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Mineralisierung beim Pferd: Bedarf, Mangel & richtige Fütterung

22.04.2026 / Fütterung
Mineralisierung beim Pferd: Bedarf, Mangel & richtige Fütterung - Mineralisierung beim Pferd: Bedarf, Mangel & richtige Fütterung

Mineralisierung beim Pferd – Bedarf, Wirkung & richtige Fütterung

Die Mineralisierung beim Pferd gehört zu den zentralen, aber oft unterschätzten Bausteinen einer bedarfsgerechten Fütterung. Ob Fohlen im Wachstum, Freizeitpferd im Offenstall, Hochleistungssportler oder Senior – der Mineralstoffbedarf verändert sich im Laufe des Lebens erheblich. Eine unzureichende Versorgung kann langfristig zu Leistungseinbußen, Stoffwechselproblemen und gesundheitlichen Störungen führen.

In diesem Beitrag erfährst du alles über die Bedeutung der Mineralisierung beim Pferd, die Unterschiede zwischen Alters- und Nutzungstypen sowie häufige Fehler in der Fütterung.

Mineralfutter für Pferde


Was bedeutet Mineralisierung beim Pferd?

Unter Mineralisierung versteht man die gezielte Versorgung des Pferdes mit lebenswichtigen Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, die über das Grundfutter (Heu, Gras) meist nicht ausreichend abgedeckt werden.

Wichtige Mineralstoffe beim Pferd gehören:

  • Calcium (Ca)
  • Phosphor (P)
  • Magnesium (Mg)
  • Natrium (Na)
  • Kalium (K)

Wichtige Spurenelemente:

  • Zink
  • Kupfer
  • Selen
  • Mangan
  • Jod

Diese Nährstoffe sind essenziell für:


Warum ist Mineralisierung beim Pferd so wichtig?

Heu und Weidegras allein reichen in den meisten Fällen nicht aus, um den Bedarf eines Pferdes vollständig zu decken. Besonders heute sind viele Böden mineralstoffarm, was sich direkt auf die Futterqualität auswirkt. Aber auch eine einseitige Fütterung oder hohe Leistungsanforderungen können den Mineralstoffhaushalt negativ beeinflussen.

Ein Mangel kann sich äußern durch:

  • Stumpfes Fell
  • Schlechte Hufqualität, brüchige Hufe
  • Muskelverspannungen
  • Leistungsabfall
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Stoffwechselstörungen

Mineralien für Pferde


Mineralstoffbedarf beim Pferd nach Nutzung

Fohlen und Jungpferde – Mineralstoffe für Wachstum

Fohlen und Jungpferde haben den höchsten Anspruch an eine ausgewogene Mineralisierung, da sich Skelett, Gelenke und Muskulatur stark entwickeln.

Wichtige Schwerpunkte:

  • Calcium-Phosphor-Verhältnis für Knochenwachstum und Skelettentwicklung 
  • Kupfer für Knorpelbildung
  • Zink für Zellteilung und Hautentwicklung

Fehler in dieser Phase können zu irreversiblen Schäden im Bewegungsapparat führen.


Angerittene und junge Pferde im Aufbau

In dieser Phase verändert sich der Körper durch Training, Muskelaufbau und erste Belastung.

Wichtige Aspekte:

Eine gezielte Mineralisierung hilft, Überlastungsschäden vorzubeugen.


Freizeitpferde – oft unterschätzter Bedarf

Freizeitpferde wirken „weniger beansprucht“, haben aber einen sehr konstanten Grundbedarf an Mineralien.

Typische Risiken:

  • Bewegungsmangel Stoffwechselträgheit
  • Übergewicht oder Fettstoffwechselprobleme
  • unausgewogene Heufütterung

Hier ist eine angepasste, aber nicht überdosierte Mineralisierung entscheidend.


Sportpferde – hoher Mineralverlust durch Schweiß 

Sportpferde verlieren durch Schweiß große Mengen an Elektrolyten und Mineralstoffen.

Besonders wichtig:

  • Natrium, Kalium und Chlorid (Elektrolyte)
  • Magnesium für Muskelarbeit
  • Selen und Vitamin E für Muskelzellen

Ohne gezielte Supplementierung drohen:

  • Muskelübersäuerung
  • Leistungsabfall
  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit

Mineralien & Nährstoffe für Pferde


Alte Pferde – altersgerechte Unterstützung

Mit zunehmendem Alter sinken:

  • Nährstoffaufnahme
  • Muskelmasse
  • Verdauungsleistung
  • Zahngesundheit
  • Stoffwechsel

Wichtige Ziele:

Oft ist eine leicht verdauliche, hoch bioverfügbare Mineralisierung sinnvoll.


Pferde mit Stoffwechselerkrankungen

Pferde mit Erkrankungen wie:

benötigen eine besonders sorgfältig abgestimmte Mineralversorgung.

Wichtig ist hier:

  • niedriger Zucker- und Stärkegehalt im Gesamtfutter
  • gezielte Spurenelementversorgung (z. B. Zink, Magnesium)
  • Vermeidung von Überversorgungen, insbesondere Eisen und Selen

Häufige Fehler bei der Mineralisierung

Viele Pferdehalter machen ähnliche Fehler:

„Heu reicht schon aus“
wahllose Ergänzung mehrerer Mineralfutter
Überdosierung von Spurenelementen
keine Anpassung an Trainingszustand
Ignorieren von Blut- oder Heuanalysen

Eine Überversorgung kann genauso problematisch sein wie ein Mangel.


Wie erkenne ich einen Mineralstoffmangel beim Pferd?

Typische Anzeichen:

  • stumpfes, glanzloses Fell
  • schlechte Hufqualität
  • Muskelzittern oder Verspannungen
  • Leistungsabfall
  • erhöhte Stressanfälligkeit
  • verzögerte Regeneration

Eine Blutuntersuchung kann Hinweise geben, ersetzt aber keine ganzheitliche Futteranalyse.


Fazit: Mineralisierung ist individuell – nicht pauschal

Die optimale Mineralisierung beim Pferd hängt immer ab von:

  • Alter
  • Nutzung
  • Haltung
  • Gesundheitsstatus
  • Futtergrundlage

Eine pauschale Mineralfütterung ist in der Praxis selten optimal. Besser ist eine bedarfsorientierte, analysenbasierte Versorgung auf Basis der tatsächlichen Nährstoffaufnahme.


Praxisbeispiele

Praxisfall Nr 1: Blume – Haflinger im Offenstall

Die 12-jährige Haflinger-Stute Blume, ein robuster Haflinger, lebt im Offenstall und wird ausschließlich mit Raufutter versorgt. Vor der gezielten Mineralisierung zeigte sie trotz guter Haltung typische Anzeichen einer unzureichenden Mikronährstoffversorgung: das Fell wirkte matt, der Fellwechsel zog sich in die Länge und die allgemeine Leistungsbereitschaft im Freizeitbereich schwankte. Gerade bei leichtfuttrigen Rassen wie dem Haflinger besteht trotz scheinbar ausreichender Fütterung häufig das Risiko einer Unterversorgung mit Spurenelementen, da Heu allein den Mineralbedarf in der Regel nicht vollständig abdeckt.

Nach der Anpassung der Mineralstoffversorgung wurde Blume gezielt mit einem ausgewogenen Mineralfutter ergänzt, das auf Freizeitpferde im Offenstall abgestimmt ist. Dabei wurde besonders auf ein angepasstes Verhältnis von Zink, Kupfer und Selen geachtet, um Stoffwechsel, Haut und Immunsystem zu unterstützen. Bereits nach einigen Wochen zeigte sich im Vergleich zu vorher eine deutlich verbesserte Fellqualität, ein stabilerer Fellwechsel und ein insgesamt ausgeglicheneres Verhalten. Das Praxisbeispiel zeigt, dass auch bei reiner Raufutterfütterung eine gezielte Mineralisierung beim Pferd entscheidend ist, um rasse- und haltungsbedingte Defizite auszugleichen.


Praxisfall Nr. 2: Morgan – Tinker-Wallach

Der 16-jährige Tinker-Wallach Morgan, ein kräftiger Tinker, zeigte vor der angepassten Mineralisierung immer wieder Probleme mit sensibler Haut und wiederkehrender Mauke, insbesondere in feuchten Jahreszeiten. Zusätzlich fiel sein sehr ausgeprägtes Langhaar auf, das zwar rassetypisch ist, jedoch einen erhöhten Bedarf an Haut- und Hautstoffwechselunterstützung mit sich bringt. Vorher war seine Mineralstoffversorgung nicht speziell auf diese Bedürfnisse abgestimmt, wodurch es wiederholt zu Hautirritationen und verzögerter Regeneration im Fesselbereich kam.

Nach der gezielten Anpassung der Mineralisierung wurde der Fokus auf hautrelevante Spurenelemente wie Zink, Biotin und Kupfer gelegt, um Hautbarriere, Fell und Hufhorn gezielt zu unterstützen. Ergänzend wurde die Fütterung so angepasst, dass der Stoffwechsel insgesamt entlastet wird. Im Vergleich zu vorher zeigte Morgan deutlich stabilere Hautverhältnisse, weniger Mauke-Schübe und ein insgesamt gepflegteres Langhaar. Das Beispiel verdeutlicht, wie wichtig eine rassespezifische Mineralversorgung beim Pferd ist, insbesondere bei Tinkern mit erhöhter Hautempfindlichkeit.


Praxisfall Nr. 3: Sonnentanz – Freiberger im Sporteinsatz

Die 10-jährige Freiberger-Stute Sonnentanz, ein leistungsbereiter Freiberger, wird im Dressur- und Springsport eingesetzt und regelmäßig auf Turnieren vorgestellt. Vor der Optimierung der Mineralstoffversorgung zeigte sie typische Anzeichen eines erhöhten Bedarfs durch sportliche Nutzung: verzögerte Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten, wechselnde Muskelspannung sowie eine teilweise reduzierte Belastbarkeit in Trainingsphasen mit hoher Intensität. Durch die Kombination aus Kraftfutter und Getreide war die Basisenergie zwar gedeckt, jedoch fehlte eine gezielte Mineralstoffabstimmung für den erhöhten Leistungsstoffwechsel.

Nach der Umstellung wurde die Mineralisierung gezielt auf ein Sportpferd mit hoher Leistungsanforderung ausgerichtet, insbesondere mit Fokus auf Elektrolyte, Magnesium sowie Spurenelemente zur Muskel- und Nervenfunktion. Dadurch konnte der erhöhte Bedarf durch Training, Turniere und Regeneration besser ausgeglichen werden. Im Vergleich zu vorher zeigte Sonnentanz eine deutlich stabilere Leistungsbereitschaft, schnellere Erholung nach Belastung und konstantere Muskulatur im Training. Dieses Praxisbeispiel zeigt, dass die Mineralisierung beim Pferd je nach Nutzung – insbesondere im Leistungssport – entscheidend zur Regeneration und Leistungsstabilität beiträgt.


FAQ – Mineralisierung beim Pferd

Wie oft sollte ich Mineralfutter füttern?

Täglich, da Mineralstoffe nicht gespeichert, sondern kontinuierlich benötigt werden.

Kann ich zu viel mineralisieren?

Ja. Besonders Spurenelemente wie Selen oder Kupfer können bei Überdosierung toxisch wirken.

Braucht jedes Pferd Mineralfutter?

In den meisten Fällen: ja. Heu und Gras decken den Bedarf selten vollständig.

Ist ein Blutbild ausreichend zur Beurteilung?

Nur eingeschränkt. Besser ist eine Kombination aus Heuanalyse, Futterbewertung und klinischer Beobachtung.

Welche Mineralstoffe sind am wichtigsten?

Das hängt vom Pferd ab, aber häufig kritisch sind Zink, Kupfer, Selen und Magnesium.

Dein Pferd nimmt trotz allen Bemühens nicht zu?

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Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

„Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme“

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.

Qualifikationen:

  • Zertifizierte Pferdefutterberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
  • Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde
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