Leckerchen für Pferde: Gesunde Snacks richtig füttern | Ratgeber
Leckerchen für Pferde: Gesunde Belohnungen richtig füttern
Leckerchen für Pferde sind aus dem Stallalltag kaum wegzudenken. Ob als Belohnung nach dem Training, zur Motivation bei der Bodenarbeit oder einfach als kleine Aufmerksamkeit zwischendurch – viele Pferde freuen sich über einen schmackhaften Snack. Doch bei aller Begeisterung sollte nicht vergessen werden, dass Pferdeleckerchen Teil der täglichen Futterration sind und einen Einfluss auf Gesundheit, Stoffwechsel und Gewicht haben.
Besonders in Zeiten, in denen Stoffwechselerkrankungen wie Hufrehe, Equines Metabolisches Syndrom (EMS) oder Insulinresistenz immer häufiger auftreten, gewinnt die Frage nach gesunden Leckerchen zunehmend an Bedeutung. Viele Pferdebesitzer achten zwar auf hochwertiges Heu und ausgewogene Kraftfutterrationen, unterschätzen jedoch die Menge und Zusammensetzung der täglich gefütterten Belohnungen.
In diesem umfassenden Ratgeber erfährst Du, welche Leckerchen für Pferde wirklich gesund sind, welche Inhaltsstoffe vermieden werden sollten, welche Risiken eine übermäßige Fütterung birgt und wie sich die richtige Menge an Pferdesnacks bestimmen lässt.
Warum Pferde Leckerchen so gerne mögen
Pferde besitzen einen ausgeprägten Geschmackssinn und bevorzugen häufig süße Geschmacksrichtungen. In freier Wildbahn signalisiert Süße meist energiereiche und sichere Nahrung. Genau deshalb werden Leckerchen mit hohem Zuckeranteil von vielen Pferden besonders gerne angenommen.
Neben dem Geschmack spielt jedoch auch der soziale Aspekt eine wichtige Rolle. Pferde verknüpfen Belohnungen schnell mit positiven Erfahrungen. Richtig eingesetzt können Leckerchen daher:
- die Bindung zwischen Mensch und Pferd stärken
- das Vertrauen fördern
- Lernprozesse unterstützen
- die Motivation beim Training erhöhen
- medizinische Behandlungen erleichtern
- positive Verhaltensweisen verstärken
Dennoch sollte die Belohnung niemals zur Hauptmotivation werden. Ein Pferd sollte nicht ausschließlich für Futter arbeiten, sondern durch eine faire und verständliche Ausbildung motiviert werden.
Sind Leckerchen für Pferde überhaupt notwendig?
Aus ernährungsphysiologischer Sicht benötigt ein gesundes Pferd keine speziellen Leckerchen. Der Nährstoffbedarf wird idealerweise über:
- hochwertiges Heu
- gegebenenfalls Gras
- bedarfsgerechtes Kraftfutter
- Mineralfutter
- ausreichend Wasser
gedeckt.
Leckerchen erfüllen daher vor allem einen emotionalen und trainingsbezogenen Zweck. Das bedeutet aber nicht, dass sie grundsätzlich problematisch sind. Entscheidend ist die Auswahl geeigneter Produkte sowie die Menge der täglichen Fütterung.
Was zeichnet gesunde Leckerchen für Pferde aus?
Gesunde Pferdeleckerchen orientieren sich möglichst stark an der natürlichen Ernährung des Pferdes.
Das Verdauungssystem des Pferdes ist darauf ausgelegt, große Mengen rohfaserreicher Nahrung über viele Stunden hinweg aufzunehmen. Die Mikroorganismen im Dickdarm sind auf diese Fütterungsweise spezialisiert. Leckerchen sollten deshalb möglichst wenig Zucker und Stärke enthalten und stattdessen natürliche Rohstoffe liefern.
Merkmale hochwertiger Pferdeleckerchen
Gute Leckerchen enthalten:
- natürliche Zutaten
- wenig Zucker
- wenig Stärke
- einen hohen Rohfaseranteil
- keine unnötigen Zusatzstoffe
- möglichst kurze Zutatenlisten
Je kürzer die Zutatenliste ausfällt, desto einfacher lässt sich die Qualität eines Produkts beurteilen.
Gesunde Snacks für Pferde
Möhren
Möhren gehören zu den beliebtesten Pferdeleckerchen überhaupt.
Vorteile:
- hoher Wassergehalt
- vergleichsweise kalorienarm
- reich an Beta-Carotin
- gut lagerfähig
- von den meisten Pferden gut verträglich
Trotz ihrer positiven Eigenschaften enthalten Möhren Zucker und sollten daher insbesondere bei stoffwechselkranken Pferden nur eingeschränkt gefüttert werden.
Äpfel
Äpfel werden von vielen Pferden besonders gerne gefressen.
Vorteile:
- hoher Wasseranteil
- Ballaststoffe
- verschiedene Vitamine
Nachteile:
- relativ hoher Fruchtzuckergehalt
- größere Mengen können Verdauungsprobleme verursachen
Ein bis zwei kleine Apfelstücke pro Tag sind für die meisten gesunden Pferde unproblematisch.
Hagebutten
Hagebutten erfreuen sich als natürlicher Pferdesnack wachsender Beliebtheit.
Sie enthalten:
- Vitamin C
- sekundäre Pflanzenstoffe
- Antioxidantien
Viele Pferde fressen sie gerne sowohl frisch als auch getrocknet.
Kräuterleckerlis
Hochwertige Kräuterleckerlis können eine sinnvolle Alternative zu stark melassierten Produkten sein.
Häufig verwendete Kräuter sind:
- Kamille
- Brennnessel
- Pfefferminze
- Artischocke
- Fenchel
- Hagebutte
Wichtig ist jedoch, auch bei Kräutermischungen auf die Zusammensetzung zu achten.
Heucobs als Belohnung
Eine besonders natürliche Alternative stellen Heucobs dar.
Vorteile:
- rohfaserreich
- meist zuckerarm
- gut verträglich
- nah an der natürlichen Ernährung
Viele Pferde akzeptieren einzelne Heucobs problemlos als Belohnung.
Ungesunde Leckerchen für Pferde
Nicht alle Produkte, die als Pferdeleckerli verkauft werden, sind automatisch gesund.
Viele enthalten große Mengen:
- Melasse
- Zucker
- Getreide
- Stärke
- künstliche Aromastoffe
Dadurch steigt die Energiedichte deutlich an.
Leckerchen mit viel Melasse
Melasse wird häufig eingesetzt, um Leckerchen schmackhafter zu machen.
Probleme:
- hoher Zuckergehalt
- zusätzliche Kalorien
- ungünstig für stoffwechselkranke Pferde
Gerade Pferde mit EMS oder Hufrehe sollten möglichst wenig melassehaltige Produkte erhalten.
Getreidereiche Snacks
Leckerchen auf Basis von:
- Mais
- Weizen
- Gerste
enthalten häufig hohe Mengen Stärke.
Zu viel Stärke kann:
- die Darmflora belasten
- Stoffwechselprobleme fördern
- das Hufreherisiko erhöhen
Welche Lebensmittel sind für Pferde ungeeignet?
Viele menschliche Snacks gehören nicht in den Futtertrog.
Dazu zählen:
- Brot
- Schokolade
- Bonbons
- Gummibärchen
- Kuchen
- Kekse
- Chips
- gesalzene Snacks
- stark gewürzte Speisen
Diese Lebensmittel enthalten Inhaltsstoffe, die für Pferde ungeeignet sind und teilweise gesundheitliche Risiken bergen.
Nicht alle Inhaltsstoffe sind für Pferde geeignet
Viele Pferdehalter achten auf die Kalorienmenge, übersehen jedoch die Zutatenliste.
Folgende Inhaltsstoffe sollten möglichst vermieden werden:
Zuckerzusätze
Hierzu gehören:
- Saccharose
- Glukosesirup
- Fruktosesirup
- Melasse
Ein hoher Zuckergehalt belastet den Stoffwechsel und kann Übergewicht fördern.
Künstliche Farb- und Aromastoffe
Diese Zusätze bieten dem Pferd keinen ernährungsphysiologischen Nutzen und dienen meist nur der Vermarktung.
Hohe Salzgehalte
Einige Snacks enthalten überraschend hohe Mengen Salz. Für Pferde besteht dafür in der Regel kein Bedarf.
Unbekannte Kräutermischungen
Nicht jede Kräuterkombination ist dauerhaft geeignet. Besonders tragende Stuten, Senioren oder Pferde mit Erkrankungen sollten nur gezielt ausgewählte Kräuter erhalten.
Wie viele Leckerchen darf ein Pferd pro Tag bekommen?
Eine pauschale Empfehlung existiert nicht. Die optimale Menge hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Körpergewicht
- Alter
- Trainingszustand
- Stoffwechsel
- Gesundheitszustand
- restliche Fütterung
Für ein gesundes Großpferd gelten folgende Orientierungswerte:
| Pferdetyp | Empfohlene Menge Leckerchen pro Tag |
|---|---|
| Pony | maximal 30–80 g |
| Kleinpferd | maximal 50–100 g |
| Großpferd | maximal 50–150 g |
Leckerchen sollten grundsätzlich weniger als fünf Prozent der täglichen Gesamtration ausmachen.
Leckerchen bei Hufrehe
Hufrehe gehört zu den schwerwiegendsten Erkrankungen des Pferdes.
Bei betroffenen Pferden sollte die Leckerchenfütterung stark eingeschränkt werden, besser noch ausgesetzt werden.
Zu vermeiden sind:
- Äpfel in größeren Mengen
- stark melassierte Leckerlis
- getreidereiche Snacks
- zuckerhaltige Belohnungen
Geeignet sind lediglich kleine Mengen zuckerarmer Alternativen nach Rücksprache mit dem Tierarzt.
Leckerchen bei EMS
Das Equine Metabolische Syndrom ist eng mit Übergewicht und Störungen des Zuckerstoffwechsels verbunden.
Für EMS-Pferde gilt:
- Zucker reduzieren
- Stärke reduzieren
- Kalorien kontrollieren
- Leckerchen nur gezielt einsetzen
Viele Tierärzte empfehlen bei EMS eine drastische Einschränkung klassischer Pferdeleckerchen.
Leckerchen bei Insulinresistenz
Pferde mit Insulinresistenz reagieren besonders empfindlich auf Zucker und Stärke.
Schon kleine Mengen ungeeigneter Snacks können problematisch sein.
Empfohlen werden:
- einzelne Heucobs
- spezielle Diät-Leckerchen
- sehr kleine Mengen geeigneter Gemüsesorten
Leckerchen bei PPID (Cushing)
Viele Pferde mit PPID entwickeln zusätzlich Stoffwechselstörungen.
Daher sollten auch bei dieser Erkrankung:
- Zucker
- Stärke
- unnötige Kalorien
möglichst reduziert werden.
Leckerchen bei Übergewicht
Übergewicht gehört mittlerweile zu den häufigsten Ernährungsproblemen bei Pferden.
Oft wird unterschätzt, dass sich viele kleine Leckerchen über den Tag hinweg summieren.
Beispiel:
Erhält ein Pferd zehn bis fünfzehn Leckerchen täglich von verschiedenen Personen, kann dies mehrere hundert zusätzliche Kalorien bedeuten.
Häufige Fehler bei der Leckerchenfütterung
Ständiges Füttern aus der Hand
Dies kann zu:
- Betteln
- Drängeln
- Respektlosigkeit
- Schnappen
führen.
Zu viele Personen füttern das Pferd
In Reitställen erhalten manche Pferde von mehreren Personen täglich Leckerchen. Dadurch geht schnell der Überblick über die tatsächliche Menge verloren.
Leckerchen als Ersatz für gutes Training
Belohnungen sollten gezielt eingesetzt werden und nicht mangelnde Ausbildung oder unklare Hilfengebung kompensieren.
Inhaltsstoffe nicht kontrollieren
Viele Pferdehalter achten auf Marke und Verpackung, lesen jedoch die Zutatenliste nicht.
Dabei entscheidet gerade die Zusammensetzung über die Qualität eines Pferdeleckerlis.
Fazit: Weniger ist oft mehr
Leckerchen können die Beziehung zwischen Mensch und Pferd stärken und das Training sinnvoll unterstützen. Gleichzeitig sollten sie immer als kleine Ergänzung und nicht als fester Bestandteil der täglichen Ernährung betrachtet werden. Besonders gesunde Pferdesnacks zeichnen sich durch natürliche Zutaten, einen niedrigen Zucker- und Stärkegehalt sowie eine gute Verträglichkeit aus.
Bei Erkrankungen wie Hufrehe, EMS, Insulinresistenz, PPID oder Übergewicht ist besondere Vorsicht geboten. Hier sollten Leckerchen nur in sehr kleinen Mengen und möglichst nach Rücksprache mit Tierarzt oder Fütterungsberater eingesetzt werden.
Wer auf hochwertige Inhaltsstoffe achtet und die tägliche Menge begrenzt, kann sein Pferd bedenkenlos belohnen – ohne die Gesundheit oder den Stoffwechsel unnötig zu belasten. Dadurch bleiben Pferdeleckerchen das, was sie sein sollten: eine kleine Freude mit großer Wirkung.
Autor:
Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin
Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme
Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.
Qualifikationen:
- Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
- 10+ Jahre Praxiserfahrung
- Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
- Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde