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Nervöses & schreckhaftes Pferd: Was wirklich hilft

23.06.2026 / Gesundheit
Nervöses & schreckhaftes Pferd: Was wirklich hilft - Nervöses & schreckhaftes Pferd: Was wirklich hilft

Nervöses & schreckhaftes Pferd: Was wirklich hilft

Was ist ein nervöses, schreckhaftes Pferd?

Ein nervöses oder schreckhaftes Pferd reagiert auf Umweltreize deutlich sensibler als andere Pferde. Plötzliche Geräusche, unbekannte Gegenstände, Bewegungen, Wetterwechsel oder neue Situationen können starke Fluchtreaktionen auslösen. Dabei handelt es sich zunächst um ein natürliches Verhalten: Pferde sind Fluchttiere und darauf spezialisiert, potenzielle Gefahren schnell wahrzunehmen.

Problematisch wird Schreckhaftigkeit dann, wenn das Pferd dauerhaft unter Anspannung steht, sich nur schwer beruhigen lässt, im Training oder Alltag überreagiert oder sogar ein Sicherheitsrisiko für Reiter und Umgebung darstellt. Ein nervöses Pferd ist nicht „böse“, „dominant“ oder „ungehorsam“ – meist liegen körperliche, psychische oder haltungsbedingte Ursachen zugrunde.

Wichtig zu wissen: Nicht jedes temperamentvolle Pferd ist automatisch nervös. Manche Pferde verfügen über viel Energie und Arbeitsbereitschaft, bleiben dabei aber mental ausgeglichen. Nervosität zeichnet sich dagegen durch anhaltende innere Anspannung, Unsicherheit und eine geringe Reizschwelle aus.


Ursachen

Die Ursachen für Nervosität und Schreckhaftigkeit sind vielfältig. Oft wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen.

Genetische Veranlagung

Einige Pferde sind von Natur aus sensibler als andere. Besonders bei Vollblütern, Arabern oder sehr leistungsorientiert gezüchteten Sportpferden findet man häufiger eine hohe Reaktionsbereitschaft. Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Pferde zwangsläufig problematisch sein müssen.

Mangelnde Sozialisierung

Junge Pferde lernen in einer stabilen Herde den Umgang mit Umweltreizen. Fehlen diese Erfahrungen oder wächst ein Pferd isoliert auf, kann dies später zu Unsicherheit und Schreckhaftigkeit führen.

Schlechte Erfahrungen

Traumatische Erlebnisse wie Stürze, Unfälle, grober Umgang, Transportprobleme oder Überforderung im Training können nachhaltige Ängste verursachen.

Schmerzen und gesundheitliche Probleme

Ein häufig unterschätzter Faktor sind körperliche Beschwerden. Schmerzen versetzen Pferde in dauerhaften Stress und erhöhen die Schreckhaftigkeit.

Mögliche Ursachen sind:

  • Rückenprobleme
  • Zahnprobleme
  • Magengeschwüre
  • Muskelverspannungen
  • Lahmheiten
  • Sattelprobleme
  • Stoffwechselstörungen

Unpassende Haltung

Pferde sind Herdentiere und Bewegungstiere. Zu wenig Sozialkontakt, lange Boxenzeiten oder mangelnde Beschäftigung können zu erheblichem Stress führen.

Fehler im Training

Inkonsistente Hilfen, Überforderung, permanenter Leistungsdruck oder mangelnde Vertrauensarbeit können Unsicherheit verstärken.

Fütterungsfehler

Eine energieüberschüssige Ration oder Nährstoffmängel können das Nervenkostüm negativ beeinflussen. Besonders ein Überangebot an leicht verfügbaren Kohlenhydraten kann manche Pferde „heiß“ machen.


Warum ist mein Pferd plötzlich schreckhaft?

War Ihr Pferd bislang gelassen und reagiert plötzlich nervös auf alltägliche Situationen, sollten Sie die Ursache genauer untersuchen. Eine plötzlich auftretende Schreckhaftigkeit ist häufig kein Charakterproblem, sondern ein Hinweis darauf, dass sich etwas im Umfeld oder Gesundheitszustand des Pferdes verändert hat.

Neben neuen Umweltreizen wie Stallwechsel, Herdenveränderungen oder einer ungewohnten Trainingssituation können auch körperliche Beschwerden eine Rolle spielen. Deshalb lohnt es sich, bei einem plötzlich nervösen Pferd nicht nur das Verhalten zu betrachten, sondern Haltung, Training, Ausrüstung und Gesundheit ganzheitlich zu überprüfen.

Schmerzen als mögliche Ursache

Pferde zeigen Schmerzen oft nicht durch offensichtliches Lahmen, sondern durch Verhaltensänderungen. Ein Pferd, das plötzlich schreckhaft, unkonzentriert oder reizbar wirkt, versucht möglicherweise, auf körperliche Beschwerden aufmerksam zu machen.

Mögliche Ursachen sind:

  • Muskelverspannungen
  • Rückenprobleme
  • Zahnprobleme
  • Gelenkbeschwerden
  • Hufprobleme

Wenn die Nervosität ohne erkennbaren Auslöser auftritt oder sich verstärkt, sollte eine tierärztliche Untersuchung in Betracht gezogen werden.

Können Magengeschwüre Nervosität verursachen?

Ja. Magengeschwüre gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen bei Sport- und Freizeitpferden. Betroffene Tiere zeigen häufig Stresssymptome, Unruhe, Leistungseinbußen oder eine erhöhte Schreckhaftigkeit.

Typische Anzeichen können sein:

  • empfindliche Reaktion beim Gurten
  • schlechtere Futteraufnahme vor allem bei Kraftfutter
  • verminderte Trinkbereitschaft
  • Gewichtsverlust
  • häufiges Gähnen
  • Nervosität und Unruhe

Da Magengeschwüre häufig mit Stress und Fütterungsfehlern zusammenhängen, sollten Haltung und Fütterungsmanagement immer mit überprüft werden.

Sattelprobleme nicht unterschätzen

Ein schlecht passender Sattel kann Druckstellen und Schmerzen verursachen. Viele Pferde reagieren darauf mit Anspannung und Unsicherheit.

Warnsignale sind:

  • Wegdrücken beim Satteln
  • Schweifschlagen
  • Taktunreinheiten
  • plötzliche Schreckhaftigkeit unter dem Reiter

Eine regelmäßige Kontrolle der Sattelpassform kann helfen, solche Probleme frühzeitig zu erkennen.

Stoffwechsel und Nährstoffversorgung

Auch Stoffwechselprobleme oder Nährstoffmängel können das Verhalten beeinflussen. Ein Mangel an Magnesium oder B-Vitaminen wird häufig mit Nervosität, erhöhter Reizbarkeit und Stressanfälligkeit in Verbindung gebracht.

Eine bedarfsgerechte Fütterung bildet deshalb die Grundlage für ein ausgeglichenes Pferd.



Symptome

Ein nervöses Pferd zeigt häufig mehrere der folgenden Anzeichen:

Verhaltensauffälligkeiten

  • Häufiges Erschrecken
  • Scheuen bei alltäglichen Situationen
  • Übermäßige Wachsamkeit
  • Schwierigkeiten beim Stillstehen
  • Nervöses Umherschauen
  • Schnauben und plötzliches Hochfahren
  • Fluchtreaktionen ohne erkennbaren Auslöser

Körperliche Anzeichen

  • Erhöhter Muskeltonus
  • Verspannte Rücken- und Halsmuskulatur
  • Schwitzen ohne große Belastung
  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Unruhige Kaubewegungen
  • Angespannte Gesichtsmuskulatur

Auffälligkeiten unter dem Reiter

  • Taktfehler durch Anspannung
  • Wegspringen
  • Losstürmen
  • Schwierigkeiten bei der Konzentration
  • Probleme beim Verladen oder Ausreiten

„In der täglichen Beratung beobachten wir häufig, dass nervöse Pferde gleichzeitig Anzeichen von Magenproblemen oder Nährstoffdefiziten zeigen.“ verrät Leona Oestreich


Diagnose

Bevor Trainingsmaßnahmen beginnen, sollte immer nach möglichen körperlichen Ursachen gesucht werden.

Tierärztliche Untersuchung

Ein Tierarzt kann Erkrankungen oder Schmerzen erkennen, die Nervosität begünstigen. Besonders wichtig sind:

  • Allgemeine klinische Untersuchung
  • Lahmheitsuntersuchung (Gastroskopie)
  • Zahnkontrolle
  • Magenuntersuchung bei Verdacht auf Magengeschwüre
  • Blutuntersuchung bei Bedarf

Sattel- und Ausrüstungskontrolle

Ein schlecht sitzender Sattel kann erhebliche Schmerzen verursachen und dauerhaft zu Abwehrverhalten führen.

Analyse von Haltung und Management

Folgende Fragen sollten kritisch geprüft werden:

  • Hat das Pferd ausreichend Bewegung?
  • Besteht regelmäßiger Sozialkontakt?
  • Ist die Fütterung bedarfsgerecht?
  • Gibt es ausreichend Ruhezeiten?

Verhaltensanalyse

Führe ein Protokoll:

  • Wann tritt die Nervosität auf?
  • Welche Auslöser gibt es?
  • Wie stark reagiert das Pferd?
  • Verbessert oder verschlechtert sich die Situation unter bestimmten Bedingungen?

Dadurch lassen sich Muster erkennen.



Fütterung

Die Fütterung hat einen erheblichen Einfluss auf das Nervensystem.

Hochwertiges Raufutter als Basis

Raufutter sollte die Grundlage jeder Pferdefütterung sein.

Empfohlen werden:

  • Ausreichend Heu von guter Qualität
  • Lange Fresszeiten
  • Möglichst kontinuierliche Versorgung mit Raufutter

Lange Fresspausen können die Entstehung von Magengeschwüren begünstigen.

Kraftfutter kritisch prüfen

Ein Überschuss an Stärke und Zucker kann bei empfindlichen Pferden zu mehr Nervosität führen.

Oft sinnvoll:

  • Reduzierung großer Kraftfuttermengen
  • Aufteilung auf mehrere kleine Portionen
  • Einsatz strukturreicher Futtermittel

Magengesundheit beachten

Viele nervöse Pferde leiden gleichzeitig unter Magenproblemen. Typische Hinweise:

  • Empfindlichkeit beim Gurten
  • Rittigkeitsprobleme wie z.B. nach dem Schenkel treten
  • Gewichtsverlust
  • Wiederkehrende Nervosität

Eine magenfreundliche Fütterung kann hier erhebliche Verbesserungen bringen.


Welche Futtermittel helfen wirklich bei nervösen Pferden?

Ergänzungsfuttermittel können die Nervenfunktion unterstützen. Sie ersetzen jedoch weder eine artgerechte Haltung noch ein durchdachtes Training oder die Abklärung gesundheitlicher Ursachen.

Magnesium

Magnesium spielt eine wichtige Rolle für die Funktion von Muskeln und Nervensystem. Bei einer unzureichenden Versorgung können Pferde empfindlicher auf Stress reagieren.

Eine Ergänzung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn ein erhöhter Bedarf besteht, beispielsweise bei intensivem Training oder in stressreichen Phasen.

"Liegt tatsächlich ein Magnesiumdefizit vor, können gezielte Ergänzungsfuttermittel sinnvoll sein." weiß Leona Oestreich aus der Beratungspraxis zu berichten.

B-Vitamine

B-Vitamine unterstützen zahlreiche Stoffwechselprozesse und tragen zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Besonders bei Stress oder Fütterungsumstellungen kann der Bedarf erhöht sein.

Tryptophan

Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure und Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin. Sie wird häufig in Ergänzungsfuttermitteln für nervöse Pferde eingesetzt.

Die Wirkung kann individuell unterschiedlich ausfallen und sollte immer im Gesamtkontext von Haltung, Training und Fütterung betrachtet werden.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren können Entzündungsprozesse positiv beeinflussen und tragen zur allgemeinen Gesundheit bei.

Was sagt die Studienlage?

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass einzelne Nährstoffe die physiologischen Stressreaktionen unterstützen können. Die Ergebnisse fallen jedoch je nach Pferd, Dosierung und Ursache der Nervosität unterschiedlich aus.

Deshalb gibt es kein Futtermittel, das Nervosität zuverlässig bei jedem Pferd beseitigt.

Grenzen von Ergänzungsfuttermitteln

Futtermittel können unterstützen, lösen aber keine grundlegenden Probleme.

Bestehen beispielsweise:

  • Schmerzen
  • Magengeschwüre
  • Haltungsdefizite
  • Trainingsprobleme
  • fehlendes Vertrauen

sollten diese Ursachen zuerst behoben werden. Erst dann können Ergänzungsfuttermittel ihr Potenzial sinnvoll entfalten.

"Die besten Ergebnisse werden meist durch die Kombination aus angepasster Haltung, gezieltem Training, gesundheitlicher Abklärung und einer bedarfsgerechten Fütterung erreicht." erklärt Leona Oestreich


Haltung

Die Haltung ist oft der wichtigste Hebel zur Verbesserung.

Mehr Bewegung

Pferde sind für nahezu permanente Bewegung geschaffen.

Ideal sind:

  • Offenstallhaltung
  • Aktivstall
  • Großzügige Paddocks
  • Täglicher Weidegang

Mehr Bewegung reduziert Stresshormone und fördert mentale Ausgeglichenheit.

Sozialkontakt

Artgerechter Kontakt zu anderen Pferden ist unverzichtbar.

Vorteile:

  • Mehr Sicherheit durch die Herde
  • Weniger Stress
  • Natürliches Sozialverhalten
  • Bessere psychische Stabilität

Strukturierter Alltag

Pferde profitieren von vorhersehbaren Abläufen.

Wichtig sind:

  • Regelmäßige Fütterungszeiten
  • Feste Trainingszeiten
  • Konstante Bezugspersonen
  • Vermeidung unnötiger Veränderungen

Ausreichend Ruhe

Nicht jedes nervöse Pferd braucht mehr Training. Häufig benötigt es mehr Entspannung und Erholung.


Handlungsempfehlungen

1. Gesundheit zuerst abklären

Vor jedem Trainingsprogramm sollten Schmerzen ausgeschlossen werden.

2. Vertrauen aufbauen

Ein nervöses Pferd benötigt einen verlässlichen Partner.

Wichtige Grundsätze:

  • Ruhige Körpersprache
  • Klare Kommunikation
  • Konsequenz ohne Härte
  • Geduld

3. Systematische Desensibilisierung

Das Pferd wird schrittweise an angstauslösende Reize gewöhnt.

Beispiel:

  1. Plastikplane in großer Entfernung zeigen.
  2. Ruhiges Verhalten belohnen.
  3. Abstand langsam verringern.
  4. Schwierigkeitsgrad nur steigern, wenn das Pferd entspannt bleibt.

4. Gelassenheitstraining

Geeignete Übungen:

  • Flatterband
  • Regenschirm
  • Raschelnde Gegenstände
  • Brücken
  • Bodenstangen
  • Wasserdurchquerungen

Wichtig: Immer unterhalb der Stressgrenze trainieren.

5. Bodenarbeit nutzen

Bodenarbeit verbessert Kommunikation und Vertrauen.

Besonders hilfreich:

  • Führtraining
  • Targettraining
  • Gelassenheitsparcours
  • Handarbeit

6. Positive Verstärkung einsetzen

Belohnungen können Lernprozesse beschleunigen und Ängste reduzieren.

Geeignet sind:

  • Lob mit der Stimme
  • Kraulen
  • Futterbelohnungen in Maßen

7. Eigene Emotionen kontrollieren

Pferde reagieren sehr sensibel auf die Stimmung des Menschen.

Wer selbst nervös wird, verstärkt häufig unbewusst die Unsicherheit des Pferdes.

8. Trainingsintensität anpassen

Kurze, erfolgreiche Einheiten sind meist wirksamer als lange Trainingsstunden.

9. Ausreichend Auslastung schaffen

Geistige und körperliche Beschäftigung sollten ausgewogen sein.

Möglichkeiten:

  • Ausritte
  • Bodenarbeit
  • Stangentraining
  • Trailtraining
  • Spaziergänge
  • Gymnastizierung

10. Professionelle Hilfe hinzuziehen

Bei starken Problemen kann die Unterstützung durch einen erfahrenen Trainer oder Verhaltensexperten sinnvoll sein.


Nervöses Pferd beim Ausreiten – was hilft?

Viele Pferde zeigen ihre Nervosität besonders deutlich beim Ausreiten. Unbekannte Geräusche, Wildtiere, Fahrzeuge oder wechselnde Umgebungen können Unsicherheit auslösen.

Wichtig ist, das Pferd nicht zu überfordern. Statt lange und anspruchsvolle Ausritte zu planen, kann ein schrittweises Gewöhnungstraining sinnvoll sein.

Bewährt haben sich:

  • kurze, positive Ausritte
  • bekannte Strecken als Einstieg
  • Ausritte mit einem erfahrenen Begleitpferd
  • regelmäßige Bodenarbeit zur Vertrauensbildung
  • ruhiges und konsequentes Verhalten des Reiters

Je mehr positive Erfahrungen ein Pferd sammelt, desto größer wird sein Vertrauen in schwierigen Situationen.


Nervöses Pferd auf dem Turnier – Stress gezielt reduzieren

Viele Pferde verhalten sich zu Hause gelassen und werden auf Turnieren plötzlich unruhig oder schreckhaft. Die ungewohnte Umgebung, fremde Pferde, Lautsprecherdurchsagen und der Transport bedeuten erheblichen Stress.

Um die Belastung zu reduzieren, können folgende Maßnahmen helfen:

  • frühzeitige Gewöhnung an neue Umgebungen
  • regelmäßiges Training außerhalb der heimischen Anlage
  • ausreichend Zeit zum Ankommen einplanen
  • bekannte Routinen beibehalten
  • Fütterung und Tagesabläufe möglichst konstant halten

Ein souveränes Management vor und während des Turniers kann entscheidend dazu beitragen, dass das Pferd entspannter bleibt.


Nervöses Pferd verladen – Vertrauen statt Zwang

Das Verladen gehört zu den Situationen, die bei vielen Pferden Stress und Unsicherheit auslösen. Häufig entstehen Probleme nicht am Anhänger selbst, sondern durch negative Erfahrungen oder mangelnde Vorbereitung.

Besonders wichtig sind:

  • regelmäßiges Verladetraining ohne Zeitdruck
  • positive Bestärkung
  • ruhiges und konsequentes Vorgehen
  • sichere Ausrüstung
  • ausreichend Geduld

Zwang und Hektik führen oft dazu, dass sich die Nervosität weiter verstärkt. Ziel sollte sein, dass das Pferd den Anhänger als sicheren Ort wahrnimmt.


Häufige Fragen

Kann man ein schreckhaftes Pferd vollständig „heilen“?

Nicht immer. Die genetische Veranlagung bleibt bestehen. Ziel ist daher nicht die völlige Beseitigung jeder Schreckreaktion, sondern ein kontrollierter und gelassener Umgang mit Reizen.

Werden nervöse Pferde mit dem Alter ruhiger?

Viele Pferde gewinnen mit zunehmender Erfahrung an Sicherheit. Voraussetzung ist jedoch, dass sie positive Lernerfahrungen machen und keine chronischen Schmerzen bestehen.

Helfen Beruhigungsfuttermittel?

Einige Ergänzungsfuttermittel können unterstützend wirken. Sie ersetzen jedoch niemals die Optimierung von Haltung, Gesundheit, Fütterung und Training.

Wie lange dauert die Verbesserung?

Das hängt von Ursache und Ausmaß ab. Erste Fortschritte können innerhalb weniger Wochen sichtbar sein. Nachhaltige Veränderungen benötigen häufig mehrere Monate konsequenter Arbeit.

Sollte man ein schreckhaftes Pferd bestrafen?

Nein. Strafen erhöhen meist die Unsicherheit und können Ängste sogar verstärken. Zielführender sind Ruhe, klare Führung und kontrolliertes Training.

Hilft Magnesium bei nervösen Pferden?

Magnesium unterstützt die normale Funktion von Muskeln und Nervensystem und wird daher häufig bei nervösen Pferden eingesetzt. Liegt tatsächlich ein Magnesiummangel oder ein erhöhter Bedarf vor, kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein. Allerdings ist Magnesium kein Beruhigungsmittel. Sind Schmerzen, Stress, Haltungsprobleme oder Trainingsdefizite die eigentliche Ursache der Nervosität, wird Magnesium allein das Problem nicht lösen.

Welche Pferderassen sind besonders sensibel?

Grundsätzlich kann jedes Pferd sensibel oder schreckhaft reagieren. Einige Rassen gelten jedoch als besonders aufmerksam und reaktionsschnell. Dazu gehören beispielsweise Vollblüter, Araber und viele Warmblüter aus dem Sportpferdebereich. Allerdings spielen nicht nur die Genetik, sondern auch Ausbildung, Haltung, Erfahrungen und der individuelle Charakter eine entscheidende Rolle für das Verhalten eines Pferdes.

Wird ein junges Pferd mit dem Alter ruhiger?

Viele junge Pferde werden mit zunehmendem Alter und wachsender Erfahrung gelassener. Während junge Pferde unbekannte Situationen oft noch unsicher einschätzen, lernen sie durch Training und positive Erfahrungen, Reize besser zu verarbeiten. Dennoch entwickelt sich nicht jedes temperamentvolle Pferd automatisch zu einem ruhigen Pferd. Eine konsequente Ausbildung und regelmäßiges Gelassenheitstraining bleiben wichtig.

Wie trainiert man Gelassenheit bei einem Pferd?

Gelassenheitstraining sollte schrittweise und ohne Überforderung erfolgen. Ziel ist es, das Pferd kontrolliert an neue Reize und Situationen zu gewöhnen. Bewährte Methoden sind Bodenarbeit, Führtraining, Stangenarbeit, Gelassenheitsparcours sowie regelmäßige Ausritte in unterschiedlichen Umgebungen. Wichtig ist, dass das Pferd positive Erfahrungen sammelt und Vertrauen zum Menschen aufbauen kann. Geduld und Wiederholungen sind dabei entscheidend.

Können Magengeschwüre Nervosität verursachen?

Ja, Magengeschwüre können eine mögliche Ursache für Nervosität und Schreckhaftigkeit sein. Pferde mit Magengeschwüren zeigen häufig Unruhe, Leistungseinbußen, Empfindlichkeit beim Gurten oder eine erhöhte Stressanfälligkeit. Besonders Sportpferde und Pferde mit längeren Fresspausen haben ein erhöhtes Risiko. Besteht der Verdacht auf Magengeschwüre, sollte eine tierärztliche Abklärung erfolgen.

Wann sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden?

Ein Tierarzt sollte hinzugezogen werden, wenn die Nervosität plötzlich auftritt, sich deutlich verschlimmert oder von weiteren Symptomen begleitet wird. Dazu gehören beispielsweise Gewichtsverlust, Leistungsabfall, Fressunlust, Lahmheiten, wiederkehrende Koliken oder auffällige Verhaltensänderungen. Da gesundheitliche Probleme häufig hinter einer plötzlichen Schreckhaftigkeit stecken, ist eine frühzeitige Untersuchung sinnvoll, um mögliche Ursachen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Sind Ausritte sinnvoll?

Ja. Viele Pferde profitieren von abwechslungsreicher Arbeit außerhalb des Reitplatzes. Voraussetzung ist jedoch, dass Reiter und Pferd die Situation sicher bewältigen können.


Fazit

Ein nervöses, schreckhaftes Pferd ist in den meisten Fällen kein Verhaltensproblem, sondern ein Pferd mit erhöhter Sensibilität, Unsicherheit oder einer körperlichen Belastung. Erfolgreiche Verbesserungen basieren fast immer auf einem ganzheitlichen Ansatz: Zunächst müssen gesundheitliche Ursachen ausgeschlossen werden. Anschließend sollten Fütterung, Haltung und tägliches Management optimiert werden. Erst auf dieser Grundlage kann gezieltes Training seine volle Wirkung entfalten.

Die wirksamsten Maßnahmen sind ausreichend Bewegung, Sozialkontakt, eine bedarfsgerechte Fütterung, konsequente Vertrauensarbeit und ein systematisches Gelassenheitstraining. Mit Geduld, Fachwissen und einem individuellen Trainingsplan können selbst sehr schreckhafte Pferde deutlich ruhiger, sicherer und verlässlicher werden. Entscheidend ist dabei nicht, die natürliche Wachsamkeit des Pferdes zu unterdrücken, sondern ihm zu vermitteln, wie es auch in ungewohnten Situationen gelassen und vertrauensvoll reagieren kann.


Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.

Qualifikationen:

  • Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
  • Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde

Fachlich geprüft und aktualisiert: Juni 2026

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