Zahnprobleme beim Pferd: Ursachen, Symptome & Behandlung
Zahnprobleme beim Pferd – Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung
Zahnprobleme beim Pferd – das Wichtigste auf einen Blick
Gesunde Zähne sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Pferde ihr Futter optimal zerkleinern und die enthaltenen Nährstoffe verwerten können. Bereits kleine Veränderungen am Gebiss können dazu führen, dass das Kauen schmerzhaft wird. Viele Pferde zeigen Zahnprobleme deshalb zunächst nur durch unscheinbare Anzeichen wie langsameres Fressen, Futterwickel oder Schwierigkeiten beim Reiten.
Da Pferdezähne ein Leben lang nachschieben und sich durch das Kauen kontinuierlich abnutzen, können sich mit der Zeit scharfe Zahnkanten, Haken oder andere Fehlstellungen entwickeln. Ohne regelmäßige Zahnkontrollen bleiben diese Veränderungen häufig lange unbemerkt und können erhebliche Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit haben.
In diesem Ratgeber erfährst Du, woran Du Zahnprobleme beim Pferd erkennst, welche Ursachen dahinterstecken, wie die Behandlung abläuft und warum eine regelmäßige Zahnkontrolle so wichtig ist.
Was sind Zahnprobleme beim Pferd?
Unter Zahnproblemen versteht man alle Veränderungen der Zähne oder des Gebisses, die das Kauen, die Futteraufnahme oder die Funktion des Kiefers beeinträchtigen. Sie können sowohl einzelne Zähne als auch das gesamte Gebiss betreffen und in jedem Alter auftreten.
Im Gegensatz zum Menschen besitzen Pferde sogenannte hypsodonte Zähne. Diese haben besonders lange Zahnkronen, die im Laufe des Lebens langsam aus dem Kiefer nachgeschoben werden. Durch die natürliche Kaubewegung nutzen sich die Zähne kontinuierlich ab. Damit dieses System funktioniert, müssen Ober- und Unterkiefer gleichmäßig aufeinander treffen.
Schon kleine Fehlstellungen können dazu führen, dass einzelne Bereiche nicht ausreichend abgerieben werden. Dadurch entstehen scharfe Zahnkanten, Haken oder andere Zahnfehlstellungen, die Schmerzen verursachen und die normale Kaubewegung einschränken.
Neben natürlichen Abnutzungsprozessen können auch Zahnfrakturen, Entzündungen, lockere Zähne oder altersbedingte Veränderungen Zahnprobleme verursachen. Besonders ältere Pferde leiden häufiger unter stark abgenutzten oder fehlenden Zähnen, während bei jungen Pferden der Zahnwechsel eine häufige Ursache für Beschwerden ist.
Warum sind gesunde Zähne für Pferde so wichtig?
Pferde verbringen täglich viele Stunden mit der Aufnahme und dem Kauen von Raufutter. Während dieser Zeit wird das Futter sorgfältig zerkleinert und mit Speichel vermischt. Erst dadurch kann die Verdauung im Magen-Darm-Trakt optimal funktionieren.
Kann ein Pferd aufgrund von Zahnschmerzen nicht mehr richtig kauen, gelangt das Futter in größeren Stücken in den Verdauungstrakt. Dadurch kann die Verwertung wichtiger Nährstoffe beeinträchtigt werden. Gleichzeitig steigt das Risiko für Verdauungsprobleme, Gewichtsverlust oder Schlundverstopfungen.
Gesunde Zähne sind außerdem für die Leistungsbereitschaft entscheidend. Schmerzen im Maul können dazu führen, dass sich Pferde gegen das Gebiss wehren, den Kopf verwerfen oder Anlehnungsprobleme entwickeln. Nicht selten werden solche Auffälligkeiten zunächst als Ausbildungsproblem interpretiert, obwohl die Ursache im Gebiss liegt.
Welche Ursachen haben Zahnprobleme beim Pferd?
Zahnprobleme entstehen meist nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Natürliche Abnutzung
Da Pferdezähne ständig wachsen beziehungsweise nachgeschoben werden, unterliegen sie einer dauerhaften Abnutzung. Ist diese nicht gleichmäßig, entstehen scharfe Zahnkanten oder Haken, die die Schleimhaut verletzen können.
Fehlstellungen des Gebisses
Stehen einzelne Zähne nicht korrekt gegenüber, nutzen sie sich unterschiedlich stark ab. Dadurch können unter anderem Haken, Wellengebisse oder Stufengebisse entstehen.
Unzureichende Zahnkontrollen
Viele Zahnprobleme entwickeln sich schleichend. Werden die Zähne nicht regelmäßig kontrolliert und behandelt, können kleine Veränderungen mit der Zeit erhebliche Beschwerden verursachen.
Zahnwechsel
Junge Pferde wechseln zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr ihre Milchzähne gegen bleibende Zähne. Lösen sich Milchzahnkappen nicht vollständig, können Schmerzen, Entzündungen oder Fehlstellungen entstehen.
Verletzungen
Tritte, Stürze oder Unfälle können zu Zahnfrakturen oder Schäden am Kiefer führen. Solche Verletzungen sollten möglichst zeitnah untersucht werden.
Altersbedingte Veränderungen
Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahnsubstanz kontinuierlich ab. Viele Senioren leiden unter lockeren Zähnen, Zahnverlust oder einer eingeschränkten Kaufunktion. Dadurch können sie Heu häufig nicht mehr ausreichend zerkleinern und benötigen angepasstes Futter.
Welche Pferde sind besonders häufig betroffen?
Grundsätzlich können Zahnprobleme jedes Pferd treffen. Das Risiko steigt jedoch in bestimmten Lebensphasen deutlich an.
Junge Pferde
Während des Zahnwechsels treten häufiger Probleme durch lockere Milchzahnkappen oder durchbrechende bleibende Zähne auf.
Sportpferde
Bei Reitpferden fallen Zahnprobleme häufig durch Veränderungen in der Anlehnung oder Widersetzlichkeiten unter dem Sattel auf.
Senioren
Ältere Pferde entwickeln häufiger stark abgenutzte, lockere oder fehlende Zähne. Dadurch wird die Futteraufnahme zunehmend erschwert.
Pferde ohne regelmäßige Zahnkontrollen
Werden die Zähne über mehrere Jahre nicht untersucht, können sich selbst kleinere Fehlstellungen deutlich verschlimmern.

Wie häufig sind Zahnprobleme beim Pferd?
Zahnprobleme gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Veränderungen beim Pferd. Viele Studien zeigen, dass ein großer Teil aller erwachsenen Pferde behandlungsbedürftige Veränderungen an den Backenzähnen aufweist. Besonders scharfe Zahnkanten, Haken oder andere Fehlstellungen werden häufig erst bei einer routinemäßigen Zahnkontrolle entdeckt, da Pferde Schmerzen oft lange verbergen.
Aus diesem Grund empfehlen Tierärzte und spezialisierte Pferdezahnärzte regelmäßige Gebisskontrollen – auch dann, wenn das Pferd noch keine auffälligen Symptome zeigt. Früh erkannte Veränderungen lassen sich in vielen Fällen mit vergleichsweise geringem Aufwand korrigieren und helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden.
Welche Symptome können auf Zahnprobleme beim Pferd hinweisen?
Pferde sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Deshalb entwickeln sich Zahnprobleme häufig über Monate oder sogar Jahre, bevor sie deutlich auffallen. Viele Tiere zeigen zunächst nur kleine Veränderungen im Fress- oder Reitverhalten, die leicht übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.
Je früher Zahnprobleme erkannt werden, desto einfacher lassen sie sich in der Regel behandeln. Deshalb lohnt es sich, auch scheinbar unauffällige Veränderungen ernst zu nehmen.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
langsames oder erschwertes Kauen
Futter fällt beim Kauen aus dem Maul (Futterwickel oder Quidding)
vermehrter Speichelfluss
unangenehmer Maulgeruch
Gewichtsverlust trotz normaler Fütterung
längere Fresszeiten
- Verletzungen der Maulschleimhaut (insb. durch scharfe Zahnkanten)
Schwierigkeiten beim Kauen von Heu
schlecht zerkleinertes Futter im Kot
Kopfschütteln während des Reitens
Probleme mit der Anlehnung
Widerstand gegen das Gebiss
häufiges Zungenstrecken
Schwellungen im Gesichtsbereich
Nasenausfluss, insbesondere einseitig
reduzierte Leistungsbereitschaft
Nicht jedes Symptom muss zwangsläufig auf Zahnprobleme hindeuten. Treten jedoch mehrere Anzeichen gleichzeitig auf oder verschlechtern sie sich über einen längeren Zeitraum, sollte das Gebiss von einem Tierarzt oder qualifizierten Pferdezahnarzt untersucht werden.
Welche Zahnprobleme gibt es beim Pferd?
Pferde können an einer Vielzahl unterschiedlicher Zahnveränderungen leiden. Manche entstehen durch den natürlichen Abrieb der Zähne, andere durch Verletzungen, Fehlstellungen oder altersbedingte Veränderungen.
Scharfe Zahnkanten
Scharfe Zahnkanten gehören zu den häufigsten Zahnproblemen beim Pferd. Sie entstehen, weil sich Ober- und Unterkiefer nicht vollständig überlappen. Dadurch werden die äußeren Bereiche der oberen Backenzähne und die inneren Bereiche der unteren Backenzähne weniger stark abgerieben.
Mit der Zeit entstehen scharfe Kanten, die die Schleimhaut der Backen oder die Zunge verletzen können. Betroffene Pferde kauen häufig vorsichtiger, zeigen Schmerzen beim Reiten oder entwickeln kleine Verletzungen im Maul.
Eine regelmäßige Zahnkontrolle und das fachgerechte Abrunden der Zahnkanten können helfen, Beschwerden zu vermeiden.
Haken
Haken entstehen, wenn einzelne Zähne nicht ausreichend abgerieben werden und dadurch übermäßig lang wachsen. Besonders häufig treten sie am ersten oder letzten Backenzahn auf.
Je größer die Haken werden, desto stärker schränken sie die natürliche Kaubewegung des Unterkiefers ein. Dadurch verschlechtert sich nicht nur die Futterzerkleinerung, sondern auch die gleichmäßige Abnutzung der übrigen Zähne.
Wellengebiss
Beim Wellengebiss sind die Kauflächen der Backenzähne wellenförmig unterschiedlich hoch. Dadurch können einzelne Zähne kaum noch belastet werden, während andere übermäßig beansprucht werden.
Ein ausgeprägtes Wellengebiss erschwert die Futteraufnahme erheblich und sollte möglichst früh behandelt werden.
Stufengebiss
Beim Stufengebiss ragen einzelne Zähne deutlich über die übrigen Zahnreihen hinaus. Häufig entsteht dies, wenn der gegenüberliegende Zahn fehlt und deshalb keine natürliche Abnutzung mehr stattfindet.
Die betroffenen Zähne wachsen immer weiter heraus und behindern zunehmend die normale Kaubewegung.
Scherengebiss
Beim Scherengebiss stehen Ober- und Unterkiefer in einem sehr steilen Winkel zueinander. Dadurch findet kaum noch eine ausreichende Mahlbewegung statt.
Diese Fehlstellung führt häufig zu einer ungleichmäßigen Zahnabnutzung und kann die Futterverwertung deutlich verschlechtern.
Treppengebiss
Ein Treppengebiss entsteht meist infolge mehrerer fehlender oder unterschiedlich stark abgenutzter Zähne. Die Kaufläche wirkt stufenförmig und verhindert eine gleichmäßige Belastung des gesamten Gebisses.
Diastasen
Als Diastasen bezeichnet man unnatürlich vergrößerte Zwischenräume zwischen den Backenzähnen.
In diesen Zwischenräumen bleiben häufig Futterreste hängen, die zu Entzündungen des Zahnfleisches oder schmerzhaften Parodontitis-Erkrankungen führen können. Pferde mit Diastasen zeigen häufig Mundgeruch, Schmerzen beim Kauen oder Gewichtsverlust.
Zahnfrakturen
Zahnfrakturen entstehen häufig durch Unfälle, Tritte oder harte Fremdkörper im Futter.
Je nach Ausmaß können sie starke Schmerzen verursachen und den Zahnnerv freilegen. Betroffene Zähne müssen deshalb möglichst zeitnah tierärztlich untersucht werden.
Locker sitzende oder fehlende Zähne
Vor allem ältere Pferde verlieren mit zunehmendem Alter Zahnsubstanz. Dadurch können einzelne Zähne locker werden oder ganz ausfallen.
Fehlende Zähne verändern die Belastung des gesamten Gebisses und begünstigen weitere Zahnfehlstellungen.
Wolfszähne
Wolfszähne sind kleine, meist vor den Backenzähnen sitzende Zähne, die nicht jedes Pferd besitzt.
Probleme entstehen insbesondere dann, wenn sie mit dem Gebiss in Kontakt kommen und Schmerzen verursachen. In solchen Fällen kann eine Entfernung sinnvoll sein.
Milchzahnkappen
Während des Zahnwechsels lösen sich die Milchzähne normalerweise von selbst.
Bleiben sogenannte Milchzahnkappen jedoch auf den bleibenden Zähnen sitzen, können Schmerzen, Entzündungen oder Fehlstellungen entstehen. Deshalb sollten junge Pferde während des Zahnwechsels regelmäßig kontrolliert werden.
Zahnwurzelentzündungen
Entzündungen der Zahnwurzel zählen zu den schmerzhafteren Zahnerkrankungen.
Typische Anzeichen können einseitiger Nasenausfluss, Schwellungen im Gesichtsbereich, Mundgeruch oder Probleme beim Fressen sein. Je früher eine Behandlung erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen.
Wie werden Zahnprobleme beim Pferd diagnostiziert?
Eine sichere Diagnose ist nur durch eine gründliche Untersuchung des Gebisses möglich. Da sich viele Veränderungen tief im Maul befinden, lassen sie sich ohne spezielle Hilfsmittel häufig nicht erkennen.
Die Untersuchung beginnt mit einer ausführlichen Vorberichtserhebung. Dabei werden unter anderem Fressverhalten, Leistungsabfall oder Veränderungen beim Reiten berücksichtigt.
Anschließend erfolgt die klinische Untersuchung des Mauls. Mithilfe eines Maulgatters können sämtliche Zähne systematisch beurteilt werden. Dabei achtet der Tierarzt oder Pferdezahnarzt unter anderem auf:
scharfe Zahnkanten
Haken
Wellen- oder Stufengebisse
lockere Zähne
Zahnfrakturen
Zahnfleischentzündungen
Futtereinlagerungen
Schleimhautverletzungen
Bei Bedarf kommen weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Dazu gehören insbesondere Röntgenaufnahmen, mit denen sich Veränderungen der Zahnwurzeln, versteckte Entzündungen oder Frakturen erkennen lassen. In speziellen Fällen können zusätzlich eine Endoskopie der Maulhöhle oder moderne bildgebende Verfahren wie die Computertomographie sinnvoll sein.
Da viele Zahnprobleme im Anfangsstadium keine deutlichen Symptome verursachen, empfehlen Experten regelmäßige Zahnkontrollen – auch bei unauffälligen Pferden. So lassen sich Veränderungen häufig erkennen und behandeln, bevor sie zu größeren Beschwerden führen.
Wie werden Zahnprobleme beim Pferd behandelt?
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache und dem Schweregrad der Zahnveränderungen. Während sich kleinere Fehlstellungen häufig im Rahmen einer routinemäßigen Zahnbehandlung korrigieren lassen, erfordern Zahnfrakturen, Entzündungen oder Erkrankungen der Zahnwurzel oft eine umfangreichere tierärztliche Behandlung.
Ziel jeder Behandlung ist es, Schmerzen zu lindern, die natürliche Kaubewegung wiederherzustellen und Folgeschäden am Gebiss zu vermeiden.
Zahnkorrektur
Die häufigste Behandlung bei Pferden ist die fachgerechte Zahnkorrektur. Dabei werden scharfe Zahnkanten, Haken oder andere Fehlstellungen vorsichtig mit speziellen Handraspeln oder elektrischen Instrumenten bearbeitet.
Wichtig ist, dass dabei nur so viel Zahnsubstanz entfernt wird, wie tatsächlich notwendig ist. Eine übermäßige Kürzung der Zähne kann die Funktion des Gebisses beeinträchtigen und sollte vermieden werden.
Gerade bei ausgeprägten Fehlstellungen erfolgt die Korrektur häufig in mehreren Behandlungsschritten. Dadurch kann sich das Gebiss langsam an die neue Belastung anpassen.
Entfernung von Wolfszähnen
Verursachen Wolfszähne Schmerzen oder stören sie die Einwirkung des Gebisses, kann eine Entfernung sinnvoll sein. Der Eingriff wird in der Regel unter Sedierung durchgeführt und gehört zu den häufigsten zahnmedizinischen Maßnahmen beim Pferd.
Behandlung von Zahnfrakturen
Nicht jede Zahnfraktur muss sofort gezogen werden. Kleine Absplitterungen bleiben teilweise ohne Folgen, während größere Frakturen den Zahnnerv freilegen und starke Schmerzen verursachen können.
Abhängig vom Befund kann eine Glättung, eine spezielle Behandlung des Zahnes oder die Entfernung erforderlich sein.
Behandlung von Zahnwurzelentzündungen
Entzündungen der Zahnwurzel gehören zu den schwerwiegenderen Erkrankungen des Pferdegebisses. Häufig müssen betroffene Zähne entfernt werden, um die Entzündung dauerhaft zu beseitigen.
Begleitend können entzündungshemmende Medikamente oder Antibiotika notwendig sein. Welche Therapie infrage kommt, entscheidet der behandelnde Tierarzt anhand des individuellen Befundes.
Behandlung von Diastasen
Bleiben Futterreste dauerhaft zwischen den Backenzähnen hängen, müssen diese zunächst entfernt werden. Anschließend wird geprüft, ob die Zahnstellung korrigiert werden kann, um ein erneutes Festsetzen des Futters möglichst zu verhindern.
Nachsorge
Nach einer Zahnbehandlung benötigen viele Pferde nur eine kurze Erholungsphase. Je nach Umfang des Eingriffs kann es sinnvoll sein, das Pferd für einige Stunden oder einen Tag nicht zu reiten.
Nach größeren Zahnbehandlungen oder Zahnextraktionen empfiehlt der Tierarzt häufig vorübergehend weicheres Futter sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen.
Was kannst Du selbst bei Zahnproblemen Deines Pferdes tun?
Eine Zahnbehandlung kann nur durch einen Tierarzt oder qualifizierten Pferdezahnarzt erfolgen. Dennoch kannst Du als Pferdehalter viel dazu beitragen, Zahnprobleme frühzeitig zu erkennen und Dein Pferd bestmöglich zu unterstützen.
Achte regelmäßig auf Veränderungen beim Fressverhalten. Frisst Dein Pferd langsamer als gewohnt, lässt Futter aus dem Maul fallen oder bevorzugt plötzlich weiches Futter, kann dies ein erster Hinweis auf Schmerzen im Maul sein.
Auch Veränderungen beim Reiten solltest Du ernst nehmen. Vermehrtes Kopfschlagen, Probleme mit der Anlehnung, Widerstand gegen das Gebiss oder unerklärliche Leistungsabfälle können ebenfalls auf Zahnprobleme hindeuten.
Kontrolliere außerdem regelmäßig:
das Körpergewicht
die Futteraufnahme
den Zustand der Kauballen im Stall
ungewöhnlichen Maulgeruch
Schwellungen im Kopfbereich
Nasenausfluss
Je früher Veränderungen erkannt werden, desto besser lassen sich größere Schäden häufig vermeiden.
Welche Rolle spielt die Fütterung bei Zahnproblemen?
Eine angepasste Fütterung spielt besonders bei Pferden mit Zahnproblemen oder nach einer Zahnbehandlung eine wichtige Rolle.
Kann ein Pferd Heu aufgrund schmerzhafter oder fehlender Zähne nicht mehr ausreichend zerkleinern, besteht die Gefahr einer unzureichenden Energie- und Nährstoffaufnahme. Gleichzeitig steigt das Risiko für Schlundverstopfungen oder Verdauungsprobleme.
In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, schwer kaubares Raufutter teilweise durch eingeweichte Heucobs oder andere leicht aufnehmbare Raufutteralternativen zu ersetzen. Auch Mash oder gut eingeweichte Faserprodukte können insbesondere älteren Pferden das Fressen erleichtern.
Wichtig ist jedoch, dass eine Futterumstellung die Ursache der Zahnprobleme nicht beseitigt. Sie dient lediglich dazu, die Futteraufnahme zu erleichtern und den Ernährungszustand des Pferdes zu unterstützen.
Nach einer Zahnbehandlung empfiehlt der Tierarzt gegebenenfalls für einige Tage weiches Futter, bis sich das Pferd wieder an die normale Kaubewegung gewöhnt hat.
Können Ergänzungsfuttermittel bei Zahnproblemen sinnvoll sein?
Ergänzungsfuttermittel können die allgemeine Versorgung des Pferdes unterstützen, ersetzen jedoch keine zahnmedizinische Behandlung.
Insbesondere ältere Pferde oder Tiere mit eingeschränkter Futteraufnahme profitieren häufig von einer bedarfsgerechten Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Kann aufgrund der Zahnprobleme weniger Raufutter aufgenommen werden, sollte gemeinsam mit dem Tierarzt überprüft werden, ob die Nährstoffversorgung weiterhin gewährleistet ist.
Auch hochwertige Mash-Produkte oder leicht verdauliche Faserfuttermittel können helfen, den Energiebedarf zu decken und den Verdauungstrakt zu entlasten.
Welche Folgen können unbehandelte Zahnprobleme haben?
Unbehandelte Zahnprobleme betreffen nicht nur das Maul, sondern können sich auf den gesamten Organismus auswirken.
Kann das Pferd sein Futter nicht mehr ausreichend zerkleinern, verschlechtert sich die Verwertung der Nährstoffe. Viele Pferde verlieren nach und nach an Gewicht, obwohl sie scheinbar ausreichend Futter erhalten.
Weitere mögliche Folgen sind:
chronische Schmerzen
Schleimhautverletzungen
Zahnfleischentzündungen
Zahnwurzelentzündungen
Schlundverstopfungen
Verdauungsstörungen
Koliken
Muskelabbau
Leistungsabfall
Verhaltensänderungen
Probleme mit der Anlehnung
verringerte Lebensqualität
Werden Zahnprobleme frühzeitig erkannt und behandelt, lassen sich viele dieser Folgeschäden vermeiden.
Wie kann man Zahnproblemen beim Pferd vorbeugen?
Nicht jedes Zahnproblem lässt sich verhindern. Durch regelmäßige Kontrollen können viele Veränderungen jedoch bereits im Anfangsstadium erkannt und behandelt werden.
Zu einer guten Vorsorge gehören:
regelmäßige Zahnkontrollen alle 6 - 12 Monate durch einen Tierarzt oder qualifizierten Pferdezahnarzt
Beobachtung des Fressverhaltens
Kontrolle des Körpergewichts
ausgewogene, strukturreiche Fütterung
ausreichend hochwertiges Raufutter
frühzeitige Abklärung von Leistungsabfällen oder Anlehnungsproblemen
Wie häufig eine Zahnkontrolle erforderlich ist, hängt vom Alter und den individuellen Voraussetzungen des Pferdes ab.
Junge Pferde während des Zahnwechsels benötigen häufig engmaschigere Kontrollen. Erwachsene Pferde sollten in der Regel mindestens einmal jährlich untersucht werden. Bei Senioren oder Pferden mit bekannten Zahnproblemen können kürzere Kontrollintervalle sinnvoll sein.
Wann solltest Du einen Tierarzt oder Pferdezahnarzt kontaktieren?
Nicht jedes ungewöhnliche Verhalten bedeutet sofort ein Zahnproblem. Treten jedoch mehrere der typischen Symptome auf oder verschlechtern sich diese über mehrere Tage, sollte das Gebiss untersucht werden.
Eine zeitnahe Untersuchung ist besonders ratsam, wenn Dein Pferd:
Futter aus dem Maul fallen lässt
plötzlich schlechter frisst
deutlich an Gewicht verliert
starken Maulgeruch entwickelt
Schwellungen im Gesichtsbereich zeigt
einseitigen Nasenausfluss hat
sich massiv gegen das Gebiss wehrt
nach einer Verletzung im Kopfbereich Auffälligkeiten zeigt
Je früher die Ursache erkannt wird, desto schonender und erfolgreicher kann die Behandlung häufig durchgeführt werden.
Zahnprobleme beim alten Pferd
Mit zunehmendem Alter verändern sich die Zähne eines Pferdes erheblich. Da Pferdezähne ein Leben lang nachgeschoben und durch das Kauen kontinuierlich abgenutzt werden, steht im Alter immer weniger Zahnsubstanz zur Verfügung. Dadurch können einzelne Zähne locker werden, ausfallen oder ihre Funktion nicht mehr vollständig erfüllen.
Viele ältere Pferde haben deshalb Schwierigkeiten, langstieliges Heu ausreichend zu zerkleinern. Typische Anzeichen sind Futterwickel, verlängerte Fresszeiten oder Gewichtsverlust trotz guter Fütterung.
Damit Seniorpferde ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt werden, kann eine Anpassung der Fütterung notwendig sein. Eingeweichte Heucobs, strukturreiche Fasermischungen oder Mash können die Futteraufnahme erleichtern und helfen, den Ernährungszustand zu erhalten.
Gerade bei älteren Pferden sind regelmäßige Zahnkontrollen besonders wichtig. Selbst kleinere Korrekturen können die Kaufunktion häufig deutlich verbessern und die Lebensqualität steigern.
Zahnwechsel beim jungen Pferd
Der Zahnwechsel beginnt meist im Alter von etwa zweieinhalb Jahren und ist in der Regel zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr abgeschlossen.
Während dieser Zeit werden die Milchzähne nach und nach durch bleibende Zähne ersetzt. Nicht immer verläuft dieser Prozess problemlos. Locker sitzende Milchzahnkappen können Schmerzen verursachen oder den Durchbruch der bleibenden Zähne behindern.
Mögliche Anzeichen während des Zahnwechsels sind:
erschwertes Kauen
vermehrter Speichelfluss
zeitweilige Fressunlust
Probleme beim Reiten
Widerstand gegen das Gebiss
leicht geschwollene Kieferregion
Regelmäßige Zahnkontrollen helfen dabei, Probleme frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln.
Was kostet eine Zahnbehandlung beim Pferd?
Die Kosten für eine Zahnbehandlung hängen vom Umfang der Untersuchung und den notwendigen Maßnahmen ab.
Eine routinemäßige Zahnkontrolle mit Korrektur ist in der Regel deutlich günstiger als die Behandlung fortgeschrittener Zahnprobleme oder die Entfernung eines Zahnes.
Zusätzliche Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, Sedierung oder chirurgische Eingriffe können die Kosten erhöhen.
Auch wenn regelmäßige Zahnkontrollen zunächst mit Aufwand verbunden sind, helfen sie häufig dabei, größere und kostenintensivere Behandlungen zu vermeiden.
Häufige Fragen zu Zahnproblemen beim Pferd
Wie oft sollten Pferdezähne kontrolliert werden?
Bei den meisten erwachsenen Pferden empfiehlt sich mindestens eine Zahnkontrolle pro Jahr. Junge Pferde während des Zahnwechsels sowie ältere Pferde oder Tiere mit bekannten Zahnproblemen sollten häufig in kürzeren Abständen untersucht werden. Der Tierarzt oder Pferdezahnarzt kann das passende Kontrollintervall individuell festlegen.
Woran erkenne ich Zahnprobleme beim Pferd?
Typische Anzeichen sind langsames Kauen, Futterwickel, Gewichtsverlust, vermehrter Speichelfluss, Maulgeruch, Schwierigkeiten mit der Anlehnung oder ein plötzlicher Leistungsabfall. Da viele Pferde Schmerzen lange verbergen, bleiben Zahnprobleme häufig zunächst unbemerkt.
Warum verliert mein Pferd Futter aus dem Maul?
Fallen beim Kauen kleine Heu- oder Grasbällchen aus dem Maul, spricht man von sogenannten Futterwickeln oder Quidding. Häufige Ursachen sind schmerzhafte Zahnkanten, Haken, lockere Zähne oder andere Erkrankungen des Gebisses. Das Symptom sollte tierärztlich abgeklärt werden.
Können Zahnprobleme Koliken verursachen?
Ja. Kann das Pferd sein Futter nicht ausreichend zerkleinern, gelangen größere Futterbestandteile in den Verdauungstrakt. Dadurch können Verdauungsstörungen entstehen, die das Risiko für eine Schlundverstopfung oder bestimmte Formen von Koliken erhöhen.
Können Zahnprobleme zu Gewichtsverlust führen?
Ja. Schmerzen beim Kauen führen häufig dazu, dass Pferde weniger fressen oder das Futter nicht ausreichend zerkleinern. Dadurch sinkt die Nährstoffaufnahme und viele Tiere verlieren trotz unveränderter Fütterung an Gewicht.
Warum riecht mein Pferd aus dem Maul?
Unangenehmer Maulgeruch kann auf Futterreste zwischen den Zähnen, Zahnfleischentzündungen, Diastasen oder Zahnwurzelentzündungen hinweisen. Hält der Geruch länger an oder treten weitere Symptome auf, sollte das Pferd untersucht werden.
Können Zahnprobleme die Leistung beeinträchtigen?
Ja. Schmerzen im Maul können dazu führen, dass sich Pferde gegen das Gebiss wehren, den Kopf hochwerfen oder Schwierigkeiten mit der Anlehnung entwickeln. Nicht selten steckt hinter einem vermeintlichen Ausbildungsproblem eine schmerzhafte Veränderung des Gebisses.
Sind Zahnprobleme beim Pferd ein Notfall?
Die meisten Zahnprobleme entwickeln sich langsam und stellen keinen akuten Notfall dar. Zeigt das Pferd jedoch starke Schmerzen, frisst kaum noch, hat deutliche Schwellungen im Gesichtsbereich oder blutende Verletzungen im Maul, sollte zeitnah ein Tierarzt hinzugezogen werden.
Kann ich Zahnprobleme selbst behandeln?
Nein. Zahnkorrekturen sollten ausschließlich von einem Tierarzt oder entsprechend qualifizierten Pferdezahnarzt durchgeführt werden. Eigenständige Behandlungen können das Gebiss dauerhaft schädigen.
Welche Pferde sind besonders häufig betroffen?
Grundsätzlich können Zahnprobleme in jedem Alter auftreten. Besonders häufig betroffen sind jedoch junge Pferde während des Zahnwechsels, ältere Pferde mit altersbedingter Zahnabnutzung sowie Pferde, deren Zähne über längere Zeit nicht kontrolliert wurden.
Welche Rolle spielt die Fütterung?
Eine strukturreiche und ausgewogene Fütterung unterstützt die natürliche Kaufunktion. Bestehen bereits Zahnprobleme, kann die Umstellung auf leichter aufzunehmendes Futter wie eingeweichte Heucobs oder Mash sinnvoll sein. Die eigentliche Ursache der Zahnprobleme wird dadurch jedoch nicht beseitigt.
Können sich Zahnprobleme von selbst bessern?
In den meisten Fällen nicht. Scharfe Zahnkanten, Haken oder Fehlstellungen nehmen ohne Behandlung häufig weiter zu. Deshalb sollten Auffälligkeiten möglichst früh untersucht werden.
Das Wichtigste zu Zahnproblemen beim Pferd auf einen Blick
Zahnprobleme gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen beim Pferd und entwickeln sich oft schleichend. Da Pferde Schmerzen lange verbergen, bleiben Veränderungen am Gebiss häufig zunächst unbemerkt. Erste Hinweise können langsames Kauen, Futterwickel, Gewichtsverlust, Maulgeruch oder Probleme beim Reiten sein.
Regelmäßige Zahnkontrollen helfen dabei, scharfe Zahnkanten, Haken, Zahnfehlstellungen oder Entzündungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dadurch lassen sich nicht nur Schmerzen reduzieren, sondern auch Folgeschäden an Gebiss, Verdauung und Bewegungsapparat vermeiden.
Eine angepasste Fütterung kann Pferde mit Zahnproblemen zusätzlich unterstützen, ersetzt jedoch keine fachgerechte Behandlung. Werden Veränderungen früh erkannt und regelmäßig kontrolliert, können viele Pferde bis ins hohe Alter eine gute Kaufunktion und Lebensqualität erhalten.
Da die Ursachen von Zahnproblemen individuell unterschiedlich sein können, ersetzt unser Ratgeber keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung!
Autor:
Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin
Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme
Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.
Qualifikationen:
- Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
- 10+ Jahre Praxiserfahrung
- Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
- Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde
Dieser Ratgeber wurde fachlich unterstützt und geprüft von Tierärztin Lisa Idelberger, Fachtierärztin für Pferde und Kleintiere mit über 10 Jahren Praxis-Erfahrung!