Hautmilieu positiv beeinflussen.

Besonders hochwertige Quellen sind:

  • Leinöl,
  • Leinsamen
  • oder spezielle Omega-3-Produkte für Pferde.

Wichtig ist jedoch:
Nahrungsergänzungen ersetzen kein konsequentes Sommerekzem-Management.


Ekzemerdecke: sinnvoll oder nicht?

Für viele Pferde gehört die Ekzemerdecke zu den wichtigsten Maßnahmen überhaupt.

Der große Vorteil:
Die Decke verhindert, dass Kriebelmücken überhaupt an empfindliche Hautbereiche gelangen.

Besonders geschützt werden:

  • Mähnenkamm,
  • Schweifansatz,
  • Bauchnaht
  • und teilweise Hals und Kopf.

Wann sollte die Decke getragen werden?

Idealerweise:

  • bereits vor den ersten Symptomen,
  • früh im Frühjahr
  • und möglichst konsequent während der gesamten Saison.

Viele Besitzer warten zu lange. Hat das Pferd bereits starken Juckreiz entwickelt, ist die Haut oft schon deutlich gereizt.

Wichtig bei Ekzemerdecken:

  • gute Passform
  • atmungsaktives Material
  • tägliche Kontrolle
  • regelmäßige Reinigung
  • keine Scheuerstellen

Eine schlecht sitzende Decke kann zusätzliche Probleme verursachen.


Wann zum Tierarzt?

Leichte Fälle lassen sich oft gut managen. Trotzdem sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden, wenn:

  • offene oder entzündete Wunden entstehen,
  • das Pferd starken Leidensdruck zeigt,
  • die Haut massiv verändert ist,
  • Infektionen auftreten
  • oder andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen.

Auch bei plötzlich starkem Juckreiz sollte geprüft werden, ob tatsächlich Sommerekzem vorliegt oder möglicherweise:

  • Milben,
  • Pilzinfektionen,
  • Parasiten
  • oder andere Hauterkrankungen beteiligt sind.

In schweren Fällen können Tierärzte zusätzliche therapeutische Maßnahmen empfehlen.


Praxisbeispiel: Hrimnir – Sommerekzem beim importierten Islandpferd

Der 6-jährige Isländer-Wallach Hrimnir, ein typischer Isländer, wurde aus Island nach Europa importiert und zeigte bereits in der ersten Insektensaison deutliche Reaktionen auf heimische Stechmücken. Vor der gezielten Anpassung der Haltung entwickelte er klassisches Sommerekzem mit starkem Juckreiz, Scheuern an Mähne, Schweifrübe und Bauchnaht sowie offenen Hautstellen durch intensives Kratzen. Da Islandpferde ursprünglich kaum mit der hohen Insektenbelastung in Mitteleuropa konfrontiert sind, reagiert das Immunsystem vieler Tiere überempfindlich auf Mückenstiche, was die Symptome zusätzlich verstärken kann.

Nach der Diagnose wurde das Management von Hrimnir konsequent angepasst, um die Haut zu entlasten und die allergische Reaktion zu reduzieren. Ein zentraler Bestandteil der Behandlung war der konsequente Einsatz einer Ekzemdecke sowie einer Fliegenhaube, um den direkten Kontakt mit Insekten deutlich zu minimieren. Zusätzlich wurde die Fütterung auf eine gezielte Unterstützung der Hautfunktion umgestellt, insbesondere mit einer angepassten Mineralisierung mit Fokus auf Zink, Kupfer und Biotin zur Stabilisierung der Hautbarriere und Förderung der Regeneration. Ergänzend wurde auf eine entzündungsarme, rohfaserreiche Fütterung geachtet, um den Stoffwechsel nicht zusätzlich zu belasten.

Im Vergleich zu vorher zeigte Hrimnir nach der Umstellung deutlich weniger Juckreiz, eine reduzierte Scheuerneigung und eine sichtbar verbesserte Hautsituation. Während er zuvor stark auf Insektenstiche reagierte, konnte er durch die Kombination aus konsequentem Insektenschutz, gezielter Fütterung und angepasster Mineralversorgung wieder entspannter im Sommer gehalten werden.

Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie wichtig beim Sommerekzem beim Pferd eine Kombination aus mechanischem Schutz, optimierter Fütterung und gezielter Hautunterstützung ist, insbesondere bei importierten Isländerpferden mit erhöhter Sensibilität gegenüber europäischen Insekten.

Da die Probleme des Sommerekzems individuell unterschiedlich sein können, ersetzt unser Ratgeber keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung.


Häufige Fragen zum Sommerekzem

Was hilft wirklich gegen Sommerekzem beim Pferd?

Am besten funktioniert meist eine Kombination aus:

  • konsequentem Insektenschutz,
  • Ekzemerdecke,
  • angepasster Haltung,
  • früher Vorbeugung
  • und unterstützender Fütterung.

Wichtig ist vor allem, bereits vor Beginn der Mückensaison zu handeln.


Warum scheuert sich mein Pferd an Mähne und Schweif?

Starker Juckreiz an Mähne und Schweif ist typisch für Sommerekzem. Ursache ist meist eine allergische Reaktion auf den Speichel von Kriebelmücken. Durch das Scheuern entstehen oft kahle Stellen und gereizte Haut.


Welche Fütterung hilft bei Sommerekzem?

Viele Pferde profitieren von:

  • zuckerarmer Fütterung,
  • hochwertigem Heu,
  • guter Mineralisierung
  • und Omega-3-Fettsäuren.

Besonders wichtig sind Haut- und Stoffwechselunterstützung.


Wann beginnt Sommerekzem?

Die ersten Symptome treten häufig im Frühjahr auf, sobald Kriebelmücken aktiv werden. Viele Pferde zeigen Beschwerden zwischen März und Oktober.


Welche Pferde sind besonders betroffen?

Besonders häufig betroffen sind:

  • Islandpferde,
  • Friesen,
  • Haflinger
  • und robuste Ponyrassen.

Auch genetische Veranlagung spielt eine wichtige Rolle.


Hilft Zink oder Bierhefe wirklich?

Zink und Bierhefe können Haut, Stoffwechsel und Immunsystem unterstützen. Sie ersetzen jedoch keine ganzheitliche Behandlung. Besonders sinnvoll sind sie als Teil eines umfassenden Sommerekzem-Managements.


Fazit

Sommerekzem beim Pferd ist für viele Tiere und Besitzer eine große Belastung – vor allem während der warmen Monate. Entscheidend ist jedoch: Je früher gehandelt wird, desto besser lassen sich Symptome häufig kontrollieren und schwere Hautschäden vermeiden.

Besonders wichtig sind:

  • konsequenter Insektenschutz,
  • frühzeitiges Management,
  • eine passende Ekzemerdecke,
  • sowie eine bedarfsgerechte und entzündungsarme Fütterung.

Auch wenn es keine einzelne Wunderlösung gibt, profitieren viele Pferde deutlich von einer Kombination aus guter Haltung, Hautunterstützung und sinnvoller Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Zink und Omega-3-Fettsäuren.

Wer die ersten Anzeichen früh erkennt und gezielt handelt, kann seinem Pferd die Sommerekzem-Saison oft deutlich erleichtern.


Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.

Qualifikationen:

  • Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
  • Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde

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