Mineralisierung beim Pferd: Bedarf, Mangel & richtige Fütterung
Mineralisierung beim Pferd – Bedarf, Wirkung & richtige Fütterung
Die Mineralisierung beim Pferd gehört zu den zentralen, aber oft unterschätzten Bausteinen einer bedarfsgerechten Fütterung. Ob Fohlen im Wachstum, Freizeitpferd im Offenstall, Hochleistungssportler oder Senior – der Mineralstoffbedarf verändert sich im Laufe des Lebens erheblich. Eine unzureichende Versorgung kann langfristig zu Leistungseinbußen, Stoffwechselproblemen und gesundheitlichen Störungen führen.
In diesem Beitrag erfährst du alles über die Bedeutung der Mineralisierung beim Pferd, die Unterschiede zwischen Alters- und Nutzungstypen sowie häufige Fehler in der Fütterung.
Was bedeutet Mineralisierung beim Pferd?
Unter Mineralisierung versteht man die gezielte Versorgung des Pferdes mit lebenswichtigen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, die über das Grundfutter (Heu, Gras) meist nicht ausreichend abgedeckt werden.
Wichtige Mineralstoffe beim Pferd gehören:
- Calcium (Ca)
- Phosphor (P)
- Magnesium (Mg)
- Natrium (Na)
- Kalium (K)
Wichtige Spurenelemente:
- Zink
- Kupfer
- Selen
- Mangan
- Jod
Diese Nährstoffe sind essenziell für:
- Knochenaufbau und Stabilität
- Muskel- und Nervenfunktion
- Immunsystem
- Hormonstoffwechsel
- Huf- und Fellqualität
- Leistungsfähigkeit
Warum ist Mineralisierung beim Pferd so wichtig?
Heu und Weidegras allein reichen in den meisten Fällen nicht aus, um den Bedarf eines Pferdes vollständig zu decken. Besonders heute sind viele Böden mineralstoffarm, was sich direkt auf die Futterqualität auswirkt. Aber auch eine einseitige Fütterung oder hohe Leistungsanforderungen können den Mineralstoffhaushalt negativ beeinflussen.
Ein Mangel kann sich äußern durch:
- Stumpfes Fell
- Schlechte Hufqualität, brüchige Hufe
- Muskelverspannungen
- Leistungsabfall
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Stoffwechselstörungen
Mineralstoffbedarf beim Pferd nach Nutzung
Fohlen und Jungpferde – Mineralstoffe für Wachstum
Fohlen und Jungpferde haben den höchsten Anspruch an eine ausgewogene Mineralisierung, da sich Skelett, Gelenke und Muskulatur stark entwickeln.
Wichtige Schwerpunkte:
- Calcium-Phosphor-Verhältnis für Knochenwachstum und Skelettentwicklung
- Kupfer für Knorpelbildung
- Zink für Zellteilung und Hautentwicklung
Fehler in dieser Phase können zu irreversiblen Schäden im Bewegungsapparat führen.
Angerittene und junge Pferde im Aufbau
In dieser Phase verändert sich der Körper durch Training, Muskelaufbau und erste Belastung.
Wichtige Aspekte:
- Erhöhter Magnesiumbedarf für eine gute Muskelfunktion
- Spurenelemente für Sehnen und Bänder sowie Bindegewebe
- Unterstützung des Nervensystems
Eine gezielte Mineralisierung hilft, Überlastungsschäden vorzubeugen.
Freizeitpferde – oft unterschätzter Bedarf
Freizeitpferde wirken „weniger beansprucht“, haben aber einen sehr konstanten Grundbedarf an Mineralien.
Typische Risiken:
- Bewegungsmangel → Stoffwechselträgheit
- Übergewicht oder Fettstoffwechselprobleme
- unausgewogene Heufütterung
Hier ist eine angepasste, aber nicht überdosierte Mineralisierung entscheidend.
Sportpferde – hoher Mineralverlust durch Schweiß
Sportpferde verlieren durch Schweiß große Mengen an Elektrolyten und Mineralstoffen.
Besonders wichtig:
- Natrium, Kalium und Chlorid (Elektrolyte)
- Magnesium für Muskelarbeit
- Selen und Vitamin E für Muskelzellen
Ohne gezielte Supplementierung drohen:
- Muskelübersäuerung
- Leistungsabfall
- erhöhte Verletzungsanfälligkeit
Mineralien & Nährstoffe für Pferde
Alte Pferde – altersgerechte Unterstützung
Mit zunehmendem Alter sinken:
- Nährstoffaufnahme
- Muskelmasse
- Verdauungsleistung
- Zahngesundheit
- Stoffwechsel
Wichtige Ziele:
- Unterstützung des Immunsystems
- Erhalt der Muskelmasse
- Förderung der Verdauung
Oft ist eine leicht verdauliche, hoch bioverfügbare Mineralisierung sinnvoll.
Pferde mit Stoffwechselerkrankungen
Pferde mit Erkrankungen wie:
- Equines Cushing-Syndrom
- Insulinresistenz beim Pferd
- EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
- Hufrehe-Anfälligkeit
benötigen eine besonders sorgfältig abgestimmte Mineralversorgung.
Wichtig ist hier:
- niedriger Zucker- und Stärkegehalt im Gesamtfutter
- gezielte Spurenelementversorgung (z. B. Zink, Magnesium)
- Vermeidung von Überversorgungen, insbesondere Eisen und Selen
Häufige Fehler bei der Mineralisierung
Viele Pferdehalter machen ähnliche Fehler:
❌ „Heu reicht schon aus“
❌ wahllose Ergänzung mehrerer Mineralfutter
❌ Überdosierung von Spurenelementen
❌ keine Anpassung an Trainingszustand
❌ Ignorieren von Blut- oder Heuanalysen
Eine Überversorgung kann genauso problematisch sein wie ein Mangel.
Wie erkenne ich einen Mineralstoffmangel beim Pferd?
Typische Anzeichen:
- stumpfes, glanzloses Fell
- schlechte Hufqualität
- Muskelzittern oder Verspannungen
- Leistungsabfall
- erhöhte Stressanfälligkeit
- verzögerte Regeneration
Eine Blutuntersuchung kann Hinweise geben, ersetzt aber keine ganzheitliche Futteranalyse.
Fazit: Mineralisierung ist individuell – nicht pauschal
Die optimale Mineralisierung beim Pferd hängt immer ab von:
- Alter
- Nutzung
- Haltung
- Gesundheitsstatus
- Futtergrundlage
Eine pauschale Mineralfütterung ist in der Praxis selten optimal. Besser ist eine bedarfsorientierte, analysenbasierte Versorgung auf Basis der tatsächlichen Nährstoffaufnahme.
FAQ – Mineralisierung beim Pferd
Wie oft sollte ich Mineralfutter füttern?
Täglich, da Mineralstoffe nicht gespeichert, sondern kontinuierlich benötigt werden.
Kann ich zu viel mineralisieren?
Ja. Besonders Spurenelemente wie Selen oder Kupfer können bei Überdosierung toxisch wirken.
Braucht jedes Pferd Mineralfutter?
In den meisten Fällen: ja. Heu und Gras decken den Bedarf selten vollständig.
Ist ein Blutbild ausreichend zur Beurteilung?
Nur eingeschränkt. Besser ist eine Kombination aus Heuanalyse, Futterbewertung und klinischer Beobachtung.
Welche Mineralstoffe sind am wichtigsten?
Das hängt vom Pferd ab, aber häufig kritisch sind Zink, Kupfer, Selen und Magnesium.
Dein Pferd nimmt trotz allen Bemühens nicht zu?
Autor:
Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin
„Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme“
Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.
Qualifikationen:
- Zertifizierte Pferdefutterberaterin
- 10+ Jahre Praxiserfahrung
- Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
- Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde