Spat beim Pferd: Ursachen, Symptome & Behandlung einfach erklärt
Spat beim Pferd – Ursachen, Symptome und Behandlung verständlich erklärt
Spat gehört zu den häufigsten chronischen Lahmheitsursachen bei Pferden und stellt insbesondere ältere Pferde sowie intensiv genutzte Reit- und Sportpferde vor große Herausforderungen. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und bleibt in den frühen Stadien häufig unbemerkt. Erste Anzeichen wie leichte Taktunreinheiten oder Anlaufschwierigkeiten werden nicht selten als Alterserscheinung oder Trainingsmangel fehlinterpretiert. Bleibt Spat jedoch unbehandelt, kann die Erkrankung fortschreiten und zu dauerhaften Schmerzen sowie einer erheblichen Einschränkung der Beweglichkeit führen.
Die gute Nachricht: Eine Spat-Erkrankung bedeutet heute keineswegs automatisch das Ende der Reitbarkeit. Dank moderner Diagnoseverfahren, gezielter Therapien und eines angepassten Haltungs- und Trainingsmanagements können viele Pferde trotz Spat noch viele Jahre schmerzfrei und leistungsfähig bleiben.
In diesem umfassenden Ratgeber erfährst Du, wie Spat entsteht, welche Symptome typisch sind, wie Tierärzte die Erkrankung diagnostizieren und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Darüber hinaus erhältst Du praxisnahe Empfehlungen zur optimalen Bewegung, Haltung und Fütterung von Pferden mit Spat sowie Hinweise, wie sich das Risiko einer Erkrankung reduzieren lässt.
Was ist Spat beim Pferd?
Spat ist eine chronisch fortschreitende Arthrose der unteren Sprunggelenke des Pferdes. Es handelt sich um eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der sich der Gelenkknorpel nach und nach abbaut. Im weiteren Verlauf verändern sich auch die angrenzenden Knochen, wodurch schmerzhafte Entzündungen und Bewegungseinschränkungen entstehen.
Da die Erkrankung vor allem die kleinen, nur wenig beweglichen Gelenke des Sprunggelenks betrifft, entwickelt sie sich häufig über Monate oder sogar Jahre. Anfangs zeigen viele Pferde lediglich leichte Auffälligkeiten, die im Alltag kaum bemerkt werden. Erst wenn der Gelenkverschleiß weiter fortschreitet oder entzündliche Prozesse zunehmen, treten deutlich erkennbare Lahmheiten auf.
Spat zählt zu den degenerativen Erkrankungen, das heißt, einmal entstandene Knorpelschäden können nicht wieder vollständig regenerieren. Ziel der Behandlung ist daher nicht die Heilung des zerstörten Knorpels, sondern die Linderung von Schmerzen, das Verlangsamen des Krankheitsverlaufs und der Erhalt der Beweglichkeit.
Warum entsteht Spat?
Damit sich Gelenke reibungslos bewegen können, sind ihre Gelenkflächen mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Dieser Knorpel wirkt wie ein Stoßdämpfer und verteilt die Belastung gleichmäßig.
Kommt es über Jahre zu:
wiederholten Überlastungen,
Fehlstellungen,
Verletzungen,
Stoffwechselstörungen oder
altersbedingtem Verschleiß,
nimmt die Qualität des Knorpels zunehmend ab. Er verliert an Elastizität, wird dünner und kann schließlich teilweise oder vollständig zerstört werden.
Da Knorpelgewebe nur sehr eingeschränkt regenerationsfähig ist, schreitet die Erkrankung ohne geeignete Maßnahmen meist langsam weiter voran.
Welche Gelenke sind betroffen?
Spat betrifft nicht das gesamte Sprunggelenk, sondern überwiegend dessen untere Gelenkebenen:
Tarsometatarsalgelenk
Distales Intertarsalgelenk
Diese kleinen Gelenke besitzen von Natur aus nur eine geringe Beweglichkeit, übertragen jedoch bei jedem Schritt erhebliche Kräfte. Gerade deshalb reagieren sie empfindlich auf dauerhafte Fehlbelastungen.
Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer sogenannten Verknöcherung (Ankylose) kommen. Dabei versteifen die betroffenen Gelenke allmählich. Obwohl eine Versteifung zunächst bedrohlich klingt, führt sie bei vielen Pferden paradoxerweise zu einer deutlichen Schmerzreduktion, da sich die entzündeten Gelenkflächen nicht mehr gegeneinander bewegen.
Das Sprunggelenk – welches Gelenk ist bei Spat betroffen?
Um Spat besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau des Sprunggelenks.
Das Sprunggelenk ist eines der komplexesten und am stärksten belasteten Gelenke des Pferdes. Es verbindet die Hintergliedmaße mit dem Röhrbein und spielt eine zentrale Rolle bei nahezu jeder Bewegung. Besonders beim Galoppieren, Springen, Versammeln oder Antraben wirken enorme Kräfte auf diese Gelenkregion.
Anatomisch besteht das Sprunggelenk aus mehreren übereinanderliegenden Einzelgelenken:
Tarsokruralgelenk (oberes Sprunggelenk)
Proximales Intertarsalgelenk
Distales Intertarsalgelenk
Tarsometatarsalgelenk
Während das obere Sprunggelenk den größten Teil der Beuge- und Streckbewegung übernimmt, dienen die unteren Gelenke vor allem der Kraftübertragung und besitzen nur einen geringen Bewegungsumfang.
Genau diese unteren Gelenke sind bei Spat fast immer betroffen.
Warum gerade die unteren Sprunggelenke?
Obwohl sie sich nur wenig bewegen, müssen die unteren Sprunggelenke enorme Druckkräfte aufnehmen.
Bei jedem Schritt wirken:
das Körpergewicht,
die Schubkraft der Hinterhand,
die Belastung durch den Reiter,
Kräfte beim Springen,
Drehbewegungen in Wendungen,
Stoßbelastungen auf hartem Boden.
Über viele Jahre können diese Belastungen den Gelenkknorpel schädigen und den Beginn einer Arthrose begünstigen.
Welche Aufgabe erfüllt das Sprunggelenk?
Das Sprunggelenk ist der „Motor" der Hinterhand.
Es sorgt unter anderem für:
Vorwärtsschub,
Tragkraft,
Versammlung,
Beschleunigung,
Absprung beim Springen,
Gleichgewicht.
Erkrankungen dieser Region wirken sich deshalb oft auf den gesamten Bewegungsablauf aus.
Viele Pferde kompensieren Schmerzen zunächst unauffällig. Erst wenn die Belastung zunimmt oder beide Hinterbeine betroffen sind, fällt eine Lahmheit deutlich auf.
Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?
Je früher Spat erkannt wird, desto besser lassen sich:
Schmerzen reduzieren,
Entzündungen kontrollieren,
Fehlbelastungen vermeiden,
Muskelabbau verhindern,
Folgeschäden an anderen Gliedmaßen reduzieren.
Viele Pferde zeigen über einen langen Zeitraum lediglich sehr subtile Veränderungen ihres Bewegungsablaufs. Wer diese frühen Warnzeichen erkennt und tierärztlich abklären lässt, kann häufig dazu beitragen, dass die Erkrankung langsamer fortschreitet und das Pferd möglichst lange beschwerdearm bleibt.

Ist Spat beim Pferd heilbar?
Die Diagnose Spat verunsichert viele Pferdehalter zunächst. Eine der häufigsten Fragen lautet daher: Kann Spat beim Pferd vollständig geheilt werden?
Die Antwort lautet: Nein – Spat ist nach dem heutigen Stand der Veterinärmedizin nicht heilbar. Die Erkrankung zählt zu den chronischen Arthrosen und geht mit einem fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels einher. Ein bereits zerstörter Gelenkknorpel kann sich nicht vollständig regenerieren.
Dennoch bedeutet die Diagnose keineswegs, dass ein Pferd zwangsläufig dauerhaft lahm wird oder nicht mehr geritten werden kann. Viele Pferde leben – bei frühzeitiger Diagnose und konsequentem Management – noch viele Jahre schmerzarm und können je nach Ausprägung weiterhin als Freizeit- oder sogar Sportpferd eingesetzt werden.
Entscheidend ist, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, Schmerzen zu kontrollieren und die Belastung des Sprunggelenks sinnvoll anzupassen.
Warum ist Spat nicht heilbar?
Gelenkknorpel besitzt nur eine sehr eingeschränkte Fähigkeit zur Selbstheilung.
Im Gegensatz zu Haut oder Muskeln wird Knorpel kaum durchblutet. Dadurch gelangen nur wenige Nährstoffe und Reparaturzellen in das Gewebe. Ist der Knorpel einmal geschädigt oder vollständig abgerieben, kann der Körper ihn nicht mehr in seiner ursprünglichen Form ersetzen.
Im weiteren Verlauf der Erkrankung verändern sich häufig auch:
die angrenzenden Knochen,
die Gelenkkapsel,
die Gelenkflüssigkeit,
Bänder und Sehnen im Umfeld des Gelenks.
Diese Veränderungen lassen sich nicht rückgängig machen.
Die moderne Therapie verfolgt deshalb andere Ziele:
Schmerzen lindern,
Entzündungen reduzieren,
die Beweglichkeit erhalten,
das Fortschreiten der Arthrose verlangsamen,
Folgeerkrankungen vermeiden,
die Lebensqualität verbessern.
Kann ein Pferd trotz Spat geritten werden?
In vielen Fällen lautet die Antwort ja.
Ob ein Pferd weiterhin geritten werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab:
Stadium der Erkrankung
Schmerzgrad
Ausmaß der Lahmheit
Alter des Pferdes
Nutzung
Ansprechen auf die Behandlung
Viele Pferde mit einer milden oder mittelgradigen Spat-Erkrankung können nach tierärztlicher Rücksprache weiterhin regelmäßig bewegt werden. Tatsächlich ist Bewegung bei Arthrose häufig wichtiger als vollständige Schonung, da sie die Gelenkschmierung verbessert und die Muskulatur erhält.
Besonders geeignet sind:
lange Schrittphasen,
lockeres Dressurreiten,
entspannte Ausritte,
kontrollierte Gymnastikarbeit,
regelmäßige Bewegung ohne Überlastung.
Dagegen sollten starke Belastungen – insbesondere bei aktiven Entzündungen – reduziert oder zeitweise vermieden werden.
Hierzu zählen unter anderem:
häufiges Springtraining,
enge Wendungen,
intensives Stop-and-Go,
harte oder tiefe Böden,
abruptes Beschleunigen.
Die Entscheidung über die weitere Nutzung sollte immer gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt getroffen und regelmäßig überprüft werden.
Was bedeutet die Verknöcherung der Gelenke?
Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Spat häufig fällt, ist die Verknöcherung oder Ankylose.
Dabei handelt es sich um einen natürlichen Prozess, bei dem die kleinen unteren Sprunggelenke nach und nach versteifen.
Viele Pferdehalter erschrecken zunächst, wenn sie diesen Begriff hören. Tatsächlich ist die Verknöcherung jedoch häufig ein Teil des natürlichen Krankheitsverlaufs und kann sogar zu einer deutlichen Verbesserung führen.
Warum kann eine Verknöcherung die Schmerzen verringern?
Die Schmerzen bei Spat entstehen hauptsächlich dadurch, dass sich die entzündeten Gelenkflächen bei jeder Bewegung gegeneinander reiben.
Sind die betroffenen Gelenke schließlich vollständig versteift, findet diese schmerzhafte Bewegung kaum noch statt.
Die Folge kann sein:
deutlich weniger Schmerzen,
verbesserte Beweglichkeit,
geringere Lahmheit,
höhere Belastbarkeit.
Da die unteren Sprunggelenke ohnehin nur einen sehr kleinen Bewegungsumfang besitzen, wirkt sich ihre vollständige Versteifung auf viele Pferde überraschend wenig aus.
Viele Pferde laufen nach abgeschlossener Ankylose wieder deutlich besser als während der aktiven Entzündungsphase.
Wie schnell schreitet Spat fort?
Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich von Pferd zu Pferd erheblich.
Einfluss haben unter anderem:
Alter,
genetische Veranlagung,
Hufstellung,
Trainingsintensität,
Körpergewicht,
Haltungsbedingungen,
Qualität der Behandlung.
Bei manchen Pferden entwickelt sich Spat über viele Jahre nur sehr langsam. Andere zeigen bereits innerhalb weniger Monate deutliche Verschlechterungen.
Regelmäßige tierärztliche Kontrollen helfen dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Therapie anzupassen.
Hat Spat Einfluss auf die Lebenserwartung?
In den meisten Fällen nein.
Spat ist zwar eine chronische Erkrankung, verkürzt jedoch normalerweise nicht die Lebenserwartung eines Pferdes.
Entscheidend ist vielmehr, wie gut Schmerzen kontrolliert werden können und ob das Pferd weiterhin eine gute Lebensqualität besitzt.
Viele Pferde mit Spat:
leben noch viele Jahre,
bleiben als Freizeitpferd nutzbar,
genießen Weidegang und Offenstallhaltung,
können mit angepasster Bewegung aktiv bleiben.
Eine frühzeitige Diagnose und ein konsequentes Management tragen wesentlich dazu bei, die Lebensqualität langfristig zu erhalten.
Welche Faktoren beeinflussen die Prognose?
Die Aussichten für ein Pferd mit Spat hängen von verschiedenen Faktoren ab.
Günstige Voraussetzungen
frühe Diagnose
konsequente Behandlung
angepasstes Training
normales Körpergewicht
regelmäßige Bewegung
gute Hufbearbeitung
entzündungshemmendes Management
Ungünstige Faktoren
fortgeschrittene Arthrose
dauerhaft hohe sportliche Belastung
Fehlstellungen der Gliedmaßen
Übergewicht
lange Phasen ohne Bewegung
unzureichende Schmerztherapie
wiederholte Überlastung
Je mehr dieser Risikofaktoren vermieden werden, desto besser fällt häufig die Prognose aus.
Können Zusatzfuttermittel Spat heilen?
Immer wieder werden Ergänzungsfuttermittel mit Aussagen wie „Knorpelaufbau“ oder „Heilung von Arthrose“ beworben.
Solche Versprechen sind wissenschaftlich nicht belegt. Ein bereits zerstörter Gelenkknorpel kann durch kein Futtermittel vollständig wiederhergestellt werden.
Einige Inhaltsstoffe können jedoch – abhängig vom Einzelfall – die Gelenkfunktion unterstützen oder entzündliche Prozesse positiv beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise:
Chondroitinsulfat,
MSM,
Hyaluronsäure,
Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Behandlung und sollten immer als Teil eines umfassenden Therapiekonzepts betrachtet werden.
Was können Pferdehalter selbst tun?
Auch wenn Spat nicht heilbar ist, können Pferdehalter den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Bewährt haben sich unter anderem:
regelmäßige, gleichmäßige Bewegung,
Vermeidung von Übergewicht,
angepasste Trainingspläne,
hochwertige Hufbearbeitung,
geeignete Bodenverhältnisse,
regelmäßige tierärztliche Kontrollen,
frühzeitige Behandlung von Entzündungsschüben,
artgerechte Haltung mit möglichst viel freier Bewegung.
Gerade die Kombination dieser Maßnahmen entscheidet häufig darüber, wie gut ein Pferd langfristig mit der Erkrankung zurechtkommt.
Prognose: Was bedeutet die Diagnose Spat wirklich?
Die Diagnose Spat ist heute längst kein Grund mehr, ein Pferd vorschnell aus dem Reitsport oder dem aktiven Leben zu nehmen. Dank moderner Diagnostik, gezielter Schmerztherapie und eines angepassten Haltungs- und Trainingsmanagements können viele Pferde noch über viele Jahre hinweg ein aktives und weitgehend beschwerdefreies Leben führen.
Ursachen von Spat beim Pferd
Spat entwickelt sich in den meisten Fällen nicht plötzlich, sondern entsteht über einen längeren Zeitraum. Die Erkrankung ist das Ergebnis eines fortschreitenden Verschleißes der kleinen unteren Sprunggelenke, bei dem verschiedene Faktoren zusammenwirken. Neben der natürlichen Alterung spielen genetische Veranlagung, Fehlstellungen, Überbelastungen und Haltungsbedingungen eine entscheidende Rolle.
Oft lässt sich keine einzelne Ursache eindeutig benennen. Stattdessen handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren, die über Monate oder Jahre hinweg zu einer Schädigung des Gelenkknorpels führen.
Je früher diese Faktoren erkannt und reduziert werden, desto besser lässt sich das Risiko für Spat senken.
Wie entsteht Spat?
Gesunde Gelenke sind mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. Dieser Gelenkknorpel wirkt wie ein Stoßdämpfer und sorgt dafür, dass sich die Gelenkflächen nahezu reibungslos gegeneinander bewegen können.
Wird ein Gelenk dauerhaft überlastet oder ungleichmäßig belastet, verliert der Knorpel nach und nach seine Elastizität.
Die Folge:
feine Knorpelschäden entstehen,
die Knorpelschicht wird dünner,
der darunterliegende Knochen wird stärker belastet,
Entzündungen entwickeln sich,
Knochenzubildungen entstehen,
das Gelenk versteift sich langsam.
Dieser Prozess verläuft häufig über mehrere Jahre und bleibt zunächst unbemerkt.
Alter als Risikofaktor
Mit zunehmendem Alter nimmt die Regenerationsfähigkeit des Gelenkknorpels ab.
Dadurch steigt das Risiko für:
Knorpelverschleiß,
Arthrose,
Entzündungen,
Bewegungseinschränkungen.
Deshalb tritt Spat besonders häufig bei älteren Pferden auf.
Allerdings sind auch jüngere Pferde keineswegs vor der Erkrankung geschützt. Vor allem bei hoher sportlicher Belastung oder ungünstigen anatomischen Voraussetzungen kann Spat bereits in jungen Jahren auftreten.
Genetische Veranlagung
Die Veranlagung für Gelenkerkrankungen scheint teilweise erblich zu sein.
Bestimmte Pferde besitzen von Natur aus:
ungünstige Gliedmaßenstellungen,
eine geringere Knorpelqualität,
anatomische Besonderheiten des Sprunggelenks.
Diese Faktoren erhöhen die Belastung einzelner Gelenkbereiche und können die Entstehung von Spat begünstigen.
Deshalb spielt die Auswahl gesunder Zuchttiere eine wichtige Rolle, um das Risiko in nachfolgenden Generationen möglichst gering zu halten.
Fehlstellungen der Hintergliedmaßen
Fehlstellungen gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren.
Sie führen dazu, dass einzelne Bereiche des Sprunggelenks dauerhaft stärker belastet werden als andere.
Problematisch sind beispielsweise:
kuhhessige Stellung,
bodenenge Hintergliedmaßen,
zehenweite Stellung,
ungleichmäßige Hufwinkel,
asymmetrische Belastung.
Durch diese Fehlbelastungen nutzt sich der Gelenkknorpel schneller ab.
Fehlerhafte Hufbearbeitung und Hufbalance
Die Hufe bilden das Fundament des gesamten Bewegungsapparates.
Bereits kleine Veränderungen der Hufstellung können die Belastung des Sprunggelenks deutlich beeinflussen.
Zu den häufigsten Problemen gehören:
zu lange Zehen,
untergeschobene Trachten,
schiefe Hufe,
ungleichmäßige Hufwinkel,
verspätete Hufbearbeitung.
Eine regelmäßige und fachgerechte Hufpflege trägt wesentlich dazu bei, Fehlbelastungen zu reduzieren.
Hohe sportliche Belastung
Sportpferde belasten ihre Sprunggelenke täglich erheblich.
Besonders hohe Kräfte entstehen bei:
Springen,
Vielseitigkeit,
Dressur mit hoher Versammlung,
Westernreiten mit Stopps und Spins,
Galopprennen.
Auch häufiges Training auf tiefen oder sehr harten Böden kann die Gelenke zusätzlich beanspruchen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Sport automatisch Spat verursacht. Entscheidend ist vielmehr, ob Training, Regeneration und Belastung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.
Übergewicht
Jedes zusätzliche Kilogramm Körpergewicht erhöht die Belastung der Gelenke.
Übergewicht kann deshalb:
den Knorpelverschleiß beschleunigen,
Entzündungen fördern,
bestehende Arthrosen verschlimmern.
Besonders gefährdet sind:
leichtfuttrige Ponys,
Robustpferde,
ältere Freizeitpferde.
Ein normales Körpergewicht gehört daher zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen.
Bewegungsmangel
Pferde sind Lauftiere.
Stehen sie über viele Stunden täglich in der Box, fehlen wichtige Bewegungsreize für die Gelenke.
Regelmäßige Bewegung sorgt dafür,
dass Gelenkflüssigkeit verteilt wird,
Knorpel besser mit Nährstoffen versorgt wird,
Muskulatur erhalten bleibt,
Gelenke beweglich bleiben.
Lange Stehzeiten können dagegen Steifigkeit und Gelenkprobleme begünstigen.
Verletzungen des Sprunggelenks
Auch frühere Verletzungen können Jahre später zur Entstehung von Spat beitragen.
Hierzu zählen beispielsweise:
Gelenkentzündungen,
Bänderverletzungen,
Frakturen,
Knorpelschäden,
schwere Prellungen.
Nach solchen Verletzungen verändert sich häufig die Belastungsverteilung innerhalb des Gelenks.
Entzündliche Gelenkerkrankungen
Chronische Entzündungen beschleunigen den Knorpelabbau.
Bleiben Gelenkentzündungen unbehandelt, können sie langfristig in eine Arthrose übergehen.
Deshalb sollten Lahmheiten oder Schwellungen im Bereich des Sprunggelenks immer tierärztlich abgeklärt werden.
Bodenverhältnisse
Auch der Untergrund beeinflusst die Belastung des Bewegungsapparates.
Problematisch können sein:
dauerhaft harte Böden,
tiefer Sand,
rutschige Flächen,
stark unebene Wege.
Idealerweise wechseln sich unterschiedliche Bodenverhältnisse ab, um eine einseitige Belastung zu vermeiden.
Haltung und Stallmanagement
Die Haltungsbedingungen wirken sich unmittelbar auf die Gelenkgesundheit aus.
Ein erhöhtes Risiko besteht häufig bei:
dauerhafter Boxenhaltung,
wenig Weidegang,
mangelnder Eigenbewegung,
rutschigen Ausläufen,
dauerhaft matschigen Böden.
Demgegenüber fördern Offenställe oder Aktivställe mit viel freier Bewegung die Gelenkfunktion und können das Risiko für Arthrose verringern.
Muskelungleichgewichte
Eine gut entwickelte Muskulatur stabilisiert die Gelenke und entlastet Bänder sowie Knorpel.
Fehlende Muskulatur oder ein unausgewogenes Training können dazu führen, dass das Sprunggelenk stärker belastet wird.
Deshalb gehören:
regelmäßige Gymnastizierung,
abwechslungsreiches Training,
korrektes Aufwärmen,
ausreichende Erholungsphasen
zu den wichtigsten Maßnahmen für gesunde Gelenke.
Fütterung
Eine ausgewogene Ernährung kann Spat zwar nicht verhindern, sie unterstützt jedoch die allgemeine Gelenkgesundheit.
Wichtig sind insbesondere:
bedarfsgerechte Energieversorgung,
hochwertige Eiweißquellen,
ausreichende Mineralstoffversorgung,
Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Mangan,
essenzielle Fettsäuren.
Eine Überversorgung mit Energie und daraus resultierendes Übergewicht sollte dagegen vermieden werden.
Welche Pferde sind besonders häufig betroffen?
Grundsätzlich kann jedes Pferd an Spat erkranken.
Ein erhöhtes Risiko besteht jedoch häufig bei:
älteren Pferden,
Sportpferden,
Pferden mit Fehlstellungen,
Pferden mit früheren Sprunggelenksverletzungen,
übergewichtigen Pferden,
genetisch vorbelasteten Tieren.
Auch bestimmte Rassen scheinen häufiger betroffen zu sein, wobei neben der genetischen Veranlagung vor allem Nutzung und Exterieur eine Rolle spielen.
Die häufigsten Ursachen von Spat im Überblick
| Ursache | Einfluss auf das Risiko |
|---|---|
| Alter | ★★★★★ |
| Genetische Veranlagung | ★★★★☆ |
| Fehlstellungen | ★★★★★ |
| Fehlerhafte Hufbearbeitung | ★★★★☆ |
| Hohe sportliche Belastung | ★★★★☆ |
| Übergewicht | ★★★★☆ |
| Bewegungsmangel | ★★★★☆ |
| Frühere Verletzungen | ★★★★☆ |
| Chronische Gelenkentzündungen | ★★★★☆ |
| Ungünstige Bodenverhältnisse | ★★★☆☆ |
| Muskelungleichgewichte | ★★★☆☆ |
| Ungeeignete Haltung | ★★★☆☆ |
Symptome von Spat beim Pferd – Woran erkenne ich Spat?
Spat entwickelt sich meist schleichend und gehört deshalb zu den Erkrankungen, die in den frühen Stadien häufig übersehen werden. Viele Pferde zeigen zunächst nur sehr dezente Veränderungen ihres Bewegungsablaufs. Diese werden oftmals als normale Alterserscheinung, Trainingsmangel oder vorübergehende Steifheit interpretiert.
Gerade zu Beginn der Erkrankung wechseln sich gute und schlechte Tage häufig ab. Viele Pferde laufen nach dem Aufwärmen scheinbar wieder normal, obwohl bereits deutliche Veränderungen im Sprunggelenk bestehen. Genau dieses sogenannte „Einlaufen" ist eines der typischsten Anzeichen für Spat.
Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser können Schmerzen gelindert, Entzündungen kontrolliert und Folgeschäden vermieden werden.
Erste Anzeichen von Spat
Im Anfangsstadium sind die Symptome häufig unspezifisch.
Typische erste Veränderungen sind:
leichte Steifheit nach Ruhephasen
Anlaufschwierigkeiten
verkürzte Tritte
geringerer Schub aus der Hinterhand
verminderte Leistungsbereitschaft
Schwierigkeiten beim Versammeln
gelegentliche Taktunreinheiten
Viele Pferde wirken zunächst lediglich etwas „unmotiviert" oder bewegen sich nicht mehr so locker wie gewohnt.
Das typische „Einlaufen"
Ein klassisches Symptom von Spat ist, dass sich die Lahmheit nach einigen Minuten Bewegung verbessert.
Nach längeren Ruhephasen zeigt das Pferd häufig:
Steifheit
kurze Schritte
deutliche Taktfehler
Mit zunehmender Bewegung erwärmt sich das Gelenk, die Gelenkflüssigkeit wird besser verteilt und viele Pferde laufen vorübergehend flüssiger.
Dieses Phänomen sollte jedoch niemals als Zeichen dafür gewertet werden, dass „alles wieder in Ordnung" ist. Vielmehr handelt es sich um einen typischen Hinweis auf eine beginnende Arthrose.
Lahmheit
Mit Fortschreiten der Erkrankung entwickelt sich häufig eine mehr oder weniger ausgeprägte Lahmheit.
Diese kann:
dauerhaft bestehen,
nur unter Belastung auftreten,
nur auf einer Hand sichtbar sein,
nach Ruhephasen stärker werden,
schubweise auftreten.
Viele Pferde lahmen nicht konstant, sondern zeigen wechselnde Symptome.
Gerade das erschwert die frühe Diagnose.
Verkürzte Hinterhandbewegung
Pferde mit Spat setzen ihre Hinterbeine häufig nicht mehr so weit unter den Schwerpunkt.
Dadurch entstehen:
kürzere Tritte
geringerer Schub
verminderte Tragkraft
flacheres Gangbild
Besonders in der Dressur fällt auf, dass das Pferd Schwierigkeiten hat, Last mit der Hinterhand aufzunehmen.
Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten
Das Rückwärtsrichten gehört zu den Übungen, bei denen Spat häufig besonders deutlich sichtbar wird.
Betroffene Pferde:
treten ungern zurück,
setzen die Hinterbeine nur zögerlich,
weichen seitlich aus,
wirken steif,
verweigern die Übung teilweise vollständig.
Da das Sprunggelenk hierbei stark gebeugt werden muss, treten Schmerzen oft besonders deutlich zutage.
Probleme beim Angaloppieren
Viele Pferde mit Spat zeigen Schwierigkeiten beim Galopp.
Typische Anzeichen sind:
falscher Galopp
häufiges Umspringen
Kreuzgalopp
unwilliges Angaloppieren
Galopp nur auf einer Hand problematisch
Insbesondere das Angaloppieren auf der stärker betroffenen Hintergliedmaße fällt vielen Pferden schwer.
Probleme in Wendungen
Enge Wendungen belasten das Sprunggelenk besonders stark.
Deshalb zeigen viele Pferde:
Taktfehler auf kleinen Zirkeln,
Steifheit in Volten,
Schwierigkeiten bei Seitengängen,
Widerstand beim Biegen.
Auf gerader Linie erscheinen viele Pferde dagegen zunächst nahezu unauffällig.
Verminderte Leistungsbereitschaft
Nicht jedes Pferd mit Spat zeigt sofort eine deutliche Lahmheit.
Häufig äußern sich Schmerzen zunächst durch Verhaltensänderungen.
Betroffene Pferde wirken beispielsweise:
lustlos,
triebig,
spannig,
widersetzlich,
schneller ermüdet.
Manche Pferde verweigern plötzlich Lektionen, die zuvor problemlos möglich waren.
Dabei handelt es sich nicht um Ungehorsam, sondern häufig um eine Schmerzreaktion.
Veränderungen beim Springen
Springpferde fallen oft durch folgende Symptome auf:
geringere Sprungkraft
vorsichtigeres Springen
Verweigerungen
häufiges Berühren der Stangen
Schwierigkeiten bei Kombinationen
Da beim Absprung enorme Kräfte auf die Sprunggelenke wirken, werden Beschwerden hier häufig besonders deutlich.
Muskelabbau
Bleibt Spat über längere Zeit unbehandelt, verändert sich häufig die Muskulatur.
Durch die Schonhaltung entwickelt sich insbesondere an der Hinterhand:
Muskelabbau
asymmetrische Bemuskelung
verminderte Tragkraft
Je länger die Lahmheit besteht, desto deutlicher werden diese Veränderungen sichtbar.
Veränderungen der Hufabnutzung
Auch die Hufe können Hinweise liefern.
Durch die veränderte Belastung entstehen teilweise:
ungleichmäßige Abnutzung
schiefer Hufabrieb
asymmetrische Hufformen
Diese Veränderungen sollten stets gemeinsam mit Hufschmied oder Hufbearbeiter beurteilt werden.
Schwellungen am Sprunggelenk
Im Gegensatz zu anderen Gelenkerkrankungen treten sichtbare Schwellungen bei Spat nicht immer auf.
Dennoch können vorkommen:
leichte Umfangsvermehrungen,
Wärme,
Druckempfindlichkeit,
verdickte Gelenkregionen.
Da die betroffenen Gelenke tief liegen, bleiben äußerlich sichtbare Veränderungen häufig gering.
Fortgeschrittene Symptome
Mit zunehmendem Krankheitsverlauf können folgende Beschwerden auftreten:
deutliche Lahmheit
dauerhaft verkürzte Hinterhandbewegung
Schwierigkeiten beim Aufstehen
ausgeprägte Steifheit
eingeschränkte Beweglichkeit
deutlicher Muskelabbau
reduzierte Leistungsfähigkeit
Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln viele Pferde eine ausgeprägte Schonhaltung.
Typische Symptome im Überblick
Die häufigsten Anzeichen von Spat sind:
Anlaufschwierigkeiten
„Einlaufen" nach einigen Minuten Bewegung
Lahmheit der Hintergliedmaße
verkürzte Tritte
verminderter Schub
Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten
Probleme beim Angaloppieren
Taktunreinheiten
Steifheit in Wendungen
Muskelabbau der Hinterhand
Leistungsabfall
Bewegungsunlust
Nicht jedes Pferd zeigt alle Symptome gleichzeitig. Art und Ausprägung hängen vom Stadium der Erkrankung und davon ab, ob ein oder beide Sprunggelenke betroffen sind.
Frühstadium oder fortgeschrittene Erkrankung?
| Frühstadium | Fortgeschrittenes Stadium |
|---|---|
| leichte Steifheit | deutliche Lahmheit |
| Anlaufschwierigkeiten | dauerhaft verkürzte Hinterhandbewegung |
| Verbesserung nach dem Aufwärmen | auch nach dem Einlaufen Schmerzen |
| gelegentliche Taktfehler | deutlicher Leistungsverlust |
| Probleme beim Angaloppieren | Schwierigkeiten beim Gehen und Aufstehen |
| leichte Hinterhandschwäche | Muskelabbau und Schonhaltung |
Wann sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden?
Bereits bei den ersten Auffälligkeiten sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.
Insbesondere folgende Symptome sollten ernst genommen werden:
wiederkehrende Lahmheiten
Steifheit nach Ruhephasen
plötzlich verminderte Leistungsbereitschaft
Probleme beim Rückwärtsrichten
Schwierigkeiten im Galopp
anhaltende Taktunreinheiten
wiederkehrende Hinterhandlahmheit
Je früher die Ursache abgeklärt wird, desto größer sind die Chancen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und Folgeschäden zu vermeiden.
Welche Erkrankungen können ähnliche Symptome verursachen?
Nicht jede Lahmheit der Hinterhand wird durch Spat verursacht. Eine gründliche tierärztliche Untersuchung ist wichtig, da verschiedene Erkrankungen ähnliche Beschwerden hervorrufen können.
Zu den wichtigsten Differenzialdiagnosen gehören:
Arthrose anderer Gelenke
Kreuzdarmbeingelenks-Probleme (ISG)
Fesselträgerschäden
Hufrollenprobleme
Hufabszesse
Muskelverletzungen
Patellafixation
Sehnenverletzungen
Hufrehe
neurologische Erkrankungen
Erst eine umfassende Lahmheitsuntersuchung mit gegebenenfalls weiterführender Bildgebung ermöglicht eine sichere Diagnose.
Fazit
Die Symptome von Spat entwickeln sich meist langsam und werden in der Anfangsphase häufig unterschätzt. Typische Anzeichen sind Anlaufschwierigkeiten, eine Verbesserung nach dem Aufwärmen, verkürzte Tritte, Schwierigkeiten beim Angaloppieren sowie eine schleichend nachlassende Leistungsbereitschaft. Im weiteren Verlauf können deutliche Lahmheiten, Muskelabbau und Bewegungseinschränkungen hinzukommen. Wer diese Warnsignale früh erkennt und tierärztlich abklären lässt, schafft die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung und kann dazu beitragen, dass das Pferd möglichst lange schmerzarm und beweglich bleibt.
Autor:
Leona Oestreich
Pferdeernährungsberaterin
Spezialisiert auf Pferde, die nicht zunehmen, Muskelaufbau und Stoffwechselprobleme
Leona arbeitet seit über 10 Jahren mit Pferden in Fütterungsberatung und Stallpraxis. Ihr Schwerpunkt liegt auf schwerfuttrigen Pferden, Senioren und Stoffwechselerkrankungen. Sie berät mehr als 200 Pferdehalter pro Jahr bei der Fütterung.
Qualifikationen:
- Zertifizierte Pferdeernährungsberaterin
- 10+ Jahre Praxiserfahrung
- Fokus: Seniorenfütterung, Muskelaufbau, Stoffwechselprobleme
- Pferdefutterberaterin mit Schwerpunkt auf schwerfuttrige und stoffwechselkranke Pferde