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Rosse bei Stuten: Symptome, Ursachen & Behandlung von Rosseproblemen

27.05.2026 / Gesundheit
Rosse bei Stuten: Symptome, Ursachen & Behandlung von Rosseproblemen - Rosse bei Stuten: Symptome, Ursachen & Behandlung von Rosseproblemen

Rosse bei Stuten – Ursachen, Symptome und Behandlung von Rosseproblemen beim Pferd

Die Rosse gehört zum natürlichen Fortpflanzungszyklus der Stute und ist ein wichtiger Bestandteil der reproduktiven Gesundheit beim Pferd. Dennoch leiden viele Stuten unter ausgeprägten Rosseproblemen, die sich auf Verhalten, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden auswirken können. Besonders Sport- und Freizeitpferde zeigen während der Rosse teilweise deutliche Veränderungen – von Stimmungsschwankungen über Empfindlichkeit bis hin zu Schmerzen oder Rittigkeitsproblemen. Für Pferdehalter ist es deshalb wichtig, den Zyklus der Stute zu verstehen, typische Symptome frühzeitig zu erkennen und mögliche gesundheitliche Ursachen tierärztlich abklären zu lassen.


Was ist die Rosse?

Die Rosse bezeichnet die fruchtbare Phase im Sexualzyklus der Stute. In dieser Zeit ist die Stute empfängnisbereit und kann vom Hengst gedeckt werden. Gesteuert wird die Rosse durch hormonelle Veränderungen in den Eierstöcken und der Hypophyse. Der Zyklus tritt saisonal auf und wird stark durch die Tageslichtlänge beeinflusst. Die meisten Stuten zeigen ihre Rosse daher vor allem zwischen Frühjahr und Spätsommer.

Eine durchschnittliche Rosse dauert etwa fünf bis sieben Tage und wiederholt sich im Abstand von ungefähr 21 Tagen. Während dieser Phase produziert der Körper vermehrt Östrogene, die sowohl körperliche als auch verhaltensbezogene Veränderungen auslösen. Nicht jede Stute zeigt die Rosse jedoch gleich deutlich: Manche Pferde verhalten sich lediglich etwas sensibler, während andere starke Beschwerden oder ausgeprägte Verhaltensänderungen entwickeln.


Ursachen und Zyklus der Stute/Rosse

Der Sexualzyklus der Stute wird hormonell gesteuert und besteht aus mehreren Phasen. Besonders relevant sind die Rossephase (Östrus) sowie die Gelbkörperphase (Diöstrus). Während der Rosse reifen Follikel in den Eierstöcken heran und produzieren Östrogen. Kurz vor dem Eisprung steigt die hormonelle Aktivität deutlich an.

Der natürliche Zyklus wird unter anderem beeinflusst durch:

  • Tageslicht und Jahreszeit
  • Alter der Stute
  • Stoffwechsel und Ernährungszustand
  • Stress und Haltung
  • Erkrankungen der Eierstöcke oder Gebärmutter
  • Hormonelle Dysbalancen

Bei manchen Stuten entwickeln sich sogenannte Rosseprobleme. Ursachen hierfür können unter anderem schmerzhafte Ovulationen, große Follikelzysten, Entzündungen der Gebärmutter oder hormonelle Störungen sein. Auch orthopädische Beschwerden oder Rückenprobleme werden manchmal fälschlicherweise ausschließlich der Rosse zugeschrieben.



Symptome der Rosse

Die Symptome der Rosse können individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Viele Stuten zeigen nur leichte Verhaltensänderungen, während andere deutlich unter hormonellen Schwankungen leiden.

Typische Symptome während der Rosse sind:

  • häufiges Harnen
  • Schweifheben
  • „Blinken“ der Vulva
  • erhöhte Sensibilität im Bauch- und Flankenbereich
  • Nervosität oder Stimmungsschwankungen
  • reduzierte Leistungsbereitschaft
  • Widersetzlichkeit beim Reiten
  • Taktunreinheiten oder Verspannungen
  • Aggressivität gegenüber anderen Pferden
  • starke Anhänglichkeit oder Unruhe

Bei ausgeprägten Rosseproblemen treten teilweise massive Schmerzen auf. Manche Stuten reagieren empfindlich beim Putzen, Gurten oder unter dem Reiter. Besonders im Sportbereich können hormonell bedingte Leistungsschwankungen problematisch werden.


Rosse und Trächtigkeit

Während der Trächtigkeit bleibt die Rosse normalerweise aus, da der Körper hormonell auf die Versorgung des ungeborenen Fohlens eingestellt ist. Kommt es dennoch zu rossigen Verhaltensweisen während einer bestehenden Trächtigkeit, sollte dies tierärztlich untersucht werden.

Nach dem Abfohlen zeigt die Stute häufig bereits nach wenigen Tagen die sogenannte Fohlenrosse. Diese erste Rosse nach der Geburt tritt meist zwischen dem fünften und zehnten Tag post partum auf. Ob eine erneute Bedeckung in dieser Phase sinnvoll ist, sollte individuell mit dem Tierarzt oder Zuchtbetreuer entschieden werden.


Diagnose von Rosseproblemen durch den Tierarzt

Zeigt eine Stute wiederkehrende oder besonders starke Rosseprobleme, ist eine umfassende tierärztliche Untersuchung wichtig. Ziel der Diagnostik ist es, hormonelle, gynäkologische oder orthopädische Ursachen voneinander abzugrenzen.

Zur Diagnostik gehören häufig:

  • klinische Allgemeinuntersuchung
  • gynäkologische Untersuchung
  • Ultraschall der Eierstöcke und Gebärmutter
  • Beurteilung von Follikeln und Gelbkörpern
  • hormonelle Blutuntersuchungen
  • Ausschluss von Entzündungen oder Tumoren
  • Lahmheits- und Rückenuntersuchung

Mithilfe der Ultraschalldiagnostik lassen sich beispielsweise große Follikel, Eierstockzysten oder Flüssigkeitsansammlungen in der Gebärmutter erkennen. Blutwerte können Hinweise auf hormonelle Dysbalancen liefern.


Behandlungsmöglichkeiten bei Rosseproblemen

Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache und der Ausprägung der Beschwerden. Nicht jede Stute benötigt eine Therapie. Bei deutlichen Einschränkungen stehen jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Mögliche Therapien umfassen:

  • hormonelle Zyklusregulation
  • schmerzlindernde Medikamente
  • Anpassung von Training und Haltung
  • physiotherapeutische Maßnahmen
  • Behandlung gynäkologischer Erkrankungen
  • Unterstützung des Stoffwechsels

In einigen Fällen kann eine hormonelle Stabilisierung sinnvoll sein, insbesondere bei Stuten mit sehr schmerzhaften oder unregelmäßigen Zyklen. Wichtig ist jedoch immer eine vorherige tierärztliche Diagnostik.


Fütterung bei Rosse bzw. Rosseproblemen

Die Fütterung kann einen erheblichen Einfluss auf den Hormonstoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden der Stute haben. Besonders stoffwechselempfindliche Pferde profitieren häufig von einer angepassten Ration.

Wichtige Aspekte der Fütterung bei Rosseproblemen:

Einige Stuten profitieren zusätzlich von speziellen Ergänzungsfuttermitteln zur Unterstützung des Hormonstoffwechsels. Die Fütterung sollte jedoch immer individuell angepasst und idealerweise mit Tierarzt oder Fütterungsberater abgestimmt werden.


Praxisbeispiel: Stute Fee, 9-jähriges Connemara-Pony mit wiederkehrenden Rosseproblemen

Die 9-jährige Connemara-Stute Fee fiel über mehrere Monate durch starke Verhaltensänderungen während der Rosse auf. Besonders unter dem Sattel zeigte sie massive Verspannungen, Schweifschlagen, Taktunreinheiten sowie Abwehrreaktionen beim Angurten. Zusätzlich wirkte die Stute während der Rossephasen ungewöhnlich nervös und reagierte empfindlich auf Berührungen im Flankenbereich.

Im Rahmen der tierärztlichen Untersuchung wurden zunächst orthopädische Ursachen ausgeschlossen. Anschließend erfolgte eine gynäkologische Untersuchung inklusive Ultraschall der Eierstöcke. Dabei zeigten sich wiederholt große dominante Follikel sowie Hinweise auf schmerzhafte Ovulationsvorgänge. Entzündliche Veränderungen der Gebärmutter konnten ausgeschlossen werden.

Zusätzlich wurde die Fütterung überprüft. Fee erhielt zuvor energiereiches Kraftfutter mit erhöhtem Stärkeanteil, obwohl ihr Trainingspensum vergleichsweise moderat war. Nach der Umstellung auf eine rohfaserreiche, mineralstoffoptimierte Ration mit reduziertem Zucker- und Stärkegehalt verbesserten sich die Symptome deutlich. Ergänzend erfolgte eine zeitweise hormonelle Unterstützung sowie ein angepasstes Trainingsmanagement während besonders sensibler Zyklusphasen.

Bereits nach wenigen Monaten zeigte sich Fee insgesamt ausgeglichener. Die Rittigkeit verbesserte sich deutlich, die Schmerzsymptomatik nahm ab und die Rosse verlief wesentlich unauffälliger.

Da die Ursachen von Rosseproblemen individuell unterschiedlich sein können, ersetzt unser Ratgeber keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung.


Fazit

Die Rosse ist ein natürlicher Bestandteil des Zyklus der Stute, kann jedoch bei manchen Pferden erhebliche Beschwerden verursachen. Wiederkehrende Rosseprobleme sollten nicht als „normales Stutenverhalten“ abgetan werden, sondern tierärztlich untersucht werden. Eine gezielte Diagnostik, angepasstes Management sowie eine bedarfsgerechte Fütterung können die Lebensqualität betroffener Stuten deutlich verbessern. Gerade bei Sport- und Freizeitpferden lohnt sich eine frühzeitige Abklärung hormoneller oder gynäkologischer Ursachen.


FAQ - Häufige Fragen zur Rosse bei Stuten

Wie lange dauert die Rosse bei einer Stute?

Die Rosse dauert durchschnittlich fünf bis sieben Tage. Der gesamte Zyklus wiederholt sich etwa alle 21 Tage.

Wann zeigen Stuten die stärkste Rosse?

Die meisten Stuten sind zwischen Frühjahr und Spätsommer zyklisch aktiv, da der Hormonhaushalt durch die Tageslichtlänge beeinflusst wird.

Können Stuten während der Rosse Schmerzen haben?

Ja, manche Stuten leiden unter schmerzhaften Ovulationen oder hormonell bedingten Beschwerden, die sich deutlich auf Verhalten und Leistungsfähigkeit auswirken können.

Wann sollte der Tierarzt bei Rosseproblemen hinzugezogen werden?

Wenn die Stute starke Schmerzen, massive Verhaltensänderungen, Zyklusstörungen oder wiederkehrende Leistungseinbrüche zeigt, sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.

Kann die Fütterung Rosseprobleme beeinflussen?

Ja, insbesondere Zucker- und Stärkeüberschüsse sowie Mineralstoffmängel können den Stoffwechsel und hormonelle Prozesse negativ beeinflussen. Eine angepasste Fütterung kann viele Stuten unterstützen.


Autor:

Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin

Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme

Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.

Qualifikationen:

  • Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
  • 10+ Jahre Praxiserfahrung
  • Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
  • Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde
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